Getreidefrachter sollen weiter ausfahren - Russland lehnt ab

    Nach Aussetzen von Abkommen:Moskau will Getreideausfuhren nicht zulassen

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    Trotz Moskaus Aussetzung des Getreideabkommens sollen Frachter weiter das Schwarze Meer passieren. Das hatten die UN, Ankara und Kiew vereinbart. Moskau will das nicht zulassen.

    Obwohl Russland das Abkommen zum Export von Getreide aus der Ukraine zunächst aussetzt, sollen am heutigen Montag weiter Schiffe über den Korridor im Schwarzen Meer ausgefahren sein. Die Delegationen der UN, der Türkei und der Ukraine hatten sich auf einen entsprechenden Plan geeinigt, wie es in einer Mitteilung des Koordinierungszentrums in Istanbul hieß.
    Russland will die Fortsetzung von Exporten über das Schwarze Meer jedoch nicht zulassen. Die Vereinbarung könne nicht ohne Moskau umgesetzt werden, sagte der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates in New York. Russland könne "eine ungehinderte Passage von Schiffen ohne unsere Inspektion nicht zulassen".

    Tracking-Webseiten: Ausfahrten wohl fortgesetzt

    Laut der Tracking-Webseiten Marine Traffic und Vesselfinder verließen mehrere Frachtschiffe wohl bereits am Montagmorgen den Hafen von Tschornomorsk in der Region Odessa. Dazu zählten der nach UN-Angaben mit Weizen beladene Frachter "African Robin", der mit Sojabohnen beladene Frachter "SK Friendship" und die mit Erbsen beladene "Sealock".
    Mit dem Aussetzen des Getreideexports setze Russland "Hunger wieder als Waffe ein", so ZDF-Reporter Dara Hassanzadeh. Die Getreidemengen wären nicht durch die Bahn und den Donauhafen wegzuschaffen.31.10.2022 | 2:40 min
    Das ukrainische Infrastruktur-Ministerium nannte auch ein Schiff namens "Ikaria Angel", das im Auftrag des UN-Welternährungsprogramms fahre. Die Ladung von 40.000 Tonnen Getreide sei für Äthiopien bestimmt. Zur gleichen Zeit steuerte der türkische Frachter "Ocean Legend" über den humanen Seekorridor die Ukraine an.

    Türkei will sich für Fortsetzung von Abkommen einsetzen

    Insgesamt sollten zwölf Schiffe am heutigen Montag durch den festgelegten humanitären Korridor in Richtung Istanbul aufbrechen, vier in entgegengesetzter Richtung. Die russische Delegation sei darüber informiert worden.
    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte in einer Fernsehansprache am Montag, er wolle sich trotz des Rückzugs Russlands für eine Fortsetzung des Abkommens über die ukrainischen Getreideexporte einsetzen. Trotz der "zögerlichen Haltung" Russlands sei die Türkei entschlossen, ihre Bemühungen fortzusetzen, sagte Erdogan.

    Moskau blockiert Getreidedeal
    :Weltweiter Hunger: Scharfe Kritik an Moskau

    USA und EU haben mit Empörung auf die russische Ankündigung reagiert, das Getreideabkommen zu blockieren. Die UN setzen auf Verhandlung. Russland stellt Bedingungen.
    Hafen von Odessa

    9,3 Millionen Tonnen Getreide seit Abkommen verschifft

    Russland hatte am Samstag seine Zustimmung zu den im Getreideabkommen vereinbarten Exporten "auf unbestimmte Zeit" ausgesetzt. Diese waren im Juli unter Vermittlung der Türkei und der UN vereinbart worden und hatten die monatelange Blockade der ukrainischen Getreideausfuhren infolge des russischen Angriffskriegs beendet.
    Laut türkischen Angaben sind seither 9,3 Millionen Tonnen Getreide verschifft worden. Es war verabredet worden, dass die Schiffe und ihre Fracht jeweils bei der Durchfahrt durch die türkische Meerenge Bosporus kontrolliert werden.

    Kritik an Russlands vorgehen: "Nahrungsmittel als Waffe"

    Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) forderte Russland zur Einhaltung des Getreideabkommens auf und "seiner vor der Weltgemeinschaft abgegebenen Verpflichtung gerecht zu werden".

    Russlands einseitiges Aussetzen des Getreideabkommens ist angesichts von weltweit Millionen Hungernden unverantwortlich.

    Cem Özdemir, Bundesagrarminister (Grüne)

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    Der SPD-Außenpolitiker Nils Schmid kritisierte, dass Russland Lebensmittel als Waffe einsetze. "Hinter der Blockade der Getreide-Ausfuhren steckt eindeutig die Taktik, Nahrungsmittel als Waffe einzusetzen", sagte Schmid den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

    Einmal mehr zeigt sich, dass auf Absprachen mit Russland kein Verlass ist.

    Nils Schmid, außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion

    Ursprünglich sollte das Abkommen am 19. November auslaufen. Es wäre aber, wenn keine Seite widersprochen hätte, automatisch verlängert werden.
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    Quelle: dpa, epd

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