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Präsidentschaftswahl in den USA - Am Ende entscheidet das Electoral College

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Es heißt, das Volk wählt den Präsidenten. In den USA sind es die Wahlleute. Wie funktioniert das? Und wie kann es sein, dass am Ende womöglich nicht die Wählerstimmen entscheiden?

Vertreter des North Carolina Electoral College unterzeichnen die Abstimmungsurkunden im State Capitol in Raleigh
In den USA kann jemand ohne die Mehrheit der Wählerstimmen Präsident werden.
Quelle: reuters

Vier Mal ist es schon passiert: Jemand wurde US-Präsident, obwohl er nicht die Mehrheit der Wählerstimmen bekommen hatte. Zuletzt so passiert 2016, als Donald Trump rund drei Millionen weniger Stimmen als Herausforderin Hillary Clinton erhielt und die Wahlleute ihn trotzdem zum Präsidenten machten. Wie ist das möglich?

Was ist das Electoral College?

In den USA wird der Präsident nicht direkt vom Volk gewählt, sondern die Bürger stimmen für eine Art Mittelspersonen – das sogenannte Electoral College. Dieses Electoral College besteht aus 538 Wahlmännern und -frauen.

Um Präsident zu werden, braucht es eine absolute Mehrheit von 270 Stimmen. Es gilt das Winner-takes-it-all-Prinzip, wer die meisten Stimmen im jeweiligen Staat holt, bekommt dort alle Wahlleute.

Außer in Maine und Nebraska werden also nur die Wahlleute des Kandidaten mit den meisten Wählerstimmen für das Electoral College benannt. Die Stimmen des unterlegenen Kandidaten verfallen und sind quasi nichts mehr wert. Die Wahlleute sind zudem nicht dazu verpflichtet, gemäß des Wählerwillens abzustimmen, auch wenn sie das meist tun.

Tücken des Systems

Die Anzahl der Wahlleute soll eigentlich die Bevölkerungszahl des jeweiligen Bundesstaats abbilden, allerdings werden kleinere Staaten bevorzugt. Denn die Zahl der Wahlmänner richtet sich nach der Zahl seiner Vertreter im Senat und Abgeordnetenhaus.

Für das Abgeordnetenhaus stimmt die Regel, je mehr Menschen ein Staat hat, desto mehr Abgeordnete stehen ihm zu, nicht so aber im Senat. Hier hat jeder Staat unabhängig der Bevölkerungszahl zwei Senatoren. Somit sind bevölkerungsarme Staaten überrepräsentiert, ihre Wahlpersonen stehen für viel weniger Menschen als in großen Staaten.

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Durch dieses System einer indirekten Wahl und einem Mehrheitswahlrecht war es möglich, dass Trump auch ohne die Mehrheit der Bevölkerung Präsident werden konnte.

Durch seinen überraschenden Sieg in drei wichtigen Swing-States, Wisconsin, Michigan und Pennsylvania, gemeinsam mit den Stimmen aus republikanischen Staaten, hatte er genug Wahlpersonen für einen Sieg zusammen.

Was bedeutet das für die US-Wahlnacht?

Das bedeutet, dass möglicherweise auch in diesem Jahr wieder nicht der gewinnt, der die meisten Stimmen der Bürger bekommt. Das finden viele in diesem Land nicht zeitgemäß. Doch es sieht nicht danach aus, als hätten die Parteien Interesse daran, das System zu ändern. Die Entscheidung des Electoral College wird erst im Januar bekannt sein, dann wird das endgültige Ergebnis verkündet.

Der Autorin auf Twitter folgen @Alica_Jung

Donald Trump ist nicht die Ursache für die Krise; er ist ein Symptom. Schon lange haben die Bürger der USA das Vertrauen in die Politik verloren, das Land ist gespalten.

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43 min
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