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Polizeiversagen in Washington - Kapitol-Polizei hat den Mob unterschätzt

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Nach dem Sturm auf das Kapitol herrscht große Ratlosigkeit: Wie konnte das den Sicherheitskräfte passieren? ZDFheute mit ersten Antworten.

Nach dem Kapitol-Sturm durch einen Mob von Trump-Anhängern bleibt die Frage, wieso die Polizei nicht besser vorbereitet war. Eine Einschätzung von ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen.

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Die "United States Capitol Police" verfügt über ein Jahresbudget von etwa einer halben Milliarde US-Dollar und rund 2.000 besonders trainierte Einsatzkräfte. Die Aufgabe der Eliteeinheit: das Kapitol vor Angriffen zu schützen. Am Mittwoch aber erlebte diese Einheit ein Desaster. Die Polizisten wurden buchstäblich überrannt.

In etlichen Videos in Sozialen Netzwerken ist zu sehen, wie einige wenige überforderte Polizisten sich zahlenmäßig weit überlegenen Demonstranten entgegenstellen. Die wütenden Trump-Anhänger überwinden mühelos die wenigen Absperrgitter oder werden von Polizisten nicht zurückgehalten. Die Beamten treten zur Seite.

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Symbolisch die Szene aus dem Inneren des Kapitols: Ein einzelner Polizist stellt sich dem wütenden Mob zunächst entgegen - und muss dann schleunigst den Rückzug antreten:

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Ehemaliger Polizeichef: "Wie in einem Horrorfilm"

In einem weiteren Video posiert ein Polizist mit einem Trump-Anhänger für ein Erinnerungs-Selfie. Politiker, Medien und Sicherheitsorgane in den USA rätseln, wie es zu diesem Chaos kommen konnte, in dessen Verlauf es viele Verletzte und vier Tote gab. Kim Dine, von 2012 bis 2016 Chef der Kapitol-Polizei, fühlte sich nach eigener Aussage in einen "Horrorfilm" hineinversetzt. Jeden Tag trainiere die Kapitol-Polizei, um solche Szenarien zu verhindern. "Wie so etwas geschehen konnte, kann ich nicht verstehen", sagte Dine der "Washington Post".

Schockierende Bilder aus den USA. Ein von Trump aufgestachelter Mob dringt gewaltsam in das Repräsentantenhaus ein und hinterlässt Verwüstungen– es gibt Tote und Verletzte.

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Dass die Kapitol-Polizei schwer versagt hat, konstatiert nicht nur Dine. Von "enormen strategischen Fehlern" der Sicherheitskräfte sprach der Abgeordnete Tim Ryan, im Repräsentantenhaus zuständig für das Budget der Kapitol-Polizei. Ryan erwartet, dass eine Reihe von Verantwortlichen "sehr, sehr bald" ihre Jobs los sein werden.

Ein Fehler: "Business as usual" erwartet

US-Medien zufolge hat die Kapitol-Polizei am Mittwoch "business as usual" erwartet und dabei Entschlossenheit und Zahl der Trump-Anhänger massiv unterschätzt - selbst nach Warnungen der städtischen Polizei vor einem möglichen "wilden Protest". Auf Antworten warten die Amerikaner bislang vergeblich. Die Polizeiführung hält sich bedeckt. Fakt ist dagegen: Die geringe Zahl von Sicherheitskräften lässt sich nur bedingt mit Covid-19-Krankheitsfällen und Quarantänebestimmungen erklären.

Was Sicherheitsexperten wundert: Erst nach dem Sturm auf das Parlament wurden alle verfügbaren Einsatzkräfte der Kapitol-Polizei sowie anderer Sicherheitsbehörden wie etwa des FBI oder der Nationalgarde um Hilfe gerufen. Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums hätten sich über das zögerliche Vorgehen "verblüfft" und "entgeistert" gezeigt, so die Washington Post.

Aufgestachelte Trump-Anhänger haben gestern das Kapitol gestürmt. USA-Korrespondent Elmar Theveßen war während der Unruhen in Washington live vor Ort.

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Politikwissenschaftler: "Katastrophal für das Ansehen der USA"

Der Politikwissenschaftler Christian Lammert vom Berliner John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien bezeichnet die Geschehnisse in Washington als katastrophal für das Ansehen der USA. Lammert zieht einen Vergleich zu den meist friedlichen Demonstrationen der "Black Lives Matter"-Bewegung, die vor einigen Monaten in Washington mit massiver Polizeipräsenz und dem Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern aufgelöst worden sind:

Als Trump seinen Wahlauftritt mit der Bibel vor der Kirche in Washington machen wollte, sind die Demonstranten wirklich von der Straße gefegt worden, mit massivem Aufgebot an Polizeikräften. Und jetzt hat man nur vereinzelt Sicherheitskräfte vor dem Kapitol gesehen.
Politikwissenschaftler Christian Lammert

Aus dem US-Verteidigungsministerium heißt es derweil, man habe sich beim Einsatz der Nationalgarde zunächst bewusst zurückgehalten, weil es bei den "Black Lives Matter"-Demonstrationen massive Kritik an solchen Einsätzen gegeben habe.

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