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Wer punktet im digitalen Wahlkampf?

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Biden oder Trump - Wer punktet im digitalen Wahlkampf?

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Die US-Präsidentschaftswahl findet inmitten der Corona-Pandemie statt. Für Trump und Biden bedeutet das in Sachen Wahlkampf: Umdenken. Ein Blick auf die Strategien der Kandidaten.

Joe Biden bei einer Videokonferenz am 21.08. 2020 in Milwaukee (USA)
Joe Biden setzt viel auf digitalen Wahlkampf - wie auch hier bei einer Videokonferenz während des Parteitags der Demokraten im August.
Quelle: Reuters

Es ist ein etwas anderes Wahljahr in den USA. Normalerweise würden die Kandidaten derzeit quer durch das Land reisen und vor Tausenden Menschen auftreten. Doch die Corona-Pandemie hat auch hier ihren Einfluss genommen, die traditionellen Wahlkampfmethoden funktionieren in diesem Jahr nicht.

Die Wahlkampf-Teams von Donald Trump und Joe Biden müssen sich mit der Frage befassen, wie man die Menschen erreicht, wenn man sie nicht treffen kann. Welcher der beiden Kandidaten profitiert mehr von diesem Wahlkampf im Ausnahmezustand?

Online-Wahlkampf wird wichtiger

Zum einen sind da Livestreams. Biden sendet seit März aus seinem Zuhause in Delaware und erreicht dabei über seine Webseite und Social-Media-Kanäle die Menschen, zu denen er sonst reisen würde. Und der Demokrat kann dabei punkten: Wahlkampfkommunikation aus dem eigenen Zuhause wirke "authentisch", erklärt Rhetorik-Experte Stefan Wachtel.

Bidens Konkurrent, der amtierende US-Präsident Donald Trump, sendet stattdessen aus dem Weißen Haus. So werden über die Team-Trump-App verschiedene digitale Aktionen angeboten; es wird versprochen, hier gebe es "keine Fake News". In Telefonkonferenzen, die auch auf Facebook abrufbar sind, wandte sich Trump zuletzt an seine Unterstützer, bei denen auch er bisher punkten konnte.

In zwei Monaten wählen die USA ihren Präsidenten: Donald Trump oder Joe Biden. Die Auftritte der beiden Kandidaten könnten kaum unterschiedlicher sein.

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Trumps Rhetorik-Vorteil im digitalen Wahlkampf

Im digitalen Wahlkampf könnte Trump ohnehin einen Vorteil haben. Seit Jahren nutzt er seinen Twitter-Account als eine Art politische Waffe. Dabei hat er die Kunst der kurzen, pointierten Sätze ("America First!", "Fake News!") perfektioniert.

Diese Rhetorik kommt dem Amtsinhaber zugute, erklärt Wachtel: "Seine Tweets sind oft wirkungsvoller als die gemäßigten von Biden." Gerade im digitalen Wahlkampf sei die Rhetorik wichtig, so Wachtel. Dabei habe Trump seinem Herausforderer weiterhin etwas voraus. Aber: "Biden lernt."

Virtueller Wahlkampf bei "Animal Crossing"

Tatsächlich entwickelt Bidens Wahlkampf-Team immer neue Konzepte. Zuletzt stellte das Team Biden eine Kollektion im virtuellen Nintendo-Spiel "Animal Crossing: New Horizons" vor. Spieler können nun ihren Avataren Kleidung von Biden und seiner Vize Kamala Harris anziehen und Biden/Harris-Plakate in ihren virtuellen Vorgärten und auf ihren virtuellen Inseln aufbauen. Für Politikberater Julius van de Laar geht es hier hauptsächlich um mediale Aufmerksamkeit:

Die meisten dieser Aktionen würde ich unter Earned Media, also PR verbuchen.
Julius van de Laar, Kampagnen- und Strategieberater

Es gehe aber auch darum, besonders junge Menschen zu erreichen und ihnen zu zeigen, "dass man sich dort tummelt, wo die Zielgruppe zu Hause ist", erklärt van de Laar. Diese Strategie scheint aufzugehen: Besonders junge Menschen zeigten sich in den Sozialen Netzwerken begeistert über diese Wahlkampfaktion. In der virtuellen Welt betreiben sie nun kostenlosen Wahlkampf für die Demokraten, denn Spieler können sich gegenseitig "besuchen" und andere Vorgärten und Inseln anschauen.

Trump setzt im Wahlkampf auf Publikum

Und dann sind da noch die persönlichen Interaktionen mit den Wählern. Während Biden und seine Vizekandidatin Kamala Harris nun langsam wieder einzelne Besuche in Bundesstaaten antreten, ist Amtsinhaber Trump mit seinem Vize Mike Pence schon einen Schritt weiter. Seit Wochen veranstaltet Trump große Kundgebungen in mehreren Bundesstaaten. Dabei ist das Abstandsgebot oft eine Nebensache, Masken werden erst seit Kurzem verteilt und empfohlen.

Diese Bilder der Normalität inmitten der Pandemie seien für Trump eine wichtige Wahlkampfstrategie, erklärt van de Laar.

Die Botschaft, die Trump senden will lautet: Seht her, bei mir herrscht Normalität und nur mit mir als Präsident kommen wir wieder zurück in das Amerika, das wir alle kennen und schätzen.
Julius van de Laar, Politikberater

Jetzt in der Pandemie auf Normalität zu setzen, scheint bei Trumps Unterstützern bisher gut anzukommen. Bereits 2016 war Trump den Demokraten beim Thema digitaler Wahlkampf voraus gewesen. Ob die neuen Strategien der Demokraten aufgehen und Biden mit Authentizität, virtuellen Wahlplakaten und Vorsicht im Umgang mit dem Coronavirus eher bei den Wählern punkten kann, wird sich im November zeigen.

Der Autorin auf Twitter folgen: @carolineleicht.

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