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Tunesien - Tourismus: Wüste statt Küste

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Tunesien versucht, vom Image des Billig-Badetourismus wegzukommen und setzt auf Wüsten-Urlauber. Dort, wo bis vor einigen Jahren noch Islamisten ihr Unwesen trieben.

Tunesien Tourismus
Die Ruhe kann trügen: Tourismus in Tunesiens Wüste
Quelle: ZDF

"Terra deserta" - so nannten die Römer die Gegend südlich von Karthago, verlassenes Land. Unendlich scheint die tunesische Sahara, die Grenzen zu Algerien und Libyen wie mit dem Lineal gezogen. Es war der Versuch der damaligen Kolonialherren, diese größte Trockenwüste der Welt ihrem jeweiligen Einflussgebiet zuzuschlagen.

In Tunesien wurde die Wüste lange vernachlässigt. Investiert wurde vor allem in Badeorte: 1.300 Kilometer Küste, ein Paradies für den Tourismus. Und der Tourismus ist nach wie vor eine der wichtigsten Einnahmequellen. Al Qaida im Maghreb und die IS-Terrormiliz machten die Wüste in den letzten Jahren zudem zur Tabu-Zone für Touristen: Bis 2016 war die Gegend südlich von Nefta, Tozeur und Kebili Rückzugsort der diversen Islamistischen Terrorgruppen. Heute ist dies der einzige Teil der Sahara, der Touristen offensteht.

Keine Alleingänge in der Wüste

Die Wüste mit ihrer Unendlichkeit, ihren Oasen und Palmenhainen, das Versprechen von Abenteuer und Geheimtipp: "In der Wüste erlebst Du etwas ganz außergewöhnliches. An keinem anderen Ort der Welt kannst Du das erleben", sagt Francesco, der mit Freunden durch die Wüste fährt. Und einem Guide. Das ist Grundbedingung erklärt Mohammed Essayem, Kommissar für Tourismus. "Polizei und Militär überwachen jede Tour, es geht um Sicherheit, aber auch darum, bei einer Autopanne, bei großer Hitze oder Skorpionstichen helfen zu können." Keine Alleingänge in der Wüste.

Die Behörden erhoffen sich einen Wirtschaftsaufschwung für die Region, die bis jetzt hauptsächlich für ihre riesigen Dattelplantagen bekannt war. Von den 150.000 Menschen die hier leben, sind 36.000 direkt oder indirekt vom Tourismus abhängig. Hoch im Kurs stehen Treckingtouren im Landrover, Motocross oder Qadausflüge.

Tunesien Tourismus
Lassen sich von Jeeps nicht aus der Ruhe bringen: Dromedare
Quelle: ZDF

Vorbei, die Ruhe

Besonders chinesische Touristengruppen kommen gerne - so eine Wüste haben sie noch nie gesehen. Sie nehmen es auch mit Humor, wenn der blaue Himmel, plötzlich pechschwarz wird, es anfängt zu schütten, der Sand der Sahara braun und matschig wird. "Ein besonderes Erlebnis, und es hat nichts extra gekostet", lacht Eric Lee aus Hongkong. Die Chinesen, so sagt uns ihr Führer, lieben spektakuläre Landschaften.

Man sieht nichts, man hört nichts. Und dennoch strahlt irgendetwas.
Antoine de Saint-Exupéry

Die Namen der Orte klingen wie Versprechen: Tataouine, Douz, Tozeur, Ksar-Haddada. Und natürlich fehlen auch die Dromedarherden nicht, fast eine Filmkulisse. "Ich habe die Wüste immer geliebt", schrieb der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry einst. Er lebte einige Jahre in der Sahara und war stets von ihr fasziniert: "Man setzt sich auf eine Sanddüne. Man sieht nichts, man hört nichts. Und dennoch strahlt irgendetwas." Doch dann ist die Ruhe vorbei: Jeeps und Quads lassen ihre Motoren aufheulen, es gilt, eine zig Meter hohe Sanddüne hoch- und am besten auch herunterzubrettern. Die Zeiten von Saint-Exupéry - sie sind vorbei.

Im Star-Wars-Dorf

Tunesien Tourismus
Sieht aus wie bei Star Wars - ist Star Wars: Mos espa
Quelle: ZDF

Zu Füßen der Düne in dieser Gegend, die die Einheimischen Kamelschlund nennen, tut sich eine andere Galaxie auf: Jeder Star Wars Fan kennt das Dorf Mos espa aus Episode 1. Es wurde hier, mitten im Nichts, eigens für die Dreharbeiten gebaut und ist heute einer der Touristenmagneten. Daria aus Russland kann es immer noch nicht ganz glauben: "Es war unsere Traum, hierherzukommen, um diesen Ort aus Star Wars zu sehen. Es hat uns umgehauen."

Qualität statt Quantität - das erhoffen sich die tunesischen Behörden von dieser neuen Art des Tourismus, der nachhaltig sein soll. Nicht umsonst wurde in der Wüstenstadt Tozeur gerade eines der teuersten Hotels des Landes eröffnet. Luxus pur. "78 Prozent unserer Mitarbeiter sind aus der unmittelbaren Umgebung. Unser Hotel hat ihnen Arbeit verschafft." Die Gäste? "Sie wollen sich in der Wüste verlieren, sie wollen den Stress der Stadt weit hinter sich lassen." Diesen Traum erfüllen sie sich diesem Hotel vor allem Kataris und Saudis. "Einmal im Jahr musst Du in die Wüste", sagen die Tunesier, "damit Du wieder zu Dir selbst finden kannst".

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