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Prozess wegen "Tiergartenmord" begonnen

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Auftragstat von Russland? - Prozess wegen "Tiergartenmord" begonnen

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In dem Berliner Mordprozess sitzt unsichtbar der russische Staat mit auf der Anklagebank. Ein Russe soll in der deutschen Hauptstadt im Tiergarten einen Auftragsmord verübt haben.

Es ist ein Politthriller, der auf einem Fahrrad beginnt und ab heute vor dem Berliner Landgericht verhandelt wird. Der Kreml sitzt praktisch mit auf der Anklagebank. Doch Russland lehnt jede Verantwortung ab.

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Begleitet von starken Sicherheitsvorkehrungen hat am Kammergericht der Hauptstadt der Prozess um den sogenannten Tiergartenmord begonnen. Zum Prozessauftakt in einem Hochsicherheitssaal schwieg der russische Angeklagte in einer Panzerglasbox zu den Vorwürfen.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mann vor, im Auftrag staatlicher russischer Stellen am 23. August 2019 einen Georgier tschetschenischer Abstammung mit einer Schalldämpfer-Pistole am helllichten Tag in der Berliner Parkanlage Kleiner Tiergarten liquidiert zu haben.

Urteil beeinflusst auch Beziehung zu Russland

Die höchste deutsche Anklagebehörde wirft dem Russen Mord und illegalen Waffenbesitz vor. Der mutmaßliche Mörder soll drei Schüsse abgefeuert haben, zwei davon in den Kopf des bereits am Boden liegenden 40-Jährigen, der am Tatort starb. "Der Angeklagte leistete dem staatlichen Tötungsauftrag Folge", sagte Bundesanwalt Ronald Georg. Die Tat sei "heimtückisch oder aus Habgier oder aus anderen niedrigen Beweggründen" geschehen.

Der Ausgang des Prozesses dürfte erhebliche Auswirkungen auf das deutsch-russische Verhältnis haben, sagt ZDF-Korrespondent Frank Buchwald:

Das deutsch-russische Verhältnis ist angespannt – nicht zuletzt wegen des Berliner „Tiergarten-Mordes“. ZDF-Reporterin Shakuntala Banerjee erklärt die Hintergründe.

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Sollte es das Gericht als erwiesen ansehen, dass der Mordauftrag aus Russland kam, würde dies das ohnehin schon schlechte Verhältnis zwischen Russland und Deutschland weiter schwer belasten. "Die Bundesregierung dürfte nicht hinnehmen, dass der russische Staat auf deutschem Boden völkerrechtswidrig Exekutionskommandos durchführen lässt", sagt Felix Zimmermann, ZDF-Rechtsexperte.

Sollte das Land tatsächlich ein Exekutionskommando nach Deutschland entsandt haben, wäre dies nicht nur Anstiftung zum Mord, sondern auch eine völkerrechtliche Missachtung deutscher Hoheitsrechte und des Rechtsstaatsprinzips.
Felix Zimmermann

Im Prozess gehe es daher nicht nur um die Frage eines Mordes, sondern auch darum, ob und wie Russland die innere Sicherheit in Deutschland gefährdet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat für diesen Fall Konsequenzen angekündigt.

Bundesanwaltschaft: Opfer war ein Feind Russlands

Grund für die Tat ist für die Bundesanwaltschaft, dass das Opfer ein Feind Russlands gewesen sei. Der Getötete habe in Tschetschenien als Anführer einer Miliz gegen Russland gekämpft sowie von Georgien aus Kämpfer ausgebildet. Der Mann war von russischen Behörden als Terrorist eingestuft worden.

Wer der Angeklagte wirklich ist, blieb zunächst unklar. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass der russische Angeklagte Vadim K. ist und 55 Jahre alt ist. Verteidiger-Anwalt Robert Unger erklärte hingegen für seinen Mandanten, dieser sei Vadim S., 50 Jahre alt, russischer Staatsbürger, nicht verheiratet, Bauingenieur.

Angeklagter sitzt in U-Haft - Ort wird geheim gehalten

Der mutmaßliche Täter habe für seine Einreise nach Deutschland in Russland einen Reisepass mit einem falschen Namen erhalten und damit ein Visum für den Schengen-Raum beantragt, so die Anklage. Von Moskau sei er im August 2019 nach Paris und weiter nach Warschau geflogen und dann nach Berlin gereist, so der Bundesanwalt.

Am Tattag habe er sich in Berlin gegen 11:55 Uhr auf einem Fahrrad dem ahnungs- und wehrlosen Opfer von hinten genähert und ihm seitlich zunächst in den Oberkörper geschossen.

Putin nannte Ermordeten im Tierpark "Banditen" und "Mörder"

Die Bundesregierung wirft der russischen Regierung in dem Fall fehlende Kooperation vor. Wenige Wochen nach dem Mord wurden zwei russische Diplomaten ausgewiesen. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Merkel den Ermordeten einen "Banditen" und "Mörder" genannt.

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