Südsudan: Über sieben Millionen Menschen leiden Hunger

    Dauerkrise im Südsudan:Über sieben Millionen Menschen leiden Hunger

    Susann von Lojewski
    von Susann von Lojewski
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    Steigende Lebensmittelpreise und anhaltender Regen machen die Versorgungslage immer schwieriger. Unicef warnt: Mehr als 300.000 Kinder sind akut vom Hungertod bedroht.

    Unterernährte Kindern im Südsudan
    Mehr als sieben Millionen Menschen leiden im Südsudan an akutem Hunger.
    Quelle: obs

    Alat Bol Agei stapft im kniehohen Wasser durch die Wiese. Sie versucht ihr Haus in Mabior zu erreichen, das von den Fluten im Südsudan überschwemmt wurde. Doch es gelingt ihr nicht. Das Wasser ist einfach zu hoch.
    Schon so oft hat die mehrfache Mutter ihre Lehmhütte wieder aufgebaut, doch dieses Jahr ist es schlimmer denn je. Sie hat einfach keine Kraft mehr.

    Mein Mann sagt, es gibt kein anderes Stück Land. Aber ich habe jede Hoffnung verloren. Ich gehe in die Stadt, die Regierung soll sich um mich kümmern.

    Alat Bol Agei

    Menschen nach Überschwemmungen immer verzweifelter

    In der grünen Landschaft stehen zusammengefallene Häuser, die Ernte verfault - und am Himmel türmen sich die nächsten Gewitterwolken. Die Menschen haben sich vor den Überschwemmungen in kleine Holzhütten am Straßenrand gerettet. Sie sind verzweifelt. Auch die fünffache Mutter Nyanut Kvet: "Woher soll ich ein Stück Land bekommen, das höher liegt? Wir können nirgendwo hin."
    Mehr als sieben Millionen Menschen im Südsudan leiden akut Hunger, das ist weit mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Die schlechten Straßen, die steigenden Lebensmittelpreise und auch der Rückgang an Spenden infolge des Ukraine-Krieges machen es den Nichtregierungsorganisationen immer schwerer zu helfen.

    Die vergessene Krise im Südsudan

    "Der Südsudan ist so etwas wie eine vergessene Krise geworden", sagt Muzamil Sebi von Save the Children Südsudan resigniert. "Es ist schrecklich in der Regenzeit. Die meisten Regionen sind völlig überflutet. Wir kommen nicht in die Gemeinden, die wirklich Hilfe brauchen. Und die Transportkosten für die Waren, die die Communities brauchen, sind eine Herausforderung."
    Im kleinen Krankenhaus von Tonj im Südsudan bekommen sie das hautnah zu spüren. In den Zimmern ist die Luft stickig, es riecht nach Hoffnungslosigkeit und Not. In den Gängen sitzen Mütter mit ihren Kindern, warten auf Hilfe. Essen für Erwachsene gibt es nicht, und auch Vorräte und Zusatznahrung gehen langsam zur Neige.

    Viel weniger Spenden aus Europa und Amerika

    Das Krankenhaus wird finanziert von britischen und amerikanischen Hilfsorganisationen, doch die Mittel wurden gekürzt: "Wir haben erfahren, dass unsere Spenden um 30 Prozent zurückgegangen sind," sagt Dr. Agany Monychol, der medizinische Direktor.

    Wir haben Personal verloren. Wir haben andere, die uns helfen, verloren. Unser Budget ist gekürzt worden infolge des Ukraine-Krieges.

    Dr. Agany Monychol, Krankenhausdirektor

    Auf der kleinen Station für akut unterernährte Kinder sitzt Gai Makam mit ihrem Erstgeborenen. Der kleine Bol wiegt etwas mehr als fünf Kilo - mit elf Monaten. Viel zu wenig.
    "Weil die Flut überall war, sind alle im Dorf betroffen und haben kein Essen. Niemand kann mir helfen." Die junge Mutter ist verzweifelt. Sie weiß nicht, wohin sie gehen soll, und in der Klinik kann sie nicht bleiben. Vor der Tür warten schon die nächsten Patientinnen.

    Kraft der Menschen im Südsudan ist am Ende

    Asunta Adhieu weiß, wie sich das anfühlt, wenn man sein Kind leiden sieht. Die Koordinatorin der Nichtregierungsorganisationen für die Region Tonj erwartet selbst gerade ihr viertes Kind. Sie tut alles, um Gelder aufzutreiben, doch im Moment stößt sie an ihre Grenzen. "Wir haben Krieg in der Ukraine - das trifft unsere Partner. Sie helfen nicht. Wir geben ihnen unsere Einschätzung und bekommen keine Antwort. Wir versuchen alles, um den Menschen zu helfen, aber die NGO helfen uns aktuell nicht."
    Regina Akieu konnte immerhin im Haus ihrer Schwester unterkommen. Ihr Mann wurde 2014 im Bürgerkrieg erschossen, sie hat acht Kinder. Jetzt verkauft sie auf dem Markt das Bisschen, was das Land ihrer Schwester hergibt. Viel ist es nicht - und viel Hoffnung hat die Witwe auch nicht.

    Selbst wenn der Regen aufhört: Ich habe einfach keine Kraft mehr, um ein neues Haus aufzubauen.

    Regina Akieu

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