Sie sind hier:

Hadern mit US-Wahlausgang - Europas Populisten verlieren Verbündeten

Datum:

Deutschland nahm Bidens Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl mit Wohlwollen an. Polens und Ungarns Regierende hätten sich einen Trump-Sieg gewünscht - und wittern Betrug.

Andrzej Duda und Donald Trump
Polens Staatspräsident Andrzej Duda und Donald Trump
Quelle: imago

Für manch einen Offiziellen und Würdenträger im östlichen Europa war der Ausgang der Präsidentschaftswahl in den USA eine böse Überraschung. So etwa auch in Polen, dessen national-konservative Regierung auf gute Beziehungen zu Trumps Regierung setzte. "Es hat sich gelohnt, sich die Nacht um die Ohren zu schlagen und einen wunderschönen Morgen zu begrüßen", twitterte der Direktor des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, Jacek Kurski, am frühen 4. November, in dem Glauben, Trump habe die Wahl für sich entschieden.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Trumps Sieg sei "gut für Polen und die Welt" und bedeute "Sicherheit und Aufhalten des Aufmarsches der linken Kulturrevolte", heißt es weiter im Tweet des Mannes, der eigentlich Berufspolitiker ist und seit 2016 überwachen soll, dass das Nachrichten-Programm auf Regierungslinie fährt.

Der staatliche Nachrichtensender "TVP Info" preschte ähnlich wie der slowenische Ministerpräsident Janez Jansa vor und verkündete: "Trump wird die Präsidentschaftswahl gewinnen." Seit Bidens Sieg feststeht, wiederholt "TVP Info" Trumps Rhetorik und deutet auf allen Kanälen Wahlbetrug an.

Auch Orban hielt Trump die Daumen

Ähnlich wie Regierungsmedien in Ungarn. "Große Anspannung in Amerika angesichts der vielen Hinweise auf Betrug", titelte das Nachrichtenportal Origo.hu, das den rechtsgerichteten Regierungschef Viktor Orban unterstützt.

Orban gratulierte Biden schließlich am Sonntag. Zuvor schien er den Vorwürfen aus dem Lager von Trump Glauben zu schenken. Auf die Frage nach seiner Einschätzung zu den Wahlbetrugs-Vorwürfen sagte Orban am Freitag im staatlichen Radio, die USA könnten "nicht mehr andere nach solch einer Wahl kritisieren". Orban unterstrich auch: "Ich stand immer an der Seite von Präsident Trump."

Trump bei Polens Nationalkonservativen beliebt

Und Polens Staatspräsident Andrzej Duda blieb bei seinen Glückwünschen ähnlich zurückhaltend wie Orban. Er gratulierte Biden lediglich zu seiner "erfolgreichen Präsidentschaftskampagne" und warte auf die Nominierung durch das Kollegium der Wahlleute, schrieb er auf Twitter.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Trump ist bei Polens Regierenden sehr beliebt - er besuchte das Land, lobte die Regierung unter anderem für die Erfüllung der Zwei-Prozent-Quote für Verteidigung. Vermittelte Polen ein Gefühl der Sicherheit, kündigte die Aufstockung der Präsenz des US-Militärs an.

Trump über Duda: "Mein Freund"

Deren Höhepunkt sollte das - von der polnischen Seite so genannte - "Fort Trump" sein. Duda war gern gesehener Gast im Weißen Haus. Im Juli 2020 gratulierte Trump Duda zu dessen Wiederwahl als Staatspräsident, indem er ihn als seinen Freund bezeichnete.

Pompeo unterzeichnet Vertrag -
Was Polen von den neuen US-Truppen erwartet
 

Schutz vor möglichen Bedrohungen und eine noch engere Bindung an die USA: Polen erhofft sich viel von den 1.000 neuen US-Soldaten, die ins Land verlegt werden sollen.

Videolänge
1 min
von Tom Palluch

PiS sieht Biden als Gefahr

All das sieht Polens Regierung durch Bidens Wahl in Gefahr. Der Demokrat bemängelte die Rechtstaatlichkeit in Polen und kritisierte den Umgang mit sexuellen Minderheiten. "Der Sieg von Joe Biden könnte für PiS [Regierungspartei "Recht und Gerechtigkeit] einen Reset bedeuten", kommentierte die konservative Tageszeitung "Rzeczpospolita".

"Andrzej Duda, der in seinem Wahlkampf warnte, dass die LGBT-Ideologie schlimmer sei als der Bolschewismus, wird keinen leichten Anfang seiner Zusammenarbeit mit Biden haben."

Teilnehmer am "pride march" in Lublin, Polen

Gleichberechtigung Homosexueller -
Wahlkampf gegen die "Regenbogenpest" in Polen
 

Während die Gleichberechtigung Homosexueller in weiten Teilen Europas voranschreitet, stagniert die Situation in Polen. Es ist eines der wichtigsten Themen des Wahlkampfs.

von Natalie Steger und Caroline Niebisch, Warschau

Bidens Sieg könnte aber auch auf die polnische Außenpolitik Auswirkungen haben:

Bislang hat die PiS in Brüssel und Berlin hart gespielt, weil sie darauf zählte, dass sie in Washington einen starken Verbündeten hat, der die EU nicht mag und sich mit Angela Merkel ständig in der Wolle hat. Biden hat jedoch schon einen Neuanfang in den Beziehungen zu Deutschland und zur EU angekündigt.
Michał Szułdrzyński, Rzeczpospolita, 8.11.20

Die polnische Regierung und Staatspräsident Andrzej Duda drückten bei der US-Wahl Donald Trump die Daumen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Verbündeten im Ringen mit der EU verloren

In der EU selbst hofft man, den Höhenflug der Populisten und Nationalkonservativen durch Trumps Niederlage aufhalten zu können. Bidens Sieg sei "ein gutes Signal für alle Kräfte in der EU, die für Grundwerte und Rechtsstaatlichkeit stehen", sagte die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Katarina Barley, den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Dienstag. Trump habe mit seiner Unterstützung der rechtspopulistischen Regierungen versucht, die EU zu spalten.

"Joe Biden hingegen hat die antidemokratischen Entwicklungen in Polen und Ungarn bereits erfreulich klar kritisiert", sagte Barley weiter. "Auf Unterstützung aus Washington werden Orban und Co. künftig nicht mehr bauen können."

Mit Material von AFP und dpa

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.