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1,5-Grad-Ziel - UN: Klimaschutz muss siebenmal stärker werden

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Ernüchternde Rechnung vor der UN-Klimakonferenz: Ein UN-Bericht offenbart, wie mager die nationalen Klima-Pläne sind - für das 1,5-Grad-Ziel wäre die siebenfache Anstrengung nötig.

Das Kohlekraftwerk Mehrum. Archivbild
Die Klimaschutzpläne reichen laut Unep bei weitem nicht aus.
Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Kurz vor dem Start der Klimakonferenz in Glasgow hat die UNO einen alarmierenden Bericht über die aktuelle Klimapolitik der Weltgemeinschaft veröffentlicht: Die Staaten müssen demnach ihre Bemühungen zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels versiebenfachen. Mit den derzeitigen nationalen Klimaschutz-Plänen lasse sich der Treibhausgas-Ausstoß bis 2030 nur um 7,5 Prozent reduzieren, heißt es im neuen Bericht des UN-Umweltprogramms (Unep).

Um die Erderwärmung - wie im Pariser Klimaabkommen vereinbart - auf möglichst 1,5 Grad zu begrenzen, sei jedoch eine Verringerung um 55 Prozent - also des rund Siebenfachen - notwendig. Selbst für das 2-Grad-Ziel wäre demnach eine Reduktion um 30 Prozent erforderlich.

Unep: Nur noch wenige Jahre Zeit

"Um eine Chance zu haben, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, haben wir acht Jahre Zeit, um die Treibhausgas-Emissionen fast zu halbieren", erklärte Unep-Exekutivdirektorin Inger Andersen.

Die Welt muss aufwachen und sich der drohenden Gefahr bewusst werden, der wir als Spezies gegenüberstehen.
Unep-Exekutivdirektorin Inger Andersen

Der Unep-Bericht "Emissions Gap Report" ermittelt alljährlich die Lücke zwischen den zu erwartenden Emissionen und den Werten, die für eine Erreichung der Pariser Klimaziele notwendig sind. Die internationale Gemeinschaft hatte sich Ende 2015 in Paris darauf verständigt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst aber auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Aktuelle Pläne führen zu Erderwärmung von 2,7 Grad

Die Unterzeichnerstaaten haben sich mit dem Pariser Klimaabkommen verpflichtet, alle fünf Jahre neue Klimaschutzbeiträge (NDC) vorzulegen, um den Treibhausgas-Ausstoß zu verringern. Doch laut Unep steuert die Welt mit den von rund 120 Staaten vorgelegten Plänen auf eine Erwärmung von 2,7 Grad in diesem Jahrhundert zu.

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Die Corona-Pandemie habe 2020 zwar zu einem "beispiellosen" Rückgang der globalen Emissionen um 5,4 Prozent geführt, heißt es in dem Bericht. Doch selbst dieser Einschnitt reiche nicht aus, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen.

Die Weltgemeinschaft muss demnach ihre Emissionen von Kohlendioxid oder seinem Äquivalent in anderen Treibhausgasen bis 2030 jährlich um 28 Milliarden Tonnen verringern. Zum Vergleich: Allein die Kohlendioxid-Emissionen werden im Jahr 2021 voraussichtlich bei 33 Milliarden Tonnen liegen.

Pläne vieler Länder "vage"

Anne Ohloff, Mitautorin des Berichts, sieht zwar "einige Fortschritte" seit dem Pariser Abkommen. So würden durch die neuen Klimaziele der Staaten bis 2030 vier Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr eingespart. Aber das reiche bei weitem nicht. "Insgesamt sind wir sehr weit von dem Punkt entfernt, an dem wir sein sollten."

Würden alle Staaten ihre Netto-Null-Emissionsziele vollständig umsetzen, könnte laut dem Unep-Bericht die Erderwärmung mit einer 66-prozentigen Wahrscheinlichkeit auf 2,2 Grad beschränkt werden kann. Insgesamt haben 49 Länder, die für rund die Hälfte der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sind, Netto-Null-Emissionen zugesagt. Die Unep kritisiert jedoch, deren Pläne seien "vage und spiegeln sich nicht in den NDCs wider".

Die Umweltminister der G20-Staaten haben sich bei ihrem Treffen in Neapel nicht auf weitreichende Klimaziele einigen können. Sie bekannten sich aber zum Pariser Klimaabkommen.

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In dem diesjährigen Unep-Bericht wurde insbesondere die Rolle von Methan, einem der stärksten Treibhausgase, in der Klimakrise unter die Lupe genommen. Dabei kamen die Experten zu dem Schluss, dass sich mit bereits existierender Technologie und nur geringen oder gar keinen Kosten die vom Menschen verursachten Methan-Emissionen um 20 Prozent pro Jahr verringern ließen.

Der Unep-Bericht wurde wenige Tage vor der UN-Klimakonferenz COP26 veröffentlicht, die als entscheidend für die Erreichung der Pariser Klimaziele gilt. Vom 31. Oktober an verhandeln die Regierungen im schottischen Glasgow darüber, wie sie die Ziele des Abkommens konkret einhalten können.

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