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5 Jahre nach Pariser Klimagipfel - Stunde der Wahrheit, Stunde der Hoffnung

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Es wird wärmer. Drei bis vier Grad. Im Durchschnitt. Bis 2100. Aber: Was von Menschen gemacht ist, können Menschen auch ändern. Noch, meint ZDF-Umweltexperte Angres.

Kommentar: Volker Angres zu Umwelt in Zeiten von Corona
Wir könnten noch was ändern - aber nicht mehr lange, meint ZDF-Umwelt-Experte Volker Angres in seinem Kommentar.
Quelle: ZDF/dpa

Bis in den Abend: Die Vereinten Nationen, Großbritannien als Gastgeber der nächsten, dann 26. UN-Klimakonferenz und Frankreich als Gastgeber der 21. Klimakonferenz von Paris 2015 laden zum Extra Klimagipfel ein. Nein, es ist keine offizielle UN-Klimakonferenz. Dennoch: 113 Redner, zumeist Staatschefs aus aller Welt, beschwören ein gemeinsames Ziel: Klimaneutralität bis 2050. Und das ganz im Sinne des Abkommens von Paris.

EIne Art klimapolitisches Warmlaufen

189 Länder haben das Abkommen bisher ratifiziert, also in Kraft gesetzt, 196 hatten seinerzeit unterschrieben. Bisher war es eine Art klimapolitisches Warmlaufen. Jetzt, nach fünf Jahren, greifen erstmals die Regeln des Klimaabkommens.

Und die besagen: Alle fünf Jahre müssen die Staaten ihre Klimaschutzziele erheblich verschärfen und das der Weltöffentlichkeit auch mitteilen. Also heute zum ersten Mal. Was da weltweit in einer virtuellen Konferenz zu sehen war, gibt Grund zur Hoffnung, einerseits.

Klimaschutz bisher zu langsam

Andererseits: Zur Wahrheit gehören der Blick auf den immer noch viel zu hohen CO2-Ausstoß und erst recht der Blick auf den Rekordhöchststand der Anreichung von CO2 in der Atmosphäre. Und das aktuelle Klimaschutztempo reicht noch nicht einmal, um die bisherigen Minderungsziele bis 2030 zu erreichen, geschweige denn die neuen: Minus 55 Prozent bezogen auf das Basisjahr 1990 hat gestern die EU beschlossen, Großbritannien geht mit respektablen 68 Prozent in Rennen und auch China kündigt massive Maßnahmen an.

Klingt alles gut, aber doch wieder nur Schönrederei?

Auf der Grafik ist ein Koala, ein Polarfuchs, Clownfische, Hummeln und ein Elefant zu sehen.

Nachrichten | Politik -
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Corona-Hilfsgelder als Chance?

Woher also die Hoffnung nehmen? Zum Beispiel aus der globalen Covid-19-Pandemie. Noch nie zuvor wurden und werden Hilfsgelder in derart ungezählter Milliardenhöhe in die Wirtschaft gepumpt. Für Antonio Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, die Chance, damit vor allem den Umstieg in eine globale, "grüne" Wirtschaft zu finanzieren.

Auch im EU-Ratsbeschluss vom vergangenen Freitag ist dazu eine Aussage zu finden: Mindestens 30 Prozent der Hilfsgelder müssen klimaschutzrelevant ausgeben werden. Das sollten schon mindestens 55 Prozent sein, passend zum neuen CO2-Minderungsziel.

Grüne Investments müssen Standard werden

Politiker in allen Ländern stehen vor der Aufgabe, gesetzliche, steuerliche und fördernde Maßnahmen so zu gestalten, dass ein grünes Investment zum neuen, normalen Standard wird. Das ist der Schlüssel, um das 1,5 Grad-Limit nicht zu überschreiten. Noch aber geben zum Beispiel die G20-Länder 50 Prozent mehr für den Sektor der fossilen Energieträger aus als für erneuerbare. Eine bittere Wahrheit, ja, aber eine, die Politik ändern kann.

UN-Generalsekretär Guterres hat beim diesjährigen Klima-Gipfel alle Staaten aufgefordert, den Klimanotfall auszurufen. Die Corona-Krise biete eine gute Chance, Änderungen zu erzielen.

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Und bei uns? Zu allererst: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz muss endlich so umgestaltet werden, dass es wieder lohnt, in Wind- und Sonnenkraft zu investieren. Und in "grünen" Wasserstoff als wichtigen Energieträger vor allem für die Industrie. Der Ausstieg aus der Kohleverstromung ist beschlossen, spätestens 2038 muss das letzte Kraftwerk vom Netz.

Vielen Klimaaktivisten ist das zu spät, wollen früher raus aus der Kohle. Das könnte ganz von selbst so kommen. Durch den CO2-Zertifikatehandel. Der Preis für diese Verschmutzungsrechte wird kontinuierlich steigen. Das Verbrennen fossiler Energieträger wird nach und nach so unwirtschaftlich, dass Betreiber ihre Kraftwerke aufgeben.

Meine Prognose: 2030 haben wir weniger als fünf Prozent Kohlestrom im Netz. Derzeit sind es rund 24 Prozent.

Auch Polen will den Kohleausstieg

Apropos Kohlestrom: Sogar Polen plant den Ausstieg. Bis zum Jahr 2049. Wie ernst das Land mit gut 70 Prozent Kohlestrom im Netz an die Umsetzung geht? Wir werden es erfahren. Im Jahr 2025. Dann müssen alle wieder ihre Klimaschutzziele nachbessern.

So verlangt es das Pariser Klimaschutzabkommen.

Volker Angres leitet die ZDF-Redaktion Umwelt.

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