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Deutscher Unterhändler in Doha - Herr Potzel, WhatsApp und die Taliban

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Die Hoffnung der deutschen Afghanistan-Politik hat einen Namen: Markus Potzel. Im Golfstaat Katar verhandelt der Diplomat diskret und nahezu geräuschlos mit den Taliban.

Markus Potzel am 31.08.2021 in Doha.
Berlins erfahrenster Mann in Doha: Diplomat Markus Potzel.
Quelle: picture alliance / photothek

Am Tag, an dem die Afghanistan-Illusion des Westens endgültig zerbricht, sitzt Markus Potzel im Flugzeug nach Kabul. In seiner Tasche hat er ein Beglaubigungsschreiben des Bundespräsidenten, gerichtet an Präsident Ghani. Potzel soll der neue Botschafter Deutschlands in Afghanistan werden, ein wichtiger und ungemütlicher Stacheldraht-Einsatz. Sein zweiter. 

Zu Potzels Antrittsbesuch soll es nicht mehr kommen. Im Flugzeug ereilt den Diplomaten die Nachricht, dass Ghani, der stets das Gegenteil versprochen hatte, geflohen ist. Damit ist jenes Afghanistan, das Potzel kennt wie nur wenige im Auswärtigen Amt, von einem Moment auf den anderen Feindesland, Taliban-Land, geworden.

Bundesaußenminister Heiko Maas geht davon aus, dass noch 300 deutsche Staatsbürger in Afghanistan sind, zudem würden sich weiter ehemalige Ortskräfte als Ausreisewillige melden. Die Taliban hätten sich bereit erklärt Ausreisen zuzulassen.

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Der Beinah-Botschafter kehrt um und trifft zwei Tage später im Golfstaat Katar ein. Seitdem führt Potzel in Doha einen der umstrittensten und entscheidendsten Aufträge der Bundesregierung aus: Verhandeln mit der Mörderbande namens Taliban.

Auf das Wohlwollen der Taliban angewiesen

Um die bis zu 40.000 Menschen zu retten, denen Deutschland noch Schutz und Aufnahme zugesagt hat, ist die Bundesregierung auf das Wohlwollen der Taliban angewiesen. Werden auf dem Flughafen Kabul in absehbarer Zeit Chartermaschinen landen dürfen? Potzel verhandelt. Lassen die Taliban an den Checkpoints Busse oder kleine Konvois passieren? Potzel verhandelt.

Als Antwort auf die beispiellose Kritik am Umgang mit den Ortskräften fällt selbst der Kanzlerin kaum mehr ein, als auf "die Verhandlungen von Herrn Potzel" zu verweisen.

Potzel und Taliban kennen sich seit vielen Jahren

Markus Potzel kennt nicht nur Afghanistan, sondern auch die Taliban seit vielen Jahren. Mit dem in Doha ansässigen Büro der Gotteskrieger, ihrem inoffiziellen Außenministerium, hatte der Diplomat schon Kontakt, als die Exil-Taliban noch nicht in klimatisierten Villen wohnten und ihre Söhne auf teure Schulen schickten.

Noch immer ist unklar, wie es mit der Evakuierung der Menschen aus Afghanistan weiter geht. Bundesaußenminister Maas besucht nun Katar. Dazu ZDF-Korrespondent Andreas Kynast.

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Es dürfte helfen, dass der in der DDR aufgewachsene Potzel die Landessprache Dari spricht und unverwüstlich optimistisch wirkt. Und dass er die Telefonnummern fast aller Doha-Taliban gespeichert hat. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Verhandlungen soll über WhatsApp laufen.

Potzel: Kein öffentliches Wort, kein öffentliches Foto

Von Potzel gibt es kein einziges öffentliches Wort, von seinen Treffen kein einziges öffentliches Foto. Aber wer dem Unterhändler beim Doha-Besuch von Außenminister Heiko Maas ein paar Stunden über die Schultern schauen kann, bekommt mit, dass der diskrete Deutsche glaubt, einen halbwegs belastbaren Draht zu den Taliban etabliert zu haben.

Die neuen Machthaber brauchen Hilfe, weil Krieg, Dürre und Pandemie zahlreiche Menschenleben und damit auch ihre Herrschaft bedrohen. Das ist der eine Hebel, an dem Potzel zieht. Die Sehnsucht der Taliban-Führung nach internationaler Anerkennung ist der andere. 

Taliban: Brutal moderne Öffentlichkeitsarbeit

Die Taliban, die in der Wolkenkratzer-Stadt Doha leben, mögen noch derselben, mörderischen Ideologie anhängen wie in den 90ern, ihre Öffentlichkeitsarbeit ist brutal modern geworden. In geschliffenem Englisch geben ihre Sprecher Pressekonferenzen und Interviews, auf Twitter verbreiten sie Nachrichten, Zitate und Propaganda.

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Markus Potzel hat seit Verhandlungsbeginn nur einen, dafür aber aufsehenerregenden Tweet geschrieben. Darin teilt er mit, dass die Taliban zugestimmt haben, Afghanen ausreisen zu lassen, wenn diese über gültige Papiere verfügen. Das wäre, wenn es stimmt, ein entscheidender Schritt, eine Voraussetzung, um die Rettung der zurückgelassenen Ortskräfte fortzusetzen.

Der Verfasser des Tweets scheint zu glauben, dass man die Zusage Ernst nehmen kann. Es hängt jetzt enorm viel davon ab - Zehntausende Schicksale - dass sich Herr Potzel nicht irrt.

Andreas Kynast ist Redakteur im ZDF-Hauptstadtstudio Berlin.

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