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"Manche in der Kirche blenden Realität aus"

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Reformen gesucht - "Manche in der Kirche blenden Realität aus"

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Welche Reformen braucht die katholische Kirche? Heute beraten erstmals Bischöfe und Laien darüber. Eine Jugendvertreterin des "Synodalen Wegs" spricht über Wege aus der Krise.

Eine brennende Kerze im Kaiserdom in Limburg
Bischöfe und Laien diskutieren ab heute in Frankfurt über Reformen in der katholischen Kirche.
Quelle: bistumlimburg.de

heute.de: In der römisch-katholischen Kirche können nur Männer Priester werden. Wären Sie gerne Priesterin?

Katharina Norpoth: Ich denke, ich habe andere Begabungen. Aber ich kenne genügend Frauen, die eine starke Berufung spüren und gerne Priesterinnen wären. Ich finde es schade, dass ihnen dieser Weg verwehrt wird. Dadurch entgeht nicht nur den Frauen was, sondern auch der Kirche.

heute.de: Daran dürfte der Synodale Weg nichts ändern. In Rom ticken die Uhren langsam ...

Norpoth: Wir müssen uns als Kirche bewegen. Wir müssen schauen, dass wir die Zeichen der Zeit erkennen und entsprechend handeln. Reden allein reicht nicht. Jetzt zählen mutige Entscheidungen und Taten. Gerade junge Katholik*innen wollen eine Veränderung. Die Forderung, dass Frauen zu Diakoninnen und Priesterinnen geweiht werden, ist übrigens nichts Neues. Das fordern wir schon seit Jahrzehnten.

Wie die Kirche aus der Krise will

heute.de: Sie benutzen das Gender-Sternchen. Damit dürften Sie so manchen konservativen Bischof auf die Palme bringen.

Norpoth: Damit kann ich leben. Der BDKJ ist ein Jugendverband, in dem sich alle katholischen Jugendlichen willkommen fühlen sollen - egal, zu welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen. Das spiegelt sich auch in unserer Sprache wider. Wir fordern auch, dass schwule und lesbische Paare sich segnen lassen können.

heute.de: Was regt Sie am meisten auf?

Norpoth: Manche in der Kirche haben keine Ahnung von der Welt von heute. Sie blenden Lebensrealitäten aus. Es bringt doch nichts, sich der Realität zu verschließen.

In Frankfurt findet die erste Versammlung des Synodalen Wegs der Katholischen Kirche statt. Es geht um Reformvorschläge zum Zölibat und der Stellung der Frau in der Kirche. Aber auch der Missbrauchsskandal wird thematisiert.

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heute.de: Welche Rolle spielt der Missbrauchsskandal beim Synodalen Weg?

Norpoth: Eine sehr zentrale. Der Synodale Weg ist die Antwort auf eine Studie über sexuellen Missbrauch in der Kirche. Die Kirche hat massiv an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Die Kirche muss sich ändern, um sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch zu verhindern.

heute.de: Was heißt das konkret?

Norpoth: Wir fordern mehr Nicht-Priester in Führungspositionen. Es wäre unserer Meinung nach besser, wenn zum Beispiel eine Frau und ein Priester zusammen eine Gemeinde leiten würden. Und wir fordern, dass Priesteramtskandidaten nicht unter sich bleiben in Priesterseminaren, wo sie abgeschottet in einer Parallelwelt leben. Sie sollen mitten unter den Menschen leben. So bekommen sie auch mehr vom Leben mit.

Laut und deutlich haben sich Frauen der katholischen Kirche in den letzten Monaten Gehör verschafft. Sie wollen mehr Gleichberechtigung, beispielsweise priesterliche Ämter auch für Frauen.

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heute.de: Sollen Priester heiraten dürfen?

Norpoth: Ja, der Zölibat sollte freiwillig sein. Wer zölibatär leben will, kann das gerne machen. Aber wer heiraten will, soll das auch können.

heute.de: Braucht die Kirche eine Revolution?

Norpoth: Lassen Sie uns mal lieber realistisch bleiben. Es wäre schon ein großer Fortschritt, wenn die Möglichkeiten des Kirchenrechts deutschlandweit weiter ausgeschöpft würden. Schon jetzt könnten theoretisch unter bestimmten Bedingungen katholische Frauen Kinder taufen oder Paare trauen - in der Schweiz ist das vereinzelt schon jetzt der Fall. Unser Anliegen ist, dass wir deutschlandweit weiterkommen, nicht nur in einzelnen Bistümern.

heute.de: Was sagen Sie Gleichaltrigen, die keinen Bock mehr auf Kirche haben?

Norpoth: Dann frage ich nach, ob sie auch die vielen katholischen Jugendgruppen und Jugendkirchen kennen. Wir leben hier einen Glauben, der sehr jung und lebendig ist. Wir sind sehr experimentierfreudig und lassen uns von niemandem das Katholischsein absprechen, nur weil nicht immer ein Priester dabei ist.

heute.de: Was entgegnen Sie konservativen Katholiken, die sagen: "Die Kirche gibt es schon seit 2.000 Jahren. Sie wird es auch in Zukunft geben"?

Norpoth: Denen antworte ich: "Wunderbar, dann brauchen Sie vor dem Synodalen Weg und den Reformen auch keine Angst zu haben."

heute.de: Wann wird der Synodale Weg für Sie ein Erfolg?

Norpoth: Momentan können wir nur in die Glaskugel schauen. Alle Seiten müssen aufeinander zugehen. Am Ende wird es Kompromisse geben müssen, aber es darf nicht bei Worten bleiben. Es zählen Taten.

Das Interview führte Raphael Rauch. Dem Autor auf Twitter folgen: @raphael_rauch

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