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Frust und Wut im Corona-Kampf

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Die Türkei und die Pandemie - Frust und Wut im Corona-Kampf

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Ärzte und Pflegepersonal in der Türkei sind in der Corona-Pandemie chaotischen Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Sie sind übermüdet, unglücklich - und beklagen Versagen der Politik.

Archiv: Medizisches Personal am 22.05.2020 in einem Krankenahus in Izmir (Türkei)
Medizinisches Personal beklagt teils katastrophale Arbeitsbedingungen in der Türkei.
Quelle: picture alliance / AA

"Ihr seid nicht in der Lage, die Seuche zu managen. Wir sind erschöpft und sterben", so lautet die Kritik von Doktor Süheyla Agkoc an der Corona-Politik der türkischen Regierung. Dr. Agkoc steht vor dem Hamidiye-Etfal-Krankenhaus in Istanbul, zusammen mit rund 30 anderen Kolleginnen und Kollegen. Agkoc ist Mitglied der Istanbuler Ärztekammer TTB und aktuelles Ziel von Drohungen und Anfeindungen aus den Reihen der Regierung.

Je härter sie uns kritisieren, desto deutlicher zeigt das, dass wir die Wahrheit sagen und es ihnen unangenehm ist.
Süheyla Agkoc

Ärzte und Pflegepersonal arbeiten unter chaotischen Bedingungen

Sie protestieren gegen ihre Arbeitsbedingungen an vorderster Front im Kampf gegen das Coronavirus in der Türkei. Dieser Kampf sei völlig chaotisch organisiert, sagen die Demonstranten. Viele Ärzte und Schwestern hätten sich selbst infiziert, es habe Tote gegeben. Von der Maskenverteilung bis zur Organisation von Corona-Tests zeigten sich Mängel.

Das Corona-Virus breitet sich in der Türkei weiter aus - auch unter den Mitarbeitern im Gesundheitswesen. Diese sind komplett überfordert und zu wenig geschützt.

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Viele seien "unmotiviert und unglücklich", sagt Dr. Agkoc, "besonders junge Mitarbeiter aus verschieden Abteilungen der Kliniken kündigen". Das sei reine Propaganda, meint der Chef der nationalistischen regierungstreuen MHP, Devlet Bahceli. Die Partei unterstützt Präsident Erdogans AKP und fordert, die Ärztekammer zu schließen.

Die TTB ist so gefährlich wie das Coronavirus. Die Direktoren der Ärztekammer müssen zur Rechenschaft gezogen werden.
Devlet Bahceli

Türkische Regierung weist Kritik als Propaganda zurück

Kritik am Krisenmanagement der Regierung war schon immer gefährlich. Und je weiter die Infektionszahlen wieder ansteigen, desto gefährlicher wird es offenbar. 1.646 Neuinfektionen waren es beispielsweise am vorletzten Donnerstag, 66 neue Todesfälle wurden gemeldet. Doch ob diese Daten stimmen, bezweifelt die Ärztegewerkschaft.

Man bekomme weitaus höhere Zahlen von den Kliniken der Kammer-Mitglieder gemeldet, heißt es. Die Regierung streitet das ab, ist aber ebenso beunruhigt über die Entwicklung. Seit dem letzten Wochenende gelten weitere Einschränkungen für Familienfeiern. Bootstouren auf dem Bosporus wurden verboten, ebenso wie alle Beschneidungs- und Verlobungsfeiern.

Senioren über 65 können aufatmen: Seitdem die Ausgangssperren gelten, durften sie nicht mehr nach draußen. Heute ist es ihnen zum ersten Mal wieder erlaubt – zumindest für vier Stunden.

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Lasche Corona-Maßnahmen und viele Regelverstöße

Besonders stark sind die Zahlen in der Hauptstadt Ankara gestiegen, doch weder dort noch in anderen Corona-Hotspots soll es Ausgangssperren geben. Stattdessen plädiert die Regierung an die Bürgerinnen und Bürger, die gängigen Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten, konsequent Masken zu tragen und Abstand zu halten. Kontrollteams werden ausgeschickt, um zu überprüfen, ob registrierte Infizierte sich tatsächlich in häuslicher Quarantäne befinden.

Immer wieder hatte es Berichte gegeben, dass gegen die Quarantäne-Pflicht verstoßen wird und Infizierte ihre Wohnungen für Einkäufe oder gar Familienfeiern verlassen. Doch allzu oft geben die Politiker kein allzu gutes Beispiel. So haben sich auch viele Abgeordnete und hohe Beamte mit dem Virus infiziert. Viele bei Besuchen und Feiern in ihren Wahlkreisen.

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