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Afghanistan - Wer gehört zur neuen Taliban-Regierung?

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Die Taliban haben erste Teile ihres Übergangskabinetts vorgestellt. Wer sind die Männer, die künftig in Afghanistan bestimmen sollen? Gibt es Überraschungen?

Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid
Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid gibt die ersten Mitglieder der Übergangsregierung bekannt.
Quelle: epa

Drei Wochen nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan haben die radikalislamischen Taliban erste Mitglieder ihrer Regierung vorgestellt. Sie hatten betont, dass sie eine Regierung nicht nur aus ihren eigenen Mitgliedern bilden werden. Mit den ersten Besetzungen werden sie dieser Ansage nicht gerecht.

Wie Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid mitteilte, wird der öffentlich wenig bekannte Mullah Mohammed Hassan Achund amtierender Vorsitzender des Ministerrats, was dem Amt eines Premierministers gleichkommt. Die Ernennung des als gemäßigt geltenden Achund gilt als Überraschung - die meisten Beobachter waren davon ausgegangen, dass Mullah Baradar Regierungschef wird.

Insgesamt besetzten die Taliban 33 Posten. Ein Überblick über die wichtigsten Persönlichkeiten der künftigen Taliban-Regierung:

Mohammed Hassan Achund

Mullah Mohammed Hassan Achund, der damalige Außenminister Afghanistans, 1999 in Islamabad in Pakistan.
Mullah Mohammed Hassan Achund (Archiv)
Quelle: dpa

Mullah Mohammed Hassan Achund war ein enger Vertrauter und politischer Berater von Taliban-Gründer Mullah Omar. Damit hatte er bereits in den 90er Jahren, als die Islamisten in Afghanistan ein erstes Mal an der Macht waren, großen Einfluss.

Als damaliger Außenminister stand er auf der Sanktionsliste des UN-Sicherheitsrats. Nach Angaben der Vereinten Nationen hat er den Ruf "eines der effektivsten Taliban-Befehlshaber".

Abdul Ghani Baradar

Mullah Abdul Ghani Baradar (Archiv)
Mullah Abdul Ghani Baradar, Archivbild
Quelle: Alexander Zemlianichenko/Pool AP/dpa

Mullah Abdul Ghani Baradar soll stellvertretender Regierungschef werden. Er wuchs in Kandahar auf - der späteren Geburtsstadt der Taliban. Inmitten des afghanischen Bürgerkriegs gründeten Omar und Baradar Anfang der 90er Jahre die Taliban-Miliz.

2010 wurde Baradar in Pakistan verhaftet, 2018 dann auf Druck der USA freigelassen und nach Katar gebracht. Dort steht Baradar dem politischen Büro der Taliban vor, für das er im Februar 2020 die Unterzeichnung des unter dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump verhandelten Abkommens von Doha verantwortete.

Siradschuddin Hakkani

Der Sohn des berüchtigten Dschihadisten Dschalaluddin Hakkani ist zugleich stellvertretender Taliban-Chef und Anführer des für den Einsatz von Selbstmordattentätern bekannten Hakkani-Netzwerks innerhalb der Miliz. Er soll Innenminister der neuen Regierung werden.

Die USA stufen das Hakkani-Netzwerk als Terrororganisation ein. Es soll für einige der schwersten Anschläge der vergangenen Jahre in Kabul verantwortlich sein.

Mullah Jakub

Der Sohn von Taliban-Gründer Mullah Omar, Mullah Jakub, ist seit 2020 Chef der einflussreichen Militärkommission der Taliban, die das Netzwerk an Milizen-Kommandeuren der Taliban steuert. Er soll Verteidigungsminister werden. Die genaue Rolle des namhaften Omar-Sprosses in den Rängen der Taliban war bislang recht unklar.

Haibatullah Achundsada

Mullah Haibatullah Achundsada
Mullah Haibatullah Achundsada (Archiv)
Quelle: ap

Der geheimnisumwobene Chef der Taliban, Haibatullah Achundsada, soll nicht Teil der Regierung werden. In einer Erklärung forderte er das neue Kabinett am Dienstag auf, die Anwendung der Scharia in Afghanistan durchzusetzen.

Achundsada steht seit dem Tod des obersten Taliban-Führers Mullah Mansur Achtar bei einem US-Drohnenangriff im Mai 2016 an der Spitze der Miliz.

Bis zu seiner Ernennung war er ein islamistischer Prediger ohne großen Bekanntheitsgrad. Seine Ernennung wurde dahingehend gedeutet, dass er eher als ideologische Führungsfigur und weniger als militärischer Kommandeur der Taliban dienen soll.

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von Johanna Sagmeister
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