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Übergangsregierung gebildet - Tschads Präsident Déby bei Angriff getötet

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Gestern war er noch als Präsident bestätigt worden, jetzt ist Tschads Langzeitherrscher Idriss Déby Itno tot. Er starb bei einem Rebellenangriff im Norden des Landes.

Tschads Präsident Idriss Déby Itno ist tot. Archivbild
Tschads Präsident Idriss Déby Itno ist tot. (Archivbild)
Quelle: picture alliance / dpa/Archivbild

Tschads Langzeitherrscher Idriss Déby Itno ist tot. Das gab am Dienstag Militärsprecher Azem Bermandoa Agouna im Staatsfernsehsender bekannt. Der Staatschef sei bei schweren Zusammenstößen mit einer Rebellengruppe an der Front gestorben. Demnach soll Mahamat Idriss Déby, der Sohn des verstorbenen Präsidenten, die Führung einer militärischen Übergangsregierung übernehmen.

"Idriss Déby Itno hat gerade seinen letzten Atemzug auf dem Schlachtfeld während der Verteidigung der territorialen Integrität genommen. Mit tiefer Bitterkeit verkünden wir dem tschadischen Volk den Tod des Marschalls des Tschads", so Agouna.

Übergangsregierung und Staatstrauer

Mahamat Idriss Déby Itno, der bislang die Eliteeinheit der tschadischen Streitkräfte geleitet hat, werde für 18 Monate einen Übergangs-Militärrat leiten, so Agouna. Die Regierung und die Nationalversammlung seien bereits aufgelöst worden. Anstelle der bislang gültigen Verfassung werde in Kürze eine nationale Übergangscharta verkündet, hieß es.

Zudem wurde eine 14-tägige Staatstrauer verhängt. Luft- und Landesgrenzen wurden bis auf weiteres geschlossen, eine Ausgangssperre gilt zwischen 18 Uhr und 5 Uhr Ortszeit.

Tschad mit der Hauptstadt N'Djamena.
Tschad mit der Hauptstadt N'Djamena
Quelle: ZDF

FACT will Déby-Regierung destabilisieren

Die Armee des von Armut und Terrorismus gebeutelten zentralafrikanischen Landes bekämpft schwerbewaffnete Kämpfer der "Front für Wandel und Eintracht im Tschad" (FACT), die zur Präsidentenwahl am 11. April aus dem benachbarten Libyen in den Norden des Tschads eingedrungen waren und in Richtung Hauptstadt N'Djamena vordrangen.

Die FACT ist eine 2016 gegründete politische und militärische Rebellenbewegung, die die Regierung von Déby destabilisieren will. Déby, der seit 30 Jahren an der Macht ist, war am Montag mit 79,32 Prozent der abgegebenen Stimmen als Sieger aus der Präsidentenwahl am 11. April hervorgegangen.

Tschad hat strategische Bedeutung für Europa

Er kam 1990 bei einem bewaffneten Aufstand an die Macht. Der Tschad ist ein für Europa strategischer Staat. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich unterstützt mit im Tschad stationierten französischen Soldaten und Kampffliegern die Allianz G5-Sahel im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus in der Region.

In der Sahelzone sind etliche Terrorgruppen aktiv. An der G5-Sahel-Militärallianz sind außer dem Tschad auch Mali, Mauretanien, der Niger und Burkina Faso beteiligt.

Deutsche sollen Tschad umgehend verlassen

Angesichts der ungewissen Lage warnte das Auswärtige Amt vor Reisen in den Tschad und rief alle Deutschen auf, das Land zu verlassen. Es sei "mit politischer Instabilität und bewaffneten Auseinandersetzungen" zu rechnen. Es sei geplant, die Botschaft in den kommenden Tagen zu schließen.

Die frühere Kolonialmacht Frankreich rief zu einem "friedlichen Übergang" auf. Frankreich verliere mit Déby einen "mutigen Freund", der sich Jahrzehnte lang für die Sicherheit und Stabilität der Region eingesetzt habe, erklärte der Elysée-Palast. Außenminister Jean-Yves Le Drian sagte, die Übergangsphase müsse "eine begrenzte Dauer" haben. Der Tschad gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Nach Angaben der Weltbank leben 42 Prozent der Menschen unter der Armutsgrenze.

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