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Hilfslieferungen für Syrien : "Sie lassen uns leben - Allah sei Dank"

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Kompromiss im UN-Sicherheitsrat: Durch die türkisch-syrische Grenze kommen vorerst weiter Hilfsgüter nach Syrien. Menschen wie Naela und Bilal atmen auf.

yrer tragen ihr Hab und Gut bei der Rückkehr nach Syrien am syrisch-türkischen Grenzübergang Bab al-Hawa in der Provinz Idlib, Syrien
Der Grenzübergang Bab al-Hawa in der Provinz Idlib, Syrien.
Quelle: Reuters

Angst ist das Gefühl, das in der umkämpften Region Idlib im Nordwesten Syriens Millionen von Menschen seit Jahren durchdrungen hat. Wer mit heimatvertriebenen Syrern spricht, die dort Zuflucht gesucht haben, hört immer wieder von der Angst.

Angst vor Schlägen des syrischen Militärs. Angst, in den völlig überfüllten Städten und Camps kein Dach über dem Kopf zu finden. Angst vor Hunger und Durst. Angst vor Krankheit – ohne medizinische Hilfe.

Die junge Syrerin Naela, die selbst vor Jahren mit ihrer Familie nach Idlib fliehen musste, fasst die Gefühlslage der Menschen um sie herum so zusammen:

Immer, wenn etwas Hoffnung aufkeimt, wird diese zarte Pflanze brutal zertreten. Wir haben sehr große Angst um unser Leben.
Naela K., Studentin aus Idlib, Syrien

Die Lebensader bleibt geöffnet

All die Ängste der Menschen wurden in den vergangenen Wochen aufs Neue geschürt: Denn in New York blockierte Russland im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Verlängerung der humanitären Hilfe über den türkisch-syrischen Grenzübergang Bab al-Hawa. Quasi im letzten Augenblick vor Auslaufen der bisherigen Resolution einigte sich das mächtigste UN-Gremium nun aber einstimmig, die Hilfen für zwölf Monate zu verlängern.

In der Region Idlib äußern sich die Menschen etwas erleichtert: "So viele Menschen leben hier heute schon unter entsetzlichen Umständen", sagt Naela. "Ohne die Hilfe, die aus der Türkei zu uns gelangt, wären sie innerhalb kürzester Zeit verloren.

Jetzt haben wir etwas Zeit gewonnen.
Naela

Grenzüberschreitende Hilfe für 2,4 Millionen Syrer überlebenswichtig

International tätige Hilfsorganisationen wie Care, Save the Children, World Vision und die Deutsche Welthungerhilfe sehen die Lage nicht weniger dramatisch.

Nach übereinstimmenden Informationen versorgen die NGOs gemeinsam mit dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen derzeit etwa 2,4 Millionen Menschen mit Nahrung und Medikamenten.

"Fundamentale Bedeutung" von Bab al-Hawa

Der Grenzübergang Bab al-Hawa gilt als wichtigster Umschlagplatz für Hilfslieferungen in der Region.

Wird diese Lebenslinie unterbrochen, droht vielen der Hungertod und auch die Sicherheitslage in der Region massiv verschlechtern.
Konstantin Witschel, Programmkoordinator für Syrien, Welthungerhilfe

Zwar könnten private Hilfsorganisationen auch ohne weitere Resolution des Weltsicherheitsrates im Nordwesten Syriens weiterarbeiten, allerdings habe das Welternährungsprogramm eine "fundamentale Bedeutung" für die Ernährungssicherheit der Menschen in der Region Idlib.

Die großen Hilfsorganisationen schätzen, dass sie allein nur etwa 300.000 Menschen versorgen können. "Millionen Leben stehen auf dem Spiel", warnte die Welternährungsorganisation.

Furcht vor Kriegstaktiken des Assad-Regimes

In Idlib herrschte Furcht vor Chaos: "Wir fürchten, dass wir hier bald völlig abgeschnitten sind und uns das Regime aushungern will", sagte der Sanitäter Bilal im Gespräch mit ZDFheute. "Wir haben kaum Vorräte, viele leben von der Hand in den Mund."

Was die Lage in Syrien derzeit dramatisch verschärft, sind Hitze, Wassermangel und der fortdauernde Konflikt:

Die Ernten in der Region sind wegen einer großen Dürre in Gefahr. Hinzu kommt, dass das Assad-Regime erntereife Felder immer wieder in Brand schießen lässt, und damit gezielt Hunger als Waffe einsetzt.
Konstantin Witschel, Programmkoordinator für Syrien, Welthungerhilfe

Assad will Kontrolle zurückerlangen

Der Hintergrund: Die Region um die Millionenstadt Idlib ist das letzte Gebiet, das Syriens Präsident Baschar al-Assad Widerstand leistet. Assad will die Macht auch dort zurückerlangen. Als Mittel zum Zweck soll ihm die Kontrolle der Hilfslieferungen dienen.

Statt wie bisher über die Türkei sollten Hilfstransporte von nun an über Damaskus und die Front zwischen syrischem Militär und Rebellen rollen. "Wenn das geschieht, hat er uns völlig in der Hand. Wie brutal das wird, will ich mir nicht ausmalen", sagte Sanitäter Bilal im ZDFheute-Gespräch. Nach der Entscheidung in New York atmet auch Bilal durch: "Wir leben. Sie lassen uns leben! Allah sei Dank."

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