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Kleine Friedensinseln inmitten des Kriegs

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Weltfriedenstag - Kleine Friedensinseln inmitten des Kriegs

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In Syrien zerstört der Krieg seit neun Jahren das Leben von Millionen Menschen: Wie erleben sie Momente des Friedens? ZDFheute hat nachgefragt.

Kinder in Syrien
Viele Kinder, wie in diesem Flüchtlingslager im syrischen Idlib, wachsen mitten im Krieg auf.
Quelle: Belal Makhzom

Der 21. September 2020 ist im Kalender der Vereinten Nationen als "International Day of Peace" vermerkt, als Aktionstag für den Weltfrieden. Aber wie schaffen sich Menschen inmitten eines Kriegsgebiets so etwas wie kleine Friedensinseln? ZDFheute hat in Damaskus, Homs und Idlib nachgefragt.

Hakim, 26, Techniker: "Manchmal vergesse ich das Elend hier"

Der Krieg hat mir viel Lebensfreude genommen. Nicht zuletzt, weil er mich von meiner Freundin Fadila getrennt hat. Sie lebt heute mit ihrer Familie in Deutschland. Tausende Kilometer liegen zwischen uns. Mein Glück im Unglück: Wir sehen uns jeden Tag auf WhatsApp. Seit drei Jahren.

Ich wünsche mir nichts mehr, als eines Tages wieder mit ihr zusammen sein zu können. Nur: Nach Syrien will sie nicht zurück. Und für mich wird es schwer, nach Deutschland zu kommen. Oft bin ich verzweifelt. Wenigstens kann ich täglich mit Fadila sprechen. Manchmal vergesse ich dann das Elend hier für einige Zeit.

Belal, 43, Sanitäter: "Brot lindert die schlimmste Not"

Kinder in Syrien
Kinder in Syrien
Quelle: Belal Makhzom

In der Gegend um Idlib herrscht weiter Krieg. Vielen Familien hier geht es sehr schlecht: Sie leben in elenden Zeltstädten ohne fließendes Wasser, ohne Duschen und Toiletten, ohne Aussicht auf etwas Normalität. Oft sind Frauen, deren Männer im Krieg umgekommen sind, völlig mittellos.

Als Mitarbeiter einer Hilfsorganisation bin ich jeden Tag bei diesen Menschen. Wir verteilen Brot, Wasser, Medikamente und versorgen Kranke, so gut wir können. Der Verfall der Lira erschwert uns die Arbeit, weil alles immer teurer wird.

Umso zufriedener macht es mich, Kinder mit Brot zu versorgen.
Belal, Sanitäter

Ich hoffe, das lindert die schlimmste Not.

Syrien: Corona-Tests am Grenzübergang Bab al-Hawa

Coronavirus in Syrien -
"Hunger ist stärker als die Angst vor Corona"
 

Neun Kriegsjahre und nun das Coronavirus: Es trifft Syrien offenbar mit voller Härte. ZDFheute hat mit einem Arzt aus Damaskus und mit Bewohnern von Homs und Idlib gesprochen.

von Marcel Burkhardt

Adnan, 33, Lehrer: "Schulen sind Keimzellen des Fortschritts"

In den Jahren, in denen in Homs gekämpft worden ist, konnte ich meinen Beruf nur sehr eingeschränkt ausüben. Die Schulen waren lange geschlossen. Der Krieg hat die Zukunftschancen vieler Kinder extrem beeinträchtigt. Nun verändern sich die Dinge etwas zum Besseren.

Bei den älteren Schülern können wir nicht alle Lücken schließen. Aber es erfüllt mich mit Freude, wenn ich sehe, wie hungrig nach Wissen sie sind. Ich denke: Schulen sind Keimzellen des Fortschritts auf dem Weg in eine bessere Zukunft unseres Landes. Ich bete jeden Tag dafür, dass wir weiter daran arbeiten können.

Archiv: Flüchtlinge gehen am 28.10.2015 hinter der deutsch-österreichischen Grenze in Wegscheid (Bayern) zu einer Notunterkunft

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Flüchtlinge: Alles zu Menschen auf der Flucht
 

Millionen Menschen sind auf der Flucht. Kriege, Klimawandel und Armut sind Fluchtursachen. Wie geht Europa mit Geflüchteten um? Alles zur Situation der Flüch...

Djamila*, 22, Studentin: "Ich lebe jetzt, ich will nicht warten!"

Gestern hat mein Freund mit seinen Eltern um meine Hand angehalten. Ich bin fast gestorben vor Aufregung (lacht). Nun liegt es an meinen Eltern, zuzustimmen. Ich lebe in einer Familie, in der die Traditionen hochgehalten werden, das macht es kompliziert. Meine Eltern sagen: Noch herrscht Krieg, warte ab! Das hilft mir aber nicht. Ich lebe jetzt, ich will nicht mehr warten! Wer weiß, was morgen kommt?!

Ich versuche, meinen Weg gradlinig zu gehen, muss aber immer wieder Umwege machen: Meine Brüder etwa dürfen nichts davon wissen, dass ich meinen Freund allein treffe, er bekäme sonst große Probleme. Ich rede auf meine Familie ein, dass sie meinem Glück nicht im Weg steht.

*Name von der Redaktion aus Sicherheitsgründen geändert.

Bassam*, 33, Arzt: "Kleine Siege in einer großen Tragödie"

In Damaskus kämpfen wir verzweifelt gegen das Coronavirus an. In der staatlichen Klinik, in der ich arbeite, fehlt es uns an allem. Der Staat ist pleite. Obwohl wir hier Tag und Nacht im Einsatz sind, können wir vielen Patienten nicht helfen. Das macht Angehörige wütend. Sie beschimpfen uns, schreien, drohen, manche schlagen zu. Es ist der Wahnsinn.

In all dem Chaos gibt es aber manchmal kleine Wunder:

Patienten, denen es sehr schlecht geht, kommen wieder zu Kräften. Es sind kleine Siege inmitten einer einzig großen Tragödie, aber sie geben uns etwas Hoffnung zurück: Dass es nicht völlig sinnlos ist, was wir hier tun.

*Name von der Redaktion aus Sicherheitsgründen geändert.

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