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Türkei: Kritik an Erbas nach homophober Rede

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Höchste religiöse Instanz - Türkei: Kritik an Erbas nach homophober Rede

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Er ist die höchste religiöse Instanz in der Türkei und sein Wort hat Gewicht. Jetzt hat Ali Erbas Homosexualität als unislamisch gebrandmarkt. Das sorgt für Kritik und Aufregung.

Ali Erbas, Präsident der Religionsbehörde Diyane (Archiv)
Ali Erbas, Präsident der Religionsbehörde Diyane (Archiv)
Quelle: Uncredited/AP/dpa

Wenn Ali Erbas Homosexualität als unislamisch brandmarkt, als "haram", also als "verboten" oder "verflucht", kommt das einem Urteil gleich, das für gläubige Muslime bindend ist. Denn Erbas ist Chef des staatlichen Religionsamtes Diyanet, der obersten Religionsbehörde der Türkei, der sämtliche Moscheen und Imame des Landes unterstehen.

Erbas verdammt Ehebruch und Homosexualität

Bei einer Rede zu Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan am 24. April hatte Erbas im Zusammenhang mit dem Kampf gegen das Coronavirus behauptet, Ehebruch und Homosexualität würden Infektionskrankheiten wie HIV/Aids auslösen und heutige Generationen in den "Verfall" stürzen.

Seit fast zwei Monaten gilt in der Türkei eine strenge Ausgangssperre für Senioren. Heute hat die Regierung zum ersten Mal die Regeln gelockert: über 65-Jährige konnten vier Stunden raus gehen.

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Sofort meldete sich Kritik an den homophoben Bemerkungen des Diyanet-Chefs. Diese seien der Aufruf zu einer Hetzjagd, die türkische Regierung müsse "die Brandmarkung von Lesben und Schwulen beenden", forderte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.

Lasst uns alle zusammen kommen, um die Menschen vor solch einem Übel zu schützen.
Ali Erbas, Diyanet

Erdogan steht hinter Erbas

Vorher hatte bereits die türkische Anwaltskammer die Bemerkungen kritisiert und Erbas zum Rücktritt aufgefordert. Seine Predigt stelle "eine öffentliche Provokation zu Hass und Feindseligkeit dar" und sei nach türkischem Recht strafbar. Die Kammer erstattete Anzeige und reichte Beschwerde gegen Erbas ein.

Doch sofort sprang Staatspräsident Erdogan seinem obersten Religionsbeamten zur Seite. "Was er sagt, ist völlig richtig", meinte Erdogan, wenn auch nur bindend für Muslime. Auch Justizminister Abdulhamit Gül verteidigte die Äußerungen von Erbas und gab damit grünes Licht für Ermittlungen der Oberstaatsanwaltschaft in Ankara gegen die Anwaltskammer wegen Verletzung "der religiösen Gefühle des Volkes".

Was er sagt, ist völlig richtig.
Recep Tayyip Erdogan, Staatspräsident Türkei

Wohl keine Konsequenzen für Erbas

Unbeabsichtigt zeigt die Türkei damit im Vorfeld des Internationalen Tages gegen Homophobie am Sonntag, wie wichtig dieser  Gedenktag ist. Denn mit einem Ermittlungsverfahren allein wird der Streit um Erbas feindselige Bemerkungen kaum enden. Angeblich plant Erdogans Regierungspartei AKP nun auch Änderungen des Anwaltsgesetzes und der Regelungen für die Anwaltskammern.

Die Beschwerde der Kammer gegen Erbas‘ homophobe Äußerungen wurde mittlerweile abgelehnt. Die Ermittlungen gegen die Anwaltsvereinigung gehen dagegen unvermindert weiter.

Jörg Brase leitet das ZDF-Studio Istanbul.

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