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Interview

Außenminister Taiwans : "Ein versehentlicher Krieg ist möglich"

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Der Außenminister Taiwans warnt vor einem drohenden Krieg im Indopazifik. Im ZDF-Interview wirft er China vor, eine militärische Eskalation zu provozieren.

"Es ist offensichtlich, dass China Taiwan irgendwann angreifen möchte", so Josef Wu im Interview mit dem ZDF für die Dokumentation "Die Rivalen: China versus USA".

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8 min
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Sehen Sie oben das gesamte Interview mit Taiwans Außenminister Josef Wu als Video und lesen Sie hier Auszüge daraus:

ZDF: Wie groß ist die Gefahr, dass Chinas Präsident Xi Jinping einen Angriff oder gar eine Invasion auf Ihr Land befiehlt?

Josef Wu: Es ist offensichtlich, dass China Taiwan irgendwann angreifen möchte. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Und im Hinblick auf die chinesischen Militärübungen in der Region und dem Ausbau ihrer militärischen Fähigkeiten kommt ein weiterer Aspekt hinzu: ein Konflikt, der aus Versehen ausgelöst wird. Zum Beispiel wenn China weiterhin über Taiwans Luftverteidigungszone fliegt, oder sich plötzlich zwei Armeen gegenüberstehen.

Und das gilt nicht nur für die Taiwanstraße, China unternimmt auch Militärübungen im Ostchinesischen und Südchinesischen Meer. Dort kommt es immer wieder zu Begegnungen mit der japanischen Armee, den Amerikanern, Australiern oder den Streitkräften anderer Länder. Ein versehentlicher Krieg ist möglich. Das müssen wir verhindern, damit es nicht zu einem großen Konflikt kommt, einem Konflikt, an dem viele Länder beteiligt sind. Das will keiner.

ZDF: US-Präsident Joe Biden bestätigte kürzlich in einem Interview, die Vereinigten Staaten würden Taiwan in Fall eines Angriffs verteidigen. Glauben Sie, dass der amerikanische Präsident Wort halten wird?

Wu: Wir zweifeln nicht an Amerikas eindeutigem Bekenntnis zu Taiwan. Natürlich hoffen wir, dass die USA Taiwan auch weiterhin mit Waffen, Ausbildung und Dienstleistungen versorgen und den Informationsaustausch auf höchster Ebene pflegen, damit Taiwan in der Lage ist, sich selbst zu verteidigen. Es liegt in unserer Verantwortung, auf unsere eigene Verteidigung zu achten. Wenn China nach Taiwan kommt, haben wir die Willenskraft und die Manpower, um für unser Heimatland zu kämpfen.

Soldaten hissen während einer Militärparade eine Flagge im chinesischen Zhurihe.

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ZDF: Deutschland ist wirtschaftlich sehr eng mit China verbandelt. Glauben Sie, dass die Europäer, speziell die deutsche Regierung, in den letzten Jahren zu naiv gegenüber China gewesen sind?

Wu: Es steht mir nicht zu, die Außenpolitik eines anderen Landes zu kommentieren. Aber wir hoffen, dass deutlich wird: Die Ausbreitung des Autoritarismus findet nicht nur im Indopazifik statt. Auch Europa spürt den Druck. Gerade in Litauen ist dies zu beobachten, aber nicht nur dort.

ZDF: Litauen ist ein gutes Beispiel. China droht der litauischen Regierung, weil sich die Botschaft dort diplomatische Vertretung von Taiwan nennen darf. China übt auch auf deutsche Unternehmen Druck aus, wirtschaftliche Verbindungen mit Litauen zu kappen.

Wu: Wir müssen dem entgegentreten und Maßnahmen ergreifen, die verhindern, dass sich der Autoritarismus weiter ausbreitet. Schließlich glauben wir an Demokratie und Freiheit, und diese Werte müssen wir verteidigen.

Wir hoffen, dass die europäischen Länder Litauen helfen, sich gegen den Druck des Autoritarismus zu behaupten.
Josef Wu, Außenminister von Taiwan

ZDF: Demnächst starten die Olympischen Spiele in Peking. Hätte es im Hinblick auf die Unterdrückungstaktiken der chinesischen Regierung, ihren Menschen- und Bürgerrechtsverletzungen, ein deutlicheres Signal der Demokratien geben müssen - mehr als nur ein diplomatischer Boykott?

Wu: Wissen Sie, Taiwan ist von allen großen internationalen Organisationen ausgeschlossen. Das ist eine sehr schmerzhafte Erfahrung für uns. Lassen Sie mich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen: Als mein Sohn sechs Jahre alt war, machte ein Virus die Runde in Taiwan. Damals waren wir kein Mitglied der WHO, nicht einmal Beobachter. Wir baten die WHO, Experten zu schicken, um uns zu helfen, aber niemand kam. Sie teilten nicht einmal ihre Erfahrungen im Umgang mit dem Virus und als Folge litten und starben viele Kinder. Wir müssen also jede Möglichkeit ergreifen, damit Taiwan sich an internationalen Angelegenheiten beteiligen kann. Das gilt auch für unsere Athleten. Wir werden uns sehr bemühen, die Teilnahme unserer Athleten an den Spielen nicht zu gefährden.

ZDF: Wie lässt sich das Verhältnis zwischen China und den USA beschreiben: Ist es nur Konkurrenz? Ist es ein neuer Kalter Krieg, wie manche Leute es nennen, oder ist es tatsächlich mehr - ein gefährliches Duell um die Weltherrschaft, das uns alle in den nächsten Weltkrieg führen könnte?

Wu: China kämpft um seine globale Dominanz. Wenn wir die Situation nicht nur aus heutiger Sicht betrachten, sondern 20 bis 30 Jahre zurückblicken, wird Chinas Absicht sehr deutlich. Wir müssen uns fragen, ob wir zulassen, dass der Autoritarismus unser Leben dominiert. Und wenn wir das nicht wollen, müssen wir China ganz offen sagen, dass die Demokratien nicht tolerieren werden, wie China versucht, seinen Einfluss auf andere Länder auszuüben.

Das Interview führte ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen aus dem ZDF-Studio in Washington.

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