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Nato zweifelt am Friedenswillen der Taliban

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Konflikt in Afghanistan - Nato zweifelt am Friedenswillen der Taliban

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Nach den jüngsten Angriffen der Taliban mehren sich die Zweifel am Friedenswillen der Islamisten. Außenminister Maas will das Afghanistan-Mandat der Bundeswehr verlängern.

Soldaten der Bundeswehr bewachen einen Konvoi im Feldlager Ccamp Marmal in Afghanistan. Außenminister Heiko Maas plädiert dafür, die Truppen noch nicht abzuziehen.
Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan: Die Bundesregierung will das Mandat bis zum 31. März 2021 verlängern.
Quelle: dpa

Noch vor wenigen Tagen sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in einem Interview mit dem ZDF, er plane ein Viertel der in Afghanistan stationierten UN-Truppen abziehen zu wollen. Auch die USA planten nach dem unterzeichneten Friedensabkommen mit den Taliban einen raschen Truppenabzug.

Doch nach den jüngsten Angriffen der Taliban auf Stützpunkte der afghanischen Armee hört man nun skeptischere Töne aus Washington und Brüssel. Außenminister Heiko Maas beispielsweise hält einen Abzug der Bundeswehr derzeit für wenig sinnvoll.

Abzug der Truppen hängt von Reduzierung der Gewalt ab

Auch Nato-Chef Stoltenberg hat die radikalislamischen Taliban in Afghanistan erneut gewarnt, dass der Abzug westlicher Truppen aus dem Land von einer deutlichen Reduzierung der Gewalt abhänge. "Wir können unseren Teil des Deals nur erfüllen, wenn die Taliban ihren Teil des Deals erfüllen", sagte Stoltenberg am Rande eines Treffens der EU-Verteidigungsminister in Zagreb.

USA und Taliban unterzeichnen Abkommen

Unterzeichnung in Doha -
Was das Abkommen zwischen USA und Taliban bedeutet
 

Es soll ein bedeutender Schritt in Richtung Aussöhnung in Afghanistan sein: Die USA und Vertreter der Taliban haben ein Abkommen unterzeichnet. Dazu wichtige Fragen und Antworten.

Trotz der Friedensvereinbarung mit den USA hatten die Aufständischen in der Nacht zum Mittwoch Posten der afghanischen Armee und Polizei angegriffen und dabei mindestens 20 Mitglieder der Sicherheitskräfte getötet. Die US-Armee flog daraufhin einen Luftangriff auf Taliban-Kämpfer.

US-Militär: Taliban könnten Chance auf Frieden "vergeuden"

US-Armeesprecher Sonny Leggett hatte aufgrund der jüngsten Gewalt erklärt, die Taliban schienen mit den Angriffen die durch das Doha-Abkommen eröffnete Chance auf Frieden "vergeuden" zu wollen.

Nur kurz vor den Angriffen der Islamisten hatte US-Präsident Trump mit dem politischen Taliban-Führer Mullah Abdul Ghani Baradar telefoniert und anschließend von einem "sehr guten Verhältnis" zu dem Mullah gesprochen. Trump versicherte, die Islamisten wollten "die Gewalt einstellen".

Stoltenberg bezeichnete die aktuelle Lage in Afghanistan hingegen als "sehr schwierig". Der Weg zum Frieden in Afghanistan werde "lang und schwer und wir müssen auf Enttäuschungen vorbereitet sein". Doch gebe es bei der Suche nach einer friedlichen Lösung zu Verhandlungen mit der Taliban "keine Alternative".

Wir müssen einen Rückgang der Gewalt sehen.
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg

Bundesaußenminister Heiko Maas hingegen wirbt für einen Verbleib der Bundeswehr am Hindukusch. Der Weg zu einem Friedensvertrag "wird ein noch sehr weiter sein", mahnte Maas. Das Parlament soll nach dem Willen der großen Koalition das Mandat für die Entsendung von bis zu 1.300 deutschen Soldaten bis zum 31. März 2021 verlängern. Maas betonte, die internationale Staatengemeinschaft dürfe Afghanistan gerade jetzt nicht allein lassen.

Das Doha-Abkommen zwischen den Taliban und den USA sollte eigentlich den Weg für einen dauerhaften Frieden und den Abzug der US-Truppen aus dem Land ebnen. Es sieht vor, dass die USA ihre Truppenstärke in Afghanistan zunächst reduzieren. Binnen 14 Monaten sollen dann alle US-Soldaten und ihre Nato-Verbündeten abziehen.

Gespräche zwischen Taliban und afghanischer Regierung sind in Gefahr

Im Gegenzug sollen die Taliban Garantien abgeben, dass sie das Terrornetzwerk Al-Kaida und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekämpfen, und Friedensverhandlungen mit der Regierung in Kabul beginnen. Wegen der jüngsten Taliban-Angriffe ist allerdings der Auftakt der Verhandlungen zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung zunehmend in Frage gestellt.

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