ZDFheute

Brüder im Geiste

Sie sind hier:

Trump in Indien - Brüder im Geiste

Datum:

US-Präsident Trump besucht Indiens Premierminister Modi. Beide inszenieren sich gern vor jubelnden Massen. Substanzielle Entscheidungen werden von dem Staatsbesuch nicht erwartet.

Indiens Regierungschef Narendra Modi mit US-Präsident Donald Trump in Houston (Archiv Sept. 2019)
Fans der großen Geste: Indiens Regierungschef Narendra Modi und US-Präsident Donald Trump traten in Houston im September 2019 vor rund 50.000 Exil-Indern auf.
Quelle: AP

Sie sind kaum zu übersehen, all diese amerikanischen und indischen Flaggen auf dem Boulevard Raipath, der den Amtssitz des Premierministers mit dem India Gate, dem Triumphbogen von Neu-Delhi, verbindet. Die Hauptstadt Indiens hat sich herausgeputzt, wenn man das überhaupt sagen kann von diesem gigantischen Moloch mit 28 Millionen Menschen.

Slums werden hinter einer Mauer verborgen

Hastig rollen Arbeiter neuen Rasen aus, fegen vor dem Nationalmonument und streichen Laternenmasten und Zebrastreifen mit frischer Farbe.

Es muss einen Grund geben, wenn nicht nur in Delhi, sondern auch knapp 1.000 Kilometer südwestlich in Ahmedabad dutzende Arbeiter kurzfristig eine Mauer aus Ziegelsteinen hochziehen, um den für einen prominenten Besucher aus den USA unansehnlichen Blick auf einen Slum zu verbergen.

Keine Frage, Indiens Premier Narendra Modi will Donald Trump einen würdigen Empfang bereiten, obwohl der US-Präsident sich während seines ersten Staatsbesuchs in Indien nur 36 Stunden im Land aufhält.

Das Motto: "Namaste Trump"

Aber Modi weiß, was Trump liebt. Gemeinsam weihen beide Staatschefs das weltweit größte Kricketstadion mit einem Fassungsvermögen von 110.000 Menschen in Ahmedabad ein. Das Motto: "Namaste Trump" ("Hallo Trump").

Mehr zu Modis Politik im Video:

In den Webstuben Varanasis arbeiten vor allem Muslime. Sie erzählen Korrespondent Normen Odenthal, was sie draußen erleben, berichten von ihrer Angst vor der immer größer werdenden Intoleranz gegenüber Minderheiten.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Der US-Präsident ist zwar nicht gerade als Kricketfan bekannt, aber Seite an Seite mit Modi vor den Massen in der "Motera"-Arena und Zehntausende ihm zujubelnde Inder entlang der 13 Kilometer langen Strecke vom Flughafen zur Arena dürften Trump gefallen.

Stunden später fliegt er gemeinsam mit Ehefrau Melania zum Taj Mahal in Agra. Wieder sind es die Bilder, die von diesem Ort im Gedächtnis haften bleiben werden.

Trump und Modi - Staatschefs und Showmänner

Mit Modi findet Trump einen Bruder im Geiste. Beide lieben die große Geste, beide sind sich der Wirkung der Bilder vor jubelnden Massen bewusst.

"Da treffen sich zwei Showmänner, die nichts Substanzielles vereinbaren werden", sagt die Politik-Expertin und Kolumnistin Arati Jerath in Delhi zum ZDF. Sie fügt hinzu: "Es geht den beiden nur um die Optik. Da werden die Egos gestreichelt."

Indiens Außenminister Harsh Vardhan Shringle versuchte auch gar nicht erst, um den heißen Brei herumzureden. "Der Besuch wird ähnlich ablaufen wie der wegweisende 'Howdy, Modi'-Event in Houston im September 2019", sagte er vor Journalisten. Damals hatten sich Trump und Modi Hand in Hand von 50.000 Exil-Indern feiern lassen. Die beiden Staatschefs auf Augenhöhe - das war ganz nach dem Geschmack des indischen Premiers.

Trump erwartet "sehr großen Handelsvertrag" mit Indien

Dabei gäbe es viel zu besprechen - doch im Hinblick auf ein Handelsabkommen zwischen beiden Ländern gibt es nichts Neues. Vor ein paar Tagen warnte der Sprecher des indischen Außenministeriums vor einer schnellen Einigung.

"Wir wollen einen Deal nicht überstürzen", sagte Raveesh Kumar. "Die betreffenden Fragen sind kompliziert. Manche Entscheidungen hätten langwierige wirtschaftliche Folgen, daher wollen wir nun nicht eine künstliche Deadline setzen."

In die gleiche Kerbe schlug Trump am vergangenen Dienstag: "Wir können einen Wirtschaftsvertrag mit Indien haben, aber ich hebe mir einen großen Deal für später auf. Wir werden einen sehr großen Handelsvertrag mit Indien bekommen."

Er ergänzte, dass er nicht sicher sei, ob es noch vor der US-Präsidentenwahl im November dazu kommen werde. Und dann, sozusagen in bester Trump-Manier, gab er seinem Gastgeber noch einen mit: "Wir wurden von Indien nicht besonders gut behandelt, aber ich mag Indiens Präsident Modi sehr."

Trump-Besuch lenkt von umstrittenem Gesetz ab

Was also bleibt außer Show? Immerhin: Indiens Kabinett genehmigte kürzlich den Kauf von 24 militärischen "Lockheed Martin"-Helikoptern für über zwei Milliarden Dollar.

Aber kann das alles sein? "Alles in allem, wollen wir die strategische weltweite Partnerschaft mit den USA stärken", sagt Raveesh Kumar, der Ministeriumssprecher. Und ergänzt: "In Fragen des Terrorismus gibt es eine enge Kooperation zwischen beiden Ländern. Bei der Suche nach militanten Islamisten haben wir viel Unterstützung von den USA erfahren."

Eine Politik, die Vishnu Gupta erfreut. "Der US-Präsident ist unser Freund, weil er den radikalen Islam bekämpft", sagt der Chef der militanten Gruppe "Hindu Sena" während einer Pro-Trump-Demo zum ZDF. "Diese radikalen Muslime sind alles Verräter, man muss sie töten", redet er sich in Rage.

Für Modi hat der Besuch des US-Präsidenten einen angenehmen Nebeneffekt: Er lenkt von seinem umstrittenen Staatsbürgerschaftsgesetz ab, gegen das sich seit Monaten Proteste formieren und das die muslimische Minderheit im Land diskriminiert. "Sogar Sikhs und Christen unterstützen nun die Muslime", sagt Arati Jerath. "Modi macht rassistische Politik." Immerhin, Trump will während seines Besuchs Indien dazu aufrufen, religiöse Minderheiten gleich zu behandeln.

Modi wird das nicht gefallen. Aber was macht das schon, wenn die schönen Bilder alles überlagern.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.