ZDFheute

Das letzte TV-Duell im Faktencheck

Sie sind hier:

Trump gegen Biden - Das letzte TV-Duell im Faktencheck

Datum:

Coronavirus, China, Rassismus: Im finalen TV-Duell zwischen Biden und Trump wurden viele Themen angerissen. Die Fakten stimmen dabei nicht immer. Ein Überblick.

Beim letzten TV-Duell kurz vor der Präsidentschaftswahl wurde über wichtige Themen debattiert - Doch von beiden Seiten gab es Halbwahrheiten.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Donald Trump sagte insgesamt deutlich häufiger die Unwahrheit, doch auch Joe Biden lag mit seinen Zahlen nicht immer richtig: Das abschließende TV-Duell zwischen Präsident Trump und seinem Herausforderer Biden beinhaltete faktische Fehler und Halbwahrheiten. Aussagen zu einzelnen Themen im Faktencheck:

Coronavirus

Trump: “Wir sind am Wendepunkt angelangt” (falsch)

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA steigt seit September wieder kontinuierlich an. Auch die Zahl der täglich Verstorbenen liegt aktuell zum ersten Mal seit September bei über 1.000. Von einem Wendepunkt kann keine Rede sein.

Biden: “Bis zum Ende des Jahres werden weitere 200.000 US-Amerikaner sterben” (nicht belegt)

Laut Johns-Hopkins-Universität sind bislang insgesamt 223.000 US-Amerikaner an oder mit Covid-19 gestorben. Prognosen zeichnen bis Ende des Jahres eine weitere Zunahme der Corona-Toten - diese würde den Daten zufolge aber deutlich geringer ausfallen, als Biden suggeriert. Statistiker gehen aktuell von etwa 318.000 Covid-Toten in den USA bis Ende des Jahres aus. Das wären zusätzliche 95.000 Tote - und nicht 200.000.

Joe Biden und die Ukraine

Trump: "Sie zahlten seinem Sohn 183.000 Dollar im Monat" (falsch)

Wie zu erwarten war auch die Arbeit von Joe Bidens Sohn Hunter für die ukrainische Firma Burisma Thema. Trump behauptete, dass Hunter Biden 183.000 Dollar im Monat verdient hätte. Das ist falsch. Berichten zufolge betrug das monatliche Einkommen von Bidens Sohn zwischen 50.000 bis 83.000 Dollar. Mehr zu Trumps Vorwürfen gegen Joe Biden in Bezug auf die Ukraine lesen Sie hier:

Joe Biden und Hunter Biden

Ukrainischer Konzern Burisma -
Korruptionsvorwurf gegen Biden: Was ist dran?
 

Ein Artikel rückt alte Vorwürfe gegen Joe Biden in den Fokus: Er soll sich in ukrainische Politik eingemischt haben - zugunsten seines Sohnes und der Firma Burisma. Stimmt das?

von Katja Belousova

China

Biden: "Er hat dafür gesorgt, dass das Handelsdefizit mit China rauf und nicht runter ging" (falsch)

Handelsdefizit heißt, dass die Importe die Exporte überragen. Fakt ist: Unter Trump nahm das Handelsdefizit erst zu - auf 418 Milliarden Dollar 2018 - sank ein Jahr später aber wieder auf 345 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: 2015 betrug das Handelsdefizit unter Barack Obama 367 Milliarden Dollar, war also größer als 2019 unter Trump.

Trump: "Ich habe unseren Bauern 28 Milliarden gegeben. (..) Wer hat es bezahlt? China!" (falsch)

Trump erklärte bezogen auf seine Strafzölle, dass China Milliarden an die USA zahle - darunter 28 Milliarden an Bauern aus den USA. Die 28 Milliarden stimmen zwar: Die Summe ging aber - wie Biden richtig anmerkte - auf Kosten der US-Steuerzahler.

Im letzten TV-Duell vor der US-Wahl hat US-Präsident Trump seinen Herausforderer Biden scharf attackiert. Der liege dennoch deutlich vorne, kommentiert ZDF-Korrespondent Theveßen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Rassismus

Trump: "Niemand hat mehr für die schwarze Bevölkerung getan als Donald Trump mit Ausnahme von Abraham Lincoln“ (nicht belegt)

Diesen Satz hat Trump während seiner Amtszeit mehrfach geäußert. Die Wiederholung macht die Aussage aber nicht wahr: Als bedeutendste Leistung eines US-Präsidenten für Schwarze - seit Lincoln - gilt die Abschaffung der Rassentrennung durch den Civil Rights Act von 1964 durch Lyndon B. Johnson - und keine Trump-Reform.

Trump verweist stets auf die niedrige Arbeitslosenrate der afroamerikanischen Bevölkerung. Diese war vor der Corona-Krise tatsächlich auf einem historischen Tiefststand. Es ist aber schwer, dies als Leistung der Trump-Regierung zu werten, da die Arbeitslosenquote bereits seit Anfang 2010 konstant gesunken war.

Joe Biden oder Donald Trump? In einigen Bundesstaaten kann bereits gewählt werden. In Georgia versuchen Republikaner, die schwarze Minderheit an der Wahl zu hindern.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Trump: "Du hast nichts getan außer ein Strafrecht, das Zehntausende hauptsächlich schwarze Männer ins Gefängnis gebracht hat." (teilweise wahr)

Trump spricht bei dieser Aussage von Joe Bidens Rolle als Vorsitzender des Justizausschusses im Senat 1994. Biden half damals, den Violent Crime Control and Law Enforcement Act zu beschließen: ein Gesetz, das zwar die damals hohe Kriminalitätsrate verringert hat, aus heutiger Sicht aber auch den Grundstein für die explodierende Zahl der Gefängnisinsassen gelegt hat.

Im Zusammenhang mit den harten Strafen auf vergleichsweise minderschwere Drogendelikte wurden tatsächlich unverhältnismäßig viele Schwarze Amerikaner zu Gefängnisstrafen verurteilt. Biden nannte die damalige Gesetzgebung während der Debatte einen Fehler.

"Trump hat offensichtlich seine Strategie geändert", sagt der Vorsitzende der Atlantik-Brücke, Sigmar Gabriel über das letzte TV-Duell der Präsidentschaftskandidaten.

Beitragslänge:
6 min
Datum:

Migration

Trump: "Er (Biden) hat nichts getan außer Käfige gebaut um Kinder darin einzusperren" (irreführend)

Trump wurde gefragt, was mit Kindern passiere, die an der Grenze von ihren Eltern getrennt wurden und nun nicht mehr zusammengeführt werden könnten, da ihr Aufenthaltsort unbekannt ist. Trumps Null-Toleranz-Politik bei illegaler Einwanderung über die Grenze aus Mexiko führte im Sommer 2018 zur Trennung zahlreicher Kinder von ihren Eltern. So kam es zu dramatischen Szenen, als kleine Kinder alleine in Sammellager gesperrt wurden.

Trump verteidigt sich damit, dass er die Lager nicht gebaut habe ("Die haben die Lager gebaut") und auch unter Obama Familien an der Grenze getrennt wurden. Richtig ist, dass die "Käfige" während der Amtszeit von Obama gebaut wurden, sie wurden jedoch nur in seltenen Fällen genutzt. Desweiteren sind unter Obama keine Fälle bekannt, bei denen Eltern und Kinder nicht wieder zusammengeführt werden konnten.

Fazit: Das TV-Duell lief gesitteter ab als die erste Runde, die Stummstellfunktion musste nicht zum Einsatz kommen. Die Aussagen waren teils irreführend und falsch, aber gerade Trumps Statements näher an der Wahrheit als seine Behauptungen beim ersten Duell.

Donald Trump und Joe Biden vor einer Wahlgrafik
Grafik

Trump vs. Biden -
US-Wahl: So steht es in den Umfragen
 

Donald Trump oder Joe Biden - wer wird der nächste Präsident der USA? Der Stand der Umfragen in interaktiven Karten und Grafiken.

von Robert Meyer
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.