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Nach Wien-Attentat: Suche nach Komplizen

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Ermittlungen unter Hochdruck - Nach Wien-Attentat: Suche nach Komplizen

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Nach dem Anschlag in Wien läuft die Suche nach möglichen Hintermännern auf Hochtouren. Viele Fragen sind ungeklärt. Auch, wie der bekannte Islamist die Behörden so täuschen konnte.

Blumen und Kerzen am Tatort in Wien (Österreich), aufgenommen am 03.11.2020
Österreich trauert. Blumen und Kerzen am Tatort in Wien.
Quelle: dpa

In Wien soll an diesem Mittwoch wieder ein normaler Schultag stattfinden, doch er wird nicht normal werden, denn er beginnt in vielen Schulen mit einer Schweigeminute für die Opfer des Attentats vom Montag. Vier Menschen starben bei dem Terroranschlag in der Wiener Innenstadt, darunter auch eine Deutsche. Mindestens 22 weitere Menschen wurden verletzt.

Während das Land trauert, laufen die Ermittlungen weiter auf Hochtouren. Zentral ist dabei etwa die Frage, ob der von der Polizei am Tatort erschossene IS-Sympathisant allein handelte.

Es verdichten sich die Informationen ganz erheblich, dass es sich um einen Einzeltäter handelt.
Franz Ruf, Polizeichef

"Dennoch haben wir im öffentlichen Raum enorme Sicherheitsmaßnahmen ergriffen", sagte der Chef der höchsten Polizeibehörde, Franz Ruf, am Dienstagabend im Sender ORF.

Die Terrorismusexpertin Julia Ebner recherchiert Undercover auf dschihadistischen Seiten im Internet. Die Gefahr weiterer Angriffe wie in Wien oder Paris sei "erhöht".

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Sorge vor weiteren Taten

Die österreichischen Behörden wollen weitere Beteiligte nicht endgültig ausschließen und zunächst das umfangreiche Bildmaterial weiter auswerten. 14 Menschen aus dem Umfeld des Täters waren in den Stunden nach dem Attentat vorläufig festgenommen und 18 Wohnungen durchsucht worden.

Zudem gibt es auch die Sorge vor weiteren Taten. Man befinde sich in einer "sensiblen Phase", in der sicherzustellen sei, dass es nicht zu Nachahmungstaten komme, sagte Österreichs Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) am Dienstag.

Haben die Sicherheitsbehörden versagt?

Die österreichischen Sicherheitsbehörden müssen sich zudem Fragen stellen, warum der österreichisch-nordmazedonische Doppelstaatler den Anschlag überhaupt verüben konnte. Der 20-Jährige war im April 2019 wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 22 Monaten Haft verurteilt worden, nachdem er versucht hatte, nach Syrien auszureisen und sich dem IS anzuschließen. Statt im Juli wurde er aber bereits Anfang Dezember 2019 vorzeitig entlassen.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sagte im ORF:

Die Entscheidung, dass der Täter freigelassen wurde, war definitiv falsch.
Sebastian Kurz, Bundeskanzler

Wichtig sei nun die Suche nach Komplizen. "Der Terrorist ist nicht vom Himmel gefallen, es muss Menschen gegeben haben, die ihn verführt und radikalisiert haben", sagte er der "Welt". Er forderte mehr Engagement der EU gegen den politischen Islam, der die Freiheit und das europäische Lebensmodell gefährde.

Haft-Entlassung Ende 2019 -
Warum der Wiener Attentäter vorzeitig freikam
 

Es werden immer mehr Details zum Täter bekannt, die wiederum Fragen aufwerfen.

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Täter täuschte Deradikalisierung vor

Nehammer sagte, der Täter habe es geschafft, die Justizbehörden vor der Entlassung von seiner Deradikalisierung zu überzeugen. "Es kam zu einer vorzeitigen Entlassung eines Radikalisierten." Die Frage, ob der Mann nach seiner Entlassung von den Verfassungsschutzbehörden beobachtet wurde, beantwortete der Minister nicht klar. Er habe sich aber frei bewegen können.

Justizministerin Alma Zadic (Grüne) verteidigte dagegen am Dienstag die vorzeitige Entlassung auf Bewährung. Die Auflage regelmäßiger Kontakte zu Deradikalisierungsorganisationen sei nur bei vorzeitiger Entlassung möglich. Das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung sei informiert worden.

Der Angriff traf die Stadt ins Herz. Aber es gibt auch Geschichten, die Mut machen. Die zweier Männer, die zu Helden wurden.

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