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Moderne Waffen für die Ukraine : Switchblade-Drohnen: Tod aus dem Nichts

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Zu den bisherigen Waffenlieferungen an die Ukraine sollen neue Systeme dazukommen: Kleine, hochmoderne Drohnen aus den USA. Sogenannte "loitering weapons" – herumlungernde Waffen.

Archiv: Demonstration einer Switchblade 300  auf einem Truppenübungsplatz
Abschuss einer Switchblade 300. Ihr Gefechtskopf hat eine Wirkung vergleichbar mit einer Handgrante.
Quelle: imago

Drohnen sind seit den ersten Tagen im Krieg in der Ukraine wichtige Waffen der ukrainischen Streitkräfte. Schon 2019 kaufte die Ukraine in der Türkei das Aufklärungs- und Kampfdrohnensystem Bayraktar TB2 und setzt es im aktuellen Kriegsgeschehen auch ein.

Am Himmel herumlungernde Drohnen

Jetzt sollen die ukrainischen Streitkräfte hochmoderne, kleine Drohnen aus den USA erhalten. Die benötigen zur Steuerung keine komplizierten Stationen am Boden, sondern können teilweise sogar von einem Soldaten zu Fuß eingesetzt werden. Switchblade (zu Deutsch: Springmesser) heißt dieses Drohnensystem, das der US-Technologiekonzern AeroVironment in Kalifornien herstellt.

Die Switchblade-Drohnen gehören zu einer vergleichsweise neuen Gattung unbemannter militärischer Flugobjekte: sogenannte loitering weapons (deutsch: herumlungernde Waffen). Sie werden so genannt, weil sie auch ohne konkretes Ziel gestartet werden können. Dann kreisen sie über den gegnerischen Kräften - sie lungern quasi im Luftraum herum - bis sie ein Ziel finden, das sie dann bekämpfen. Dabei können Menschen eingreifen, die Waffe kann das aber auch selbstständig.

Drohne stürzt sich ins Ziel

Bisher stellt man sich Kampfdrohnen als unbemannte, flugzeugähnliche Fluggeräte vor, die Ziele am Boden mit Luft-Boden-Raketen bekämpfen. Die US-Drohne MQ-9 Reaper ist ein solches unbemanntes Kampfflugzeug: Knapp elf Meter lang, 20 Meter Spannweite, mit fast fünf Tonnen fast so schwer wie ein kleiner Lkw.

Französische Soldaten bereiten eine Reaper Drohne für den Einsatz vor.
So wie diese Reaper in Mali stellt man sich bisher Kampfdrohnen vor: Als keine unbemannte Kampfflugzeuge.
Quelle: malaury buis/ema/dicod/ap

Switchblade-Drohnen sind anders: Sie passen in den Rucksack eines Infanteristen, wiegen nur wenige Kilogramm, werden von einem Elektromotor angetrieben, stürzen sich auf ihr Ziel und zerstören es. Eine Einweg-Waffe aus der Luft für zu Fuß kämpfende Soldaten.

Auch gegen gepanzerte Fahrzeuge

Die kleinere Switchblade 300 wiegt ca. 2,5 Kilogramm, kann eine Viertelstunde in der Luft bleiben und hat eine Reichweite von zehn Kilometern. Ihr Gefechtskopf hat ungefähr die Wirkung einer Handgranate. Er kann ungepanzerte Fahrzeuge zerstören oder mehrere Soldaten bekämpfen. Aber eben nicht nur in Wurfweite wie die Handgranate, sondern hochpräzise über mehrere Kilometer Distanz.

Undatiertes Handout-Bild einer Switchblade-Drohne.
Mit ihrem Hohlladungs-Gefechtskopf kann die größere Switchblade 600 auch gepanzerte Fahrzeuge bekämpfen
Quelle: picture alliance / ABACA

Die größere Switchblade 600 wiegt knapp 15 Kilogramm, kann 40 Minuten fliegen und hat einen Aktionsradius von 40 Kilometern. Sie trägt als Gefechtskopf eine Hohlladung, die gepanzerte Fahrzeuge zerstören kann.

Angriff kommt aus dem Nichts

Es ist nicht die Waffenwirkung, die Switchblades zu etwas besonderem oder neuem macht: Die Wirkungsweise von Handgranaten, ähnlich wirkenden 40mm-Granaten oder auch von Hohlladungsgeschossen gegen Panzer gibt es schon lange. Aber: In all diesen Fällen kann der Angegriffene erkennen, woher der Beschuss kommt. Und zurückschlagen.

Das geht bei den Switchblades nicht: Die kommen aus dem Nichts. Die Angegriffenen wissen nicht, wann und wo die Drohne gestartet ist, können sie während des Fluges kaum orten und entsprechend nicht bekämpfen. Damit machen die kleinen Drohnen ukrainische Streitkräfte im Kampf gegen russische Truppen deutlich schlagkräftiger und effektiver.

Mensch behält Kontrolle

Switchblades können auf unterschiedliche Art eingesetzt werden. Entweder sie starten ohne ein klares Ziel. Dann liefern sie dem Drohnenoperator am Boden per Echtzeitvideo ein Lagebild, bekommen vom Operator ein Ziel zugewiesen und zerstören es.

Oder sie starten mit einer Zielprogrammierung. Dann steigen sie auf und bekämpfen das Ziel selbstständig, sobald sie es identifiziert haben. Aber auch in diesem Modus kann der Drohnenoperator am Boden den Angriff jederzeit abbrechen - und der Drohne ein anderes Ziel zuweisen. So sollen eventuelle Kollateralschäden möglichst reduziert werden.

Bei US-Streitkräften seit Afghanistan beliebt

Der Krieg in der Ukraine ist nicht der erste, in dem die Switchblade-Drohnen zum Einsatz kommen. US-Streitkräfte hatten die damals ganz neuen Switchblade 300 im Jahr 2012 erstmals in Afghanistan eingesetzt und waren nach Angaben des US-amerikanischen Sicherheits- und Rüstungs-Fachmagazins Defense News (engl.) sofort von der Drohne überzeugt.

Inzwischen sollen die US Army und das US Marine Corps nach Medienberichten Switchblades im Wert von mehr als 100 Millionen Dollar bestellt haben. Die USA wollen - so berichten US-Medien - der Ukraine 100 Switchblades liefern. Ob die Lieferung Switchblade 300 und 600 beinhaltet, blieb offen. Aber von Preisen war die Rede: 6.000 Dollar soll eine Switchblade 300 kosten, meldete NBC News (engl.).

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