Sie sind hier:

Wochenlange Planung - Der strategische Sturm auf das Kapitol

Datum:

Millionen Menschen haben den Sturm auf das Kapitol in Washington live verfolgt. Doch erst Tage später wird das volle Ausmaß sichtbar - und die Planung, die dahinterstand.

Anhänger von US-Präsident Donald Trump besetzen das US-Kapitol in Washington, USA, am 6. Januar 202
Anhänger von US-Präsident Donald Trump besetzen das US-Kapitol in Washington, USA. War der Angriff geplant?
Quelle: Reuters

Die Angreifer klemmen einen Polizisten in einer Eingangstür ein, "Hilfe!" schreit er, sein Gesicht schmerzverzerrt, seine Zähne blutig, wie man später in einem Video sehen kann. Ein anderer Polizeibeamter wird zu Tode geschlagen, offenbar mit einem Feuerlöscher, einen dritter gewaltsam über ein Geländer gestoßen, er fällt in die tobende Menge.

Chaos wurde schon Wochen vorher angekündigt

Was sich am 6. Januar vor und im Washingtoner Kapitol abspielte, war eines der düstersten Kapitel der amerikanischen Demokratie. Erst nach und nach wird mithilfe zahlreicher Handy-Videos und Augenzeugenberichte die Planung, die dahinterstand, offenbar.

Nach dem Sturm auf das Kapitol fragt ZDFheute live, wie es dazu kommen konnte. Mit dabei: Claus Kleber, Faktencheckerin Julia Klaus und Alica Jung als Reporterin vor Ort.

Beitragslänge:
42 min
Datum:

Nancy Pelosi, die Vorsitzende des Abgeordnetenhause, sprach von einer "gut geplanten, organisierten Gruppe mit Führungspersonen und Anleitung. Und die Anleitung war, Leuten an den Kragen zu gehen".

Nutzer der sozialen Medien am rechten Rand hatten bereits seit Wochen offen angedeutet, dass es Chaos im Kongress geben werde, am Tag der Ergebnis-Verkündung. Im Zuge des Angriffes ermutigten sie Anhänger, "dem Plan zu vertrauen" und "die Front zu halten".

Wusste das FBI vorher Bescheid?

Was genau der Plan war, steht im Mittelpunkt der derzeitigen Ermittlungen. Das FBI untersucht, ob manche der Angreifer Kongressmitglieder entführen und als Geiseln benutzen wollten - oder vielleicht sogar noch Schlimmeres. Einige trugen Plastikhandfesseln bei sich.

Innerhalb des FBIs gab es nach einem Bericht der "Washington Post" eine Warnung vor einer solchen Eskalation. Extremisten hätten demnach gepostet, man solle sich bei der Reise nach Washington auf "Krieg" einstellen. "Der Kongress muss hören, wie Glas zerbricht, wie Türen eingetreten werden und wie das Blut ihrer BLM- und Antifa-Sklavensoldaten vergossen wird", hieß es laut dem Blatt in einem der Postings.

Eskalation in Washington - Rechtsextreme und QAnons bei Kapitol-Sturm 

Rechtsextreme und Verschwörungsgläubige waren beim Sturm auf das Repräsentantenhaus dabei. Das habe Trump selbst provoziert, sagen Kritiker.

Videolänge
9 min
von Julia Klaus

Ablauf des geplanten Angriffs auf das Kapitol

  • Stimmungsmache: Der Aufstand begann mit einer Kundgebung, auf der Donald Trump die Menge anheizte und zum Kampf  aufforderte - kurz vor Beginn einer Sitzung von Abgeordneten und Senatoren zur traditionellen offiziellen Auszählung der Stimmen des Wahlleute-Gremiums.
  • Dann der Sturm auf das Kapitol: Tausende überrannten vor dem Gebäude die - zahlenmäßig völlig unterlegenen - Polizisten und Metallbarrieren. Kurz nach 14 Uhr Ortszeit rief die Polizei im Kapitol Mitarbeiter in einem Bürogebäude im Kapitolkomplex auf, sich in einem Untergrund-Tunnelsystem in Sicherheit zu bringen.
  • Nach dem Eindringen der Angreifer: Um 14.15 Uhr wurden die Türen des Saales der Abgeordnetenkammer verbarrikadiert und Parlamentariern drinnen wurde geraten, sich hinter ihren Stühlen zu ducken oder sich in Schränken zu verstecken.
  • Vor der Evakuierung der Parlamentarier: Um 14.44 Uhr, als die Vorbereitungen zur Evakuierung des gesamten Saales liefen, war ein Schuss direkt vor einer Tür zu hören, wie man später erfuhr, hatte ein Polizist auf eine vordringende Angreiferin gefeuert und sie getötet.

Wo bleibt Verstärkung der Polizei?

Erst um 17.30 Uhr, nachdem schließlich die Nationalgarde angerückt war, begann eine breit angelegte Offensive, die Angreifer aus dem Kapitol zu vertreiben. Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte setzten Tränengas gegen die Menge ein und durchkämmten dann die Flure, um nach möglichen Nachzüglern zu suchen.

Nicht lange danach setzten Abgeordnete und Senatoren ihre Arbeit fort, bestätigten am frühen Morgen des 7. Januar Bidens Wahlsieg, immer noch völlig schockiert von dem Aufstand - und dem katastrophalen Versagen des Sicherheitsapparates.

Sich alleine gegen einen Mob gewaltbereiter Randalierer stellen - das hat der Polizist Eugene Goodman getan und den Sicherheitskräften somit genügend Zeit verschafft, um die Parlamentskammern abzuriegeln.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.