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"Bin mir sicher, dass Merkel uns helfen kann"

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Tichanowskaja in Berlin - "Bin mir sicher, dass Merkel uns helfen kann"

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Die belarussische Oppositionelle Tichanowskaja hat Kanzlerin Merkel besucht. Im ZDF-Interview spricht sie über das Treffen, die Zukunft der Protestbewegung und roten Lippenstift.

Das ganze Interview mit Swetlana Tichanowskaja.

Beitragslänge:
4 min
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ZDF: Sie haben in den letzten Wochen mehrere Politiker getroffen, um über die angespannte Lage in Ihrer Heimat Belarus zu berichten. Sie waren im EU-Parlament, trafen Frankreichs Präsident Macron und heute die Bundeskanzlerin. Was erhoffen Sie sich von Angela Merkel, wie kann sie Ihnen helfen?

Swetlana Tichanowskaja: Zunächst möchte ich sagen, dass ich Deutschland und der Bundeskanzlerin Angela Merkel sehr dankbar für diesen Besuch bin. (...) Es war für mich persönlich eine besondere Ehre, als Vertreterin des Volks von Belarus mit ihr sprechen zu dürfen. Wir sehen die Bundeskanzlerin, Frau Merkel, als eine der mächtigsten Führungspersönlichkeiten der Welt an und ich bin mir sicher, dass sie uns bei unserer politischen Krise in Belarus helfen kann. Wir haben die Bundeskanzlerin in der Tat gebeten, eine Vermittlerrolle für die Aufnahme eines Dialogs zwischen den Behörden und dem belarussischen Volk in unserem Land zu übernehmen.

ZDF: Sie hoffen also auf Unterstützung von Seiten Deutschlands, aber auch der EU. Letzte Woche hat die EU nach langem Hin und Her Sanktionen gegen mehrere Unterstützer des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko erlassen. Lukaschenko selbst blieb jedoch außen vor. Wünschen Sie sich mehr Engagement von Seiten der EU?

Tichanowskaja: Diese Sanktionen sind unser erster Sieg. Die Liste ist unserer Meinung nach sehr kurz. Wir sind sicher, dass die Liste der sanktionierten Personen erweitert werden sollte und Lukaschenkos Name muss auch auf der Liste stehen.

ZDF: Seit mehr als zwei Monaten dauern die Massenproteste gegen Lukaschenko nun schon an. Jede Woche werden Demonstranten festgenommen und verprügelt, Lukaschenko sitzt aber weiterhin fest im Sattel. Die prominentesten Gesichter der Opposition sind entweder in Haft oder im Ausland. Befindet sich Ihre Bewegung in der Sackgasse?

Tichanowskaja: Was ich weiß, ist, dass sich die Meinung des belarussischen Volks nicht ändern wird. Unsere Demonstrationen, unser Protest werden weitergehen, bis zum Beginn eines Dialogs, bis zu unserem Sieg, bis es Neuwahlen geben wird. Das Volk von Belarus ist aufgewacht und es wird nicht in den Zustand zurückkehren können, in dem es 26 Jahre lang gelebt hat. Wir werden weitermachen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trifft Swetlana Tichanowskaja.
Swetlana Tichanowskaja bei Kanzlerin Merkel.
Quelle: dpa

ZDF: Was macht Sie da so sicher, woher kommt diese Kraft für den Wandel?

Tichanowskaja: Meine persönliche Stärke kommt vom Volk von Belarus. Denn ich sehe, wie die Mehrheit des Volkes in meinem Land diese Veränderung will. Wir brauchen diese Veränderung auch. Für mich persönlich ist es einfach notwendig, dass meine Kinder in einem sicheren und freien Land leben. Ich will nicht, dass meine Kinder die Sklaven dieses Regimes sind. Jeder geht aus eigenen, persönlichen Gründen zu den Demonstrationen. Die Menschen kämpfen für ihre eigene Zukunft, für die Zukunft ihrer Kinder, und wir sind jetzt vereint wie nie zuvor.

ZDF: Nachdem Sie nach Litauen geflüchtet sind, hat ihre Mitstreiterin Maria Kolesnikowa in Belarus die Stellung gehalten. Seit einem Monat befindet sie sich jetzt in U-Haft. Haben Sie Kontakt zu ihr, wissen sie wie es ihr geht?

Tichanowskaja: Ja, wir haben über ihren Anwalt von ihr gehört. Sie schickt jedes Mal Grüße an das ganze belarussische Volk und auch an uns persönlich. Es geht ihr gut, soweit man das von jemand sagen kann, der im Gefängnis sitzt. Sie ist eine äußerst tapfere Frau - und sie hat ihren roten Lippenstift (lächelt).

Das Interview führte Nazan Gökdemir für das heute journal update

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