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Kommentar

Lehren aus der Regenbogen-Krise : Danke, UEFA!

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Man muss der UEFA dankbar sein. Mit ihrem Nein zur Regenbogen-Beleuchtung der Münchner EM-Arena hat sie gemacht, was sie nie tun wollte: große Politik.

Kommentar: Stefan Leifert zur Regenbogen-Debatte
ZDF-Korrespondent Stefan Leifert kommentiert das Regenbogen-Verbot der UEFA.
Quelle: ZDF/

Und die UEFA hat mit ihrem Nein zur Regenbogen-Beleuchtung einer Sache gedient, die ihr egal ist. Vor allem hat sie Klarheit geschaffen, wo bisher der Schein regierte. Fünf Lehren aus der Regenbogen-Krise:

1. Fußball ist politisch, was denn sonst?

Die UEFA hat mit dem Regenbogen-Verbot erneut bewiesen, was alle wussten: Fußball-Großereignisse finden nicht im luftleeren Raum statt. Wenn ein Antrag auf regenbogenfarbene Beleuchtung politisch ist, dann ist es ein Verbot erst recht. Die UEFA kommt aus der Sache nicht heraus. In Fußballstadien hallen die großen Gesellschaftsfragen wider - selbst dann, wenn sie coronabedingt leer sind. Das hat München eindrucksvoll bewiesen.

2. Die UEFA zeigt nur Haltung, wenn es nichts kostet

Das Regenbogen-Verbot entlarvt, wie wenig sich der Verband um die Werte schert, die er vor sich herträgt, wenn es nicht wehtut. Das Engagement gegen Rassismus, Diskriminierung und Homophobie ist hohl, wenn es an der Angst endet, Sponsoren wie Gazprom oder Regierungschefs wie Viktor Orbán zu verprellen.

Wer harmlosen Protest gegen ein Gesetz für zu politisch hält, das Homosexualität mit Sexualverbrechen auf eine Stufe hebt, kann nicht mehr glaubwürdig gegen Homophobie eintreten. Mit ihrem Vorschlag, die bunte Beleuchtung doch an Tagen anzuknipsen, wenn keine EM-Spiele im Stadion stattfinden, führen UEFA und DFB ihr gesellschaftliches Engagement vollends ad absurdum.

3. Europas Fußballverband misst mit zweierlei Maß

Wenn es um die Geschäftsinteressen des Verbandes geht, ist die UEFA nicht zimperlich beim Eingriff ins Hoheitsgebiet souveräner Staaten. Dann dürfen gerne auch die Quarantäne-Regeln für Fußball-Funktionäre und Inhaber von Sponsoren-Tickets außer Kraft gesetzt werden. Ein Stadion in Regenbogenfarben hingegen will die UEFA Viktor Orbán nicht zumuten.

4. Die UEFA hat einer Sache gedient, die ihr egal war

Viktor Orbán ist nur vordergründig Sieger des Beleuchtungsstreits, politisch ist er der Verlierer. Der von München aus um die Welt gehende Protest gegen die UEFA und die weltweite Solidarität mit Ungarns LGBTI-Menschen haben eine Wirkung entfaltet, die die UEFA einsam macht.

Mögen die bunten Scheinwerfer in Münchens Arena ausgeschaltet bleiben, leuchten sie um so greller auf das skandalöse Gesetz seiner Regierung, das ohne die Debatte unter Europas Radar geblieben wäre. Die Empörung über die UEFA-Entscheidung hat erst sichtbar gemacht, wogegen jetzt sogar die EU-Kommission vorgehen will. Dafür muss man München und der UEFA dankbar sein.

5. Die Arena-Debatte setzt einen neuen Standard.

Der weltweite Protest aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik gegen das Regenbogen-Verbot hängt die Latte für andere Debatten hoch: EM-Spiele in Aserbaidschan, Autokraten auf der Ehrentribüne, eine FIFA-WM in Katar - an politisch Fragwürdigem mangelt es nicht im Weltfußball.

Wenn der Regenbogen von München auch hierauf abstrahlt und die Fußballwelt den Verbänden nicht mehr alles durchgehen lässt - die traurige Entscheidung der UEFA hätte ihr Gutes gehabt. Im Fußball würde man es Eigentor nennen. Aber auch darüber darf ja bekanntlich gejubelt werden.

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