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Interview

Klimaschutz - Socken aus CO2 - Treibhausgas als Rohstoff?

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Klimaschädliches CO2 als Rohstoff nutzen - das klingt nach einer Lösung. Für Sabine Fuss vom Berliner Klimaforschungsinstitut MCC sollte man dabei aber genau nachrechnen.

Man kann es essen oder Kleidung daraus machen: Der Klimakiller CO2 kann dem Menschen sogar nützlich sein. Dafür entwickeln Vordenker*innen überraschende Konzepte.

Beitragslänge:
30 min
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ZDFheute: Frau Fuss, warum hat man CO2 nicht schon längst als Rohstoff angesehen?

Sabine Fuss: CO2 als Rohstoff einzusetzen, ist keine neue Idee. Es werden jährlich bereits weltweit viele Millionen Tonnen CO2 kommerziell genutzt, vornehmlich für die Harnstoff-Synthese. Harnstoff - auch bekannt unter seinem lateinischen Namen Urea - kann zum Beispiel als Stickstoffdünger eingesetzt werden.

ZDFheute: Kann vielleicht die industrielle Nutzung helfen? Was halten Sie von Lösungen, CO2 etwa für Socken oder Basis-Nahrungsmittel zu nutzen?

Fuss: Ich gebe zu, dass es ein attraktives Narrativ ist: Es wird ein sauberer Rohstoff genutzt als fossiles CO2, die Kosten des Klimaschutzes könnten sich verringern. Abscheidungstechnologien könnten in ihrer technologischen Entwicklung von solchen Anwendungen profitieren.

ZDFheute: Aber?

Fuss: Allerdings ist es wichtig, bei all diesen Möglichkeiten nicht zu vergessen, dass eine genutzte Tonne CO2 keinesfalls immer einer aus der Atmosphäre entfernten Tonne CO2 entsprechen muss. Die CO2 Emissionen könnten sich sogar erhöhen ...

ZDFheute: ...inwiefern?

Wenn zum Beispiel eine große Menge nicht-dekarbonisierter Energie gebraucht wird für die Umwandlung des CO2 in ein Produkt. Um also festzustellen, ob Emissionen in einem bestimmten Nutzungspfad vermieden oder gar entnommen werden, braucht es eine gründliche Analyse des kompletten Lebenszyklus.

CO2 besteht aus Kohlenstoff, den wir in verschiedensten Stoffen und Substanzen finden.

Beitragslänge:
9 min
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ZDFheute: Wie wichtig ist es, die Verwendung und Speicherung von CO2 ernst zu nehmen?

Fuss: Der Sonderbericht zu 1,5 Grad globaler Erwärmung des Weltklimarats hat bereits Ende 2018 gezeigt: Man müsste selbst bei den günstigsten Szenarien immerhin noch etwa 100 Milliarden Tonnen CO2 bis Ende des Jahrhunderts entnehmen, um dieses 1,5-Grad-Ziel noch erreichen zu können. Und auch in Deutschland rechnen wir selbst bei enormen Anstrengungen im Klimaschutz mit Restemissionen, die ausgeglichen werden müssen, um rechtzeitig bei Netto-Null anzukommen. Daher muss dieses Thema ernst genommen werden, wenn die Ziele von Paris weiterhin erreicht werden sollen.

ZDFheute: Wie viel können natürliche Speichermöglichkeiten wie Moore und Baumpflanzungen leisten?

Fuss: Diese Speichermöglichkeiten zielen darauf ab, natürliche Senken zu stärken beziehungsweise zu vergrößern. Die meistdiskutierte Möglichkeit ist die Stärkung der Waldsenke, zum Beispiel durch das Anpflanzen weiterer Bäume oder Umstellungen im Forstmanagement. Dies sind Praktiken, mit denen es bereits viel Erfahrung gibt ...

ZDFheute: ... nämlich?

Fuss: Sie sind im Vergleich mit anderen Entnahmeverfahren preisgünstiger, bieten potenzielle Vorteile auch für andere Ökosystemdienstleistungen und erfreuen sich in vielen Fällen größerer Akzeptanz als technologische Verfahren.

ZDFheute: Kein Haken?

Fuss: Trotz des signifikanten Beitrags zur CO2-Entnahme, der durch natürliche Speichermöglichkeiten erreicht werden kann, muss aber auch einkalkuliert werden, dass das CO2, das hier gespeichert wird, auch schnell wieder in die Atmosphäre gelangen kann: Dürre, Feuer und Borkenkäferbefall setzen den Wäldern der Welt heute schon zu und zunehmender Klimawandel wird diese Situation nicht verbessern. Meiner Ansicht nach sollte man aus diesem und einer Reihe anderer Gründe ein breiteres Entnahmeportfolio anstreben.  

Die Fragen stellte Frédérique Veith.

Wir reden über die Klimakrise oft so, als ließe sie sich noch verhindern. Aber ist es so? Rasen wir nicht auf einen Abgrund zu? Dirk Steffens redet darüber mit Klimaforscher Mojib Latif.

Beitragslänge:
49 min
Datum:
Glühend rote Erdkugel vor rauchenden Schornsteinen

Doku | Terra X - Klimawandel und Klimaforschung 

Das Klima und seine Veränderungen von gestern, heute und morgen verstehen

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