Sie sind hier:

Bidens neue Allianz - Warum der U-Boot-Deal Frankreich so erbost

Datum:

Die USA haben eine Allianz für den Indopazifik geschmiedet - zusammen mit Australien und Großbritannien. Es folgte eine diplomatische Krise mit Frankreich. Was steckt dahinter?

Die USS Indiana am 29.09.2018 am Port Canaveral, Florida
Australien möchte U-Boote mit Nuklearantrieb kaufen. Hier im Bild ein Boot der Virginia-Klasse.
Quelle: picture alliance / NurPhoto

Die USA, Großbritannien und Australien haben die Sicherheitspartnerschaft "Aukus" gegründet - ein seit langem vereinbartes U-Boot-Geschäft mit Frankreich ist dadurch geplatzt. Es folgte eine diplomatische Krise zwischen Frankreich und den Partnern der Allianz. Claudia Major, Expertin für Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, erklärt im Gespräch mit ZDFheute die Hintergründe.

Welche Absichten verfolgt Biden mit "Aukus"?

Bereits zu Beginn seiner Amtszeit hatte US-Präsident Joe Biden gemahnt, die Demokratie stehe an vielen Orten unter Beschuss - die USA und Europa müssten sich gemeinsam autokratischen Mächten entgegenstellen.

Dieses Grafikvideo zeigt in 58 Sekunden, worum es bei dem U-Boot-Streit geht.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

China wird aus amerikanischer Sicht als größter Rivale angesehen, erklärt Major. Und der Indopazifik sei die Region, in der China seinen Einfluss ausbaue.

China präsentiert sich als Macht im indopazifischen Raum und bietet ein alternatives Modell zu den USA an.
Claudia Major, Stiftung Wissenschaft und Politik

Die Folge: Die USA sähen in China eine systemische  Herausforderung. Dabei gehe es um gesellschaftspolitische, wirtschaftspolitische, militärische, nukleare und konventionelle Bereiche - im Einzelnen seien das beispielsweise Themen wie die Freiheit der Seewege oder die Wahrung internationalen Rechts.

Die USA, Großbritannien und Australien haben eine neue Sicherheitsallianz für den indopazifischen Raum verkündet. Der Grund ist offenbar der Machtanspruch Chinas im Indopazifik.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Um sich dem Herausforderer China zu stellen, bräuchten die USA Verbündete. Wenn Australien also amerikanische U-Boote kauft und in vielen Bereichen mit den USA zusammen arbeitet, erklärt die Expertin für Sicherheitspolitik weiter, hofft es, vom US-Schutz zu profitieren. Gleichzeitig aber hätten die USA auch einen Verbündeten in der Region.

Warum hat Frankreich derart entrüstet reagiert?

Noch Ende August hatten sich Franzosen und Australier in Paris getroffen, um ihre strategische Partnerschaft und - als Teil davon - einen bilateralen U-Boot-Deal zu bestätigen. Eigentlich hatte Australien bereits 2016 einen milliardenschweren Vertrag mit Frankreich zum Bau von zwölf neuen U-Booten, die mit Diesel angetrieben werden, unterschrieben.

Knapp zwei Wochen nach dem Pariser Treffen verkündete US-Präsident Biden die Gründung einer "Sicherheitspartnerschaft" mit Australien und Großbritannien. Auf französischer Seite sei dadurch der Eindruck entstanden, von den engsten Partnern betrogen worden zu sein, so Major.

In Frankreich gibt es ein ganz starkes Gefühl des Verrats.
Claudia Major, Stiftung Wissenschaft und Politik

Der französische Präsident Emmanuel Macron ließ als Reaktion auf den U-Boot-Deal die Botschafter aus den USA und Australien vorübergehend abziehen - was als ungewöhnlich gilt unter Verbündeten.

Frankreich wird seinen "Kurs einer europäischen Souveränität und strategischen Unabhängigkeit eher forcieren wollen", so ZDF-Korrespondent Thomas Walde.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Der Ärger der Franzosen zielt weniger gegen das Bündnis "Aukus" an sich ab, präzisiert Major. Tatsächlich sei es kein Geheimnis gewesen, dass die Australier unzufrieden waren mit dem U-Boot-Deal mit Frankreich.

Die Kritik ziele vielmehr darauf ab, wie "Aukus" zustande gekommen sei. Die drei "Aukus" Länder (USA, GB, Australien) hätten einen Deal im Geheimen geschmiedet, ohne den Partner Frankreich und andere Alliierte darüber zu informieren.

Sie haben de fakto einen anderen Nato-Verbündeten hintergangen.
Claudia Major, Stiftung Wissenschaft und Politik

Für die Franzosen sei zudem mit der Gründung von "Aukus" nicht nur ein Rüstungsgeschäft geplatzt. Der U-Bootauftrag war Teil der größeren strategischen Partnerschaft von Paris mit Australien und der französischen Indopazifik-Strategie, so Major. "Aukus", inklusive des geplatzten U-Boot-Deals, sei daher für Paris politisch, militärisch, strategisch und industriell ein starker Rückschlag.

Aus Ärger über den geplatzten U-Boot-Deal mit Australien hat Frankreich seine Botschafter aus Washington und Canberra abgerufen. Ein heftiger Streit zwischen Demokratien, der auch Auswirkungen auf die Nato haben könnte.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Und das vor dem Hintergrund, dass Frankreich erst kürzlich gemeinsame Militärmanöver mit den USA in der Region durchgeführt habe und als einziges EU-Land permanent militärisch im Indopazifik präsent sei.

Die Franzosen stellen die Frage: Was sind unsere Allianzen eigentlich wert, wenn Alliierte so miteinander umgehen?
Claudia Major, Stiftung Wissenschaft und Politik

Welche Ziele haben Australien und Großbritannien?

Hinter den strategischen Absichten Australiens steht, Major zufolge, die Frage: Wer kann mich im Krisenfall besser schützen? Denn wer militärische Ausrüstung kaufe, hoffe immer auch darauf, eine militärische Sicherheitsgarantie zu kaufen.

Großbritannien hingegen suche nach dem Austritt aus der Europäischen Union unter dem Leitmotiv "Global Britain" nach einer neuen Rolle in der Welt und strebe nach internationalem Erfolg.

Karte: China und Australien
Die indopazifische Region ist für die USA wegen des wachsenden Einflusses von China von großer Bedeutung.
Quelle: ZDF

Wie reagiert China?

Das Zerwürfnis zwischen den USA, den Bündnispartnern auf der einen und Frankreich und der EU auf der anderen Seite hat Folgen. Von einem zerstrittenen – und damit geschwächten - westlichen Bündnis profitiere letztlich China, erklärt Major.

"Aukus" beunruhige China auch insofern, da das neue Bündnis eine klare Achse sei von den USA über Europa/London in den Indopazifik (Australien). Und eine Allianz mehr in der Region - zusätzlich zu bestehenden, wie beispielsweise der Geheimdienst-Kooperation "Five Eyes" oder "Quad".

Ist der U-Boot-Streit zwischen Biden und Macron beigelegt?

Inzwischen gibt es versöhnlichere Töne: Bei einem Telefonat am Mittwoch haben Biden und Macron vereinbart, sich Ende Oktober in Europa zu treffen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Macron habe auch entschieden, dass der französische Botschafter kommende Woche nach Washington zurückkehren solle.

Mit Material von dpa

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.