ZDFheute

Trauerfeier in Hanau: "Unfassbare Leere"

Sie sind hier:

700 Gäste gedenken der Morde - Trauerfeier in Hanau: "Unfassbare Leere"

Datum:

Zwei Wochen nach den rassistischen Morden von Hanau sind dort knapp 700 Gäste zu einer zentralen Trauerfeier zusammengekommen. Mit ergreifenden Worten gedachten sie der Opfer.

Zwei Wochen nach dem rassistischen Anschlag von Hanau wird heute bei einer Gedenkfeier an die Opfer erinnert. Auch Bundespräsident Steinmeier und Kanzlerin Merkel sind zur Feier gekommen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

In der Stunde des Gedenkens an die Todesopfer des rassistischen Anschlags von Hanau haben Spitzenpolitiker zum Kampf gegen die Spaltung der Gesellschaft aufgerufen. Bei der zentralen Trauerfeier am Mittwoch in Hanau nannte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Tat einen "Anschlag auf das Grundverständnis von unserem Zusammenleben".

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte vor Angehörigen und Freunden der Opfer sowie geladenen Gästen aus der Politik: "Wir lassen uns nicht spalten, und wir stehen zusammen." Hunderte Menschen verfolgten in andächtiger Stille auf zwei Plätzen in der Hanauer Innenstadt auf Großbildwänden den Gedenkakt im Congress Park, manche nahmen sich dabei in den Arm.

Zu der zentralen Trauerfeier des Landes Hessen und der Stadt Hanau war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gekommen, die aber keine Rede hielt. Vor der Veranstaltung trug sie sich wie auch viele andere in das Kondolenzbuch für die Opfer ein.

Miteinander statt Gegeneinander

Die Schwester eines der Hanauer Anschlagsopfer erinnerte in einer emotionalen Ansprache an ihren getöteten Bruder. "Mein Bruder Hamza wurde völlig unerwartet aus der Mitte unserer Familie gerissen", sagte Ajla Kurtovic. "Zurückgeblieben ist grenzenloser Schmerz, unfassbare Leere und Fassungslosigkeit."

Die Tat von Hanau im Überblick

Archiv: Blumen liegen in der Nähe des Tatorts in der Innenstadt von Hanau am 20.02.2020.

Hanau im Innenausschuss -
Fünf Stunden vom ersten Schuss bis zum Zugriff
 

Tobias R. gab 52 Schuss ab, ging sehr strategisch vor und wurde kurz vor der Tat von einem Ordnungsbeamten angesprochen. Im Innenausschuss wurden Details zum Anschlag offengelegt.

Ihr Bruder sei stets hilfsbereit, gut gelaunt und sozial engagiert gewesen. Sie selbst empfinde keinen Hass, sagte sie. "Ich möchte an dieser Stelle deutlich machen, dass Hass den Täter zu seiner rassistischen Tat getrieben hat. Damit liegen Hass und Rassismus sehr nah beieinander. Ich will, dass wir uns alle von Hass abgrenzen." Sie wünsche sich ein Miteinander statt ein Gegeneinander.

Rassistisch und psychisch krank

Kurtovic rief die anwesenden Politiker auf, dafür zu sorgen, dass die Tat restlos aufgeklärt wird und Lehren aus ihr gezogen würden, damit es keine Wiederholung gebe. "Das sind wir den Ermordeten schuldig." Es sei das Mindeste, was getan werden könne. Der Hanauer Kemal Kocak, der viele Opfer des Anschlags kannte, sagte:

Der Mensch vergisst schnell. Aber diese jungen Menschen, die zum Opfer gefallen sind, dürfen wir nicht vergessen.
Kemal Kocak aus Hanau

In der Nacht zum 19. Februar hatte ein 43-jähriger Deutscher neun Menschen mit Migrationsgeschichte erschossen und weitere verletzt. Der Sportschütze soll anschließend seine Mutter und sich selbst getötet haben. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der mutmaßliche Täter eine rassistische Gesinnung und war psychisch krank.

Steinmeier: Demokratie verteidigen

Bundespräsident Steinmeier rief in seiner Rede die gesamte Gesellschaft zur Verteidigung der Demokratie auf. Zugleich forderte er den Staat auf, mehr dafür zu tun, dass alle Menschen in Deutschland sicher seien. "Die ganz große Mehrheit der Menschen in Deutschland ist gegen Ausgrenzung und Ressentiments, gegen Hass und Gewalt. Aber es reicht nicht, zu wissen, dass man in der Mehrheit ist. Das Schweigen der vielen darf nicht zur Ermutigung der Wenigen werden", sagte der Bundespräsident.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht während der Trauerfeier in Hanau.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht während der Trauerfeier in Hanau.
Quelle: DPA

Der Bundespräsident rief alle Opfer namentlich auf und beschrieb sie kurz. Ihre Angehörigen lud Steinmeier in seinen Kondolenzschreiben zu einem späteren Treffen nach Berlin ein. Hessens Ministerpräsident Bouffier erinnerte an den Schmerz der Familien, die Angehörige bei dem Anschlag verloren haben. "Die Opfer waren keine Fremden", sagte er.

Unsere Botschaft von Hanau in die Republik muss sein: Wir stehen zusammen. Wir halten zusammen. Denn wir wollen zusammen leben.
Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident

"Hessen und Hanau waren ihre Heimat geworden." Er wisse, dass zur Trauer und Ungewissheit auch Angst getreten sei. "Ich kann diese Angst gut verstehen, aber diese Angst darf nicht obsiegen." Man müsse alles dafür tun, damit alle ohne Angst leben könnten. Der rassistische Anschlag von Hanau werde für immer mit der Stadt verbunden sein, sagte Oberbürgermeister Claus Kaminsky. "Das tut unendlich weh. Auch wenn dieser Schmerz nicht mit dem Leid der Opfer und dem Schmerz der Angehörigen zu vergleichen ist", sagte der SPD-Politiker.

Goldene Ehrenplakette der Stadt Hanau

Die Stadt habe in ihrer Geschichte bewiesen, dass sie schwierige Situationen meistern könne. "Hanau ist stark, weil es zusammensteht", sagte Kaminsky. Der Oberbürgermeister kündigte eine Gedenkstätte für die Opfer an. Zudem werde ihnen posthum die goldene Ehrenplakette der Stadt Hanau verleihen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.