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Interview

Ex-Wahkampfmanager zum Triell - "Wir haben keine schwachen Kandidaten"

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Er war zuständig für Merkels Image im Bundeswahlkampf 2017: Joachim Koschnicke. Der aktuelle Bundestagswahkampf sei von Verunsicherungen geprägt, sagt er. Und von Fehlern der CDU.

Das Interview mit Joachim Koschnicke im Video.

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ZDFheute: Was ist das Besondere an diesem Wahlkampf 2021?

Joachim Koschnicke: Das liegt zum einen an der Aufstellung: Zum ersten Mal haben wir den Fakt, dass eine Kanzlerin, ein Kanzler nicht wieder antritt. Wir haben zum Zweiten drei Kandidaten, die sich die Regierung zutrauen, und sechs Parteien, die im Deutschen Bundestag bleiben wollen. Und neben der Aufstellung haben wir eine Achterbahnfahrt, die den Wahlkampf so besonders spannend macht, und damit meine ich natürlich die Umfragen.

ZDFheute: Woher kommt diese Achterbahnfahrt?

Koschnicke: Zum einen wissen wir alle, dass Angela Merkel als Person über die Parteigrenzen hinweg gebunden hat. Was aber zum anderen niemand von uns wusste: Wie hoch ist dieser Merkel-Faktor? Jetzt stellen wir fest, dass dieser Merkel-Faktor offenbar sehr groß ist.

Wie erleben die Wahlhelfer an der Basis das Auf und Ab in den Umfragen? Und wie gehen Direktkandidaten, die nun um die Wiederwahl zittern müssen, mit der Situation um?

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Olaf Scholz hat es sehr klug genutzt, sich als Merkel-Erbverwalter zu positionieren. Er scheint damit erfolgreich zu sein, verloren gegangene Wähler in das Lager der SPD wieder zurückzuholen. Gleichzeitig positioniert er sich als Anführer der Linken.

Olaf Scholz tappt nicht in die Falle der Union und schließt ein Linksbündnis aus, weil er sieht, dass er Wählerinnen und Wähler aus diesem Lager an sich bindet.
Joachim Koschnicke

Und dann haben wir bei der Union und den Grünen individuelle Gründe, warum sie in der Wählergunst nicht so dastehen, wie sie es sich erhofft hatten.

ZDFheute: Welche Auswirkung hat das Ende der Ära Merkel?

Koschnicke: Zunächst eine Verunsicherung. Die Frage "Wie geht es weiter" ist nicht beantwortet. Olaf Scholz hat es am einfachsten, sie zu beantworten, weil die Menschen ihn durch seine Tätigkeit als Vize-Kanzler kennen. Dagegen haben Annalena Baerbock und Armin Laschet eine Bringschuld. Sie müssen den Wählerinnen und Wählern sagen, was sie vorhaben und mit welchem Stil sie regieren möchten.

Zwei Wochen vor der Bundestagswahl verzeichnet die Union sehr schlechte Umfragewerte. Auf dem CSU-Parteitag ging es daher viel zum Kampf.

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ZDFheute: Welche Rolle spielen Kandidaten?

Koschnicke: Die Personenfrage wird immer bedeutender. Ich würde aber nicht sagen, dass wir schwache Kandidaten haben. Die Kandidatur von Armin Laschet war kein Akt der Harmonie, sondern wurde quasi erzwungen. Insofern war der Start schon ein solcher, wie man ihn niemanden in einem Wahlkampf wünschen würde.

Frau Baerbock hat genau das Gegenteil abgeliefert. Einen fulminanten, harmonischen, sehr gut inszenierten Start verbunden mit einem Programm, das für Reform und Wechsel steht. Dann hat sie individuelle Fehler begangen, worunter sein heute noch leidet.

Zwei Wochen bis zur Bundestagswahl, heute Abend gibt es das zweite TV-Triell. ZDF-Korrespondentin Shakuntala Banerjee mit einer Einschätzung zu den drei Kanzlerkandidaten.

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ZDFheute: Die Union stand aber ja lange gut in den Umfragen da. Was ist der Grund für den Absturz?

Koschnicke: Der Start ist das eine. Das zweite ist, dass das Team Laschet in einer Phase, die wir als die größte Krise nach dem Zweiten Weltkrieg beschreiben, ein Feel-Good-Programm vorstellt. Ein Programm, das nicht sehr progressiv ist, nicht sehr markant ist, keine harte Kante gegenüber den Mitwerbern zeigt. Das dritte ist:

Armin Laschet ist es nicht gelungen, sich während der Fluttragödie in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz als ein empathischer, robuster, kluger Krisenmanager zu positionieren.
Joachim Koschnicke

Die Union ist also erst nicht in Tritt gekommen, dann ist es ihr schwer gefallen mit dem Faktor umzugehen, dass das Undenkbare sich manifestiert: nämlich unter 30 Prozent zu rutschen. Das hat niemand erwartet. Und es hat zweitens niemand erwartet hinter in den Umfragen hinter der SPD zu landen. Und es hat drittens niemand erwartet, in den Umfragen teilweise unter 20 Prozent zu landen.

Vor der Bundestagswahl werden viele Umfragen veröffentlicht – die Medien nutzen sie für Schlagzeilen, Politiker als Wahlkampftaktik. Wie aber sind Umfragen einzuordnen? Als Momentaufnahme, betonen Experten, nicht als Prognose für den Wahlausgang.

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ZDFheute: Kann das TV-Triell am Sonntagabend eine Trendwende für Laschet bringen? Und umgekehrt für Scholz einen Abschwung?

Koschnicke: Das ist der berühmte Blick in die Kugel. Klar ist: Der Druck auf Laschet ist immens hoch, der Druck auf Scholz etwas geringer. Wir werden sehen, wie die Kandidaten damit umgehen. Es ist sicherlich möglich, Wählerinnen und Wählern zu erreichen.

Ob das Triell eine Trendwende bringen kann, wage ich zu bezweifeln.
Joachim Koschnicke

ZDFheute: Kann es auch Wählerinnen und Wähler beeinflussen, die nur die Auswertung, nicht aber das Triell selbst gesehen haben?

Koschnicke: Eindeutig ja. Wir haben die Vorberichterstattung, das Spektakel selbst und die Nachberichterstattung mit den Analysen der Experten. Wir sehen was auf Social Media parallel zu dem Triell passiert. Das ist immens und hat einen Einfluss auf das weitere Geschehen im Wahlkampf.

ZDFheute: Sind Mimik und Gestik bei solchen TV-Duellen wichtiger als der Inhalt?

Koschnicke: Das glaube ich nicht. Aber die Professionalisierung hat extrem zugenommen. Es gibt keine Kandidatin, keinen Kandidaten, der nicht für dieses Triell trainiert. Natürlich werden alle Aspekte, inklusive Mimik, Auftreten, Sakkofarbe und so weiter vorher besprochen.

Das Interview führte Ines Trams.

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