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"Trump wurde in den Umfragen unterschätzt"

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US-Meinungsforscher - "Trump wurde in den Umfragen unterschätzt"

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Kaum gab es die ersten Ergebnisse der US-Wahl, hieß es: Die amerikanischen Meinungsforscher haben, wie bereits 2016, versagt. Lagen sie tatsächlich so falsch?

US-Präsident Trump
US-Präsident Donald Trump am Veterans Day.
Quelle: dpa

Amerikanische Umfragen hatten einen klaren Sieg des Herausforderers Biden bei der US-Präsidentschaftswahl vorausgesagt. Der vermeintliche Durchmarsch Bidens blieb jedoch zunächst aus. Kurz nach der Wahl schreibt der Tagesspiegel: "Es ist wieder passiert: Wie schon im Jahr 2016 lagen auch bei der US-Präsidentschaftswahl 2020 viele Umfragen in den USA daneben."

Haben sich die US-amerikanischen Meinungsforscher tatsächlich erneut geirrt, ähnlich wie im Wahljahr 2016?

"Die Durchschnittswerte der Umfragen zur US-Präsidentschaftswahl 2020 haben ein im Großen und Ganzen verlässliches und am Ende auch zutreffendes Gesamtbild abgeliefert", erklärt Yvonne Schroth von der Forschungsgruppe Wahlen. Allerdings sei die Frage nach "richtig" oder "falsch" nicht ganz so einfach zu beantworten.

Warum sind US-Umfragen so schwer einzuordnen?

So entsprächen die Qualitätskriterien von US-amerikanischen Umfragen nicht den deutschen, erklärt Schroth. Teilweise würden Online-Umfragen mit ganz wenigen Fallzahlen gemacht.

Außerdem bilde man in den USA bei den Prognosen Durchschnittswerte aus einer ganzen Fülle von Einzelumfragen. Und diese Durchschnittswerte müsse man einordnen.

Unsere Umfragen sind keine Projektionen für einen Wahlausgang. Sondern sie sind momentane Stimmungsmessungen, die auch nur als solches zu interpretieren sind.
Dr. Yvonne Schroth, Forschungsgruppe Wahlen

Welche Folgen hatte der Schweigefaktor bei der US-Wahl?

Es gab bei dieser US-Wahl für die Meinungsforscher verschiedene Hürden. Populistische Parteien allgemein, und nicht nur in den USA, würden in den meisten Umfragen unterschätzt, so Schroth. So spiele auch der Schweigefaktor gegenüber Trump eine wichtige Rolle bei der Prognose.

"Es gibt für die Demokraten heute wohl noch keinen Grund zu feiern", sagt Michael Werz, Center of American Progress, zur US-Präsidentenwahl.

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Gerade nach den TV-Duellen hätten viele Medien sehr negativ über Trump berichtet. Viele Wähler hätten daher vermutlich nicht zugeben wollen, Trump-Anhänger zu sein. Insbesondere dann nicht, wenn sie von eben diesen Medien zur Wahl befragt wurden. Und das wirke sich dann auf die Umfragen der amerikanischen Demoskopen aus.

Trump wurde in den Umfragen unterschätzt.

Welche Rolle spielte der coronabedingte hohe Briefwahlanteil?

Bedingt durch die Corona-Pandemie hatte der Briefwahlanteil bei der Wahl 2020 sehr hoch gelegen und damit eine exorbitante Rolle gespielt.

Zum einen sei es schwierig, so Schroth, Wahlverhalten in Umfragen zu erfassen, wenn bereits gewählt wurde. Zum anderen sei es dadurch zu einem sehr zähen Auszählungsprozess gekommen. Es kam zu zeitlichen Verzerrungen und zu "red to blue shifts“, während die Auszählungen in einzelnen Battleground-Staaten noch liefen.

Joe Biden führt im Rennen ums Weiße Haus. Reporterin Alica Jung mit einer Einschätzung aus dem besonders umkämpften Bundesstaat Pennsylvania.

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Die Prognose der Meinungsforscher ließ sich daher nicht unmittelbar mit den ersten Ergebnissen der Wahl abgleichen. Schroth kritisiert: Medial habe man aber schon viel früher ein klares Ergebnis erwartet, ohne zu berücksichtigen, was bedingt durch die Pandemie anders zu bewerten sei.

Wie wirkte sich das Mehrheitswahlrecht aus?

Das amerikanische Mehrheitswahlrecht in den einzelnen Bundesstaaten sei allgemein durch Umfragen schwer zu fassen, so Schroth. Zwar lag Biden in den Prognosen der Amerikaner, gemessen an der Stimmung im ganzen Land, vor Trump. Aber die Entscheidung fällt letztlich in den einzelnen Staaten. Schroth sieht die Umfrageergebnisse der amerikanischen Institute kritisch und mahnt zu Vorsicht.

Aus gutem Grund: Die Demoskopen mussten aus der letzten US-Wahl bittere Lehren ziehen. Hillary Clinton hatte 2016 bei den landesweiten Umfragen vorne gelegen. Tatsächlich hatte sie auch knapp drei Millionen Stimmen mehr als Trump.

Aber die Entscheidung fiel damals wie heute in den Einzelstaaten. Die Demoskopen mussten ein Schlappe einstecken. Der Druck, treffende Prognosen abzugeben, war 2020 hoch und in einigen Einzelstaaten gab es erneut abweichende Zahlen.

Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus hat US-Präsident Trump erneut den Vorwurf des Wahlbetrugs erhoben.

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Gab es auch klare Fehleinschätzungen?

Beispiel Florida: Dort führte Biden in den amerikanischen Umfragen immer knapp. Letztlich jedoch hat Trump gewonnen.

In Michigan lag Biden kurz vor der Wahl in manchen Umfragen 10 Prozentpunkte vor Trump. Gewonnen hat er aber nur mit rund 2,5 Prozentpunkten Vorsprung. Viele US-amerikanische Demoskopen hätten daher Michigan auf "blau" gesetzt, also Biden zugeschrieben. Die Forschungsgruppe Wahlen hingegen habe Michigan als Battleground eingeordnet und damit Recht behalten.

Auch in Ohio lagen die US-Demoskopen weniger richtig. Der Staat wurde als Battleground eingestuft, wobei das Ergebnis dann eher deutlich zugunsten von Trump ausfiel.

Daran lässt sich ablesen, dass sich der Schweigefaktor gegenüber Trump durch alle Umfragen zog.

Biden gegen Trump - wann sind die Auszählungen beendet?

Die Vorhersagen hatten Joe Biden landesweit vorne gesehen. Er hat die US-Wahl gewonnen. Am Freitag riefen die Sender CNN und ABC Biden nun auch im umkämpften Südstaat Georgia zum Sieger aus. Damit kommt Biden auf 306 der landesweit 538 Wahlleute, für einen Wahlsieg brauchte er 270. Zugleich erklärten die Sender, Trump habe das ebenfalls umkämpfte North Carolina für sich entschieden. Damit wurden in allen Bundesstaaten Sieger ausgerufen. Trump kommt auf insgesamt 232 Wahlleute.

In Stein gemeißelt ist das Ergebnis noch nicht: Die Bundesstaaten müssen die Ergebnisse noch bestätigen, die Wahlleute geben dann am 14. Dezember ihre Stimmen ab. In Georgia begann am Freitag wegen des engen Wahlausgangs eine Neuauszählung aller Stimmzettel. Biden hat dort aber mehr als 14.000 Stimmen Vorsprung.

Und anders als bei den Prognosen sind die Erwartungen an den US-Wahlsieger eindeutig.

Amerika steht wohl vor der wichtigsten Wahl seiner Geschichte. Schafft der umstrittene US-Präsident Trump seine Wiederwahl? Elmar Theveßen erkundet auf einer Reise durchs Land die Stimmung.

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