ZDFheute

Wer die Kohle hat, gewinnt

Sie sind hier:

US-Wahl 2020 - Wer die Kohle hat, gewinnt

Datum:

Die Kandidaten im US-Präsidentschaftswahlkampf müssen Wähler in 50 Staaten erreichen. Das bedeutet hohe Kosten. Aber wie viel Geld ist das eigentlich?

Elizabeth Warren und Michael Bloomberg bei der TV-Debatte der Demokraten
Michael Bloomberg musste zuletzt viel Kritik von seinen Mitstreitern einstecken, hier von Elizabeth Warren.
Quelle: Reuters/Mike Blake

Im Wahlkampf in den USA fließt Geld schneller als bei Start-Ups im Silicon Valley. Wer am Ende ins Weiße Haus einzieht, hängt in großen Teilen von den Wahlkampf-Finanzen ab. Für viele amerikanische Wähler ist die persönliche Beziehung zu den Kandidaten wichtig. Sie wollen die Kandidaten in ihrem Heimatort reden hören, sie persönlich treffen, Selfies machen. Nur, wer diesen persönlichen Draht zu den Wählern herstellen kann, wird auch an den Wahlurnen Erfolg haben.

Finanzen prägen den Wahlkampf

Die Kandidaten reisen deshalb quer durch die USA, richten Wahlkampfbüros in mehreren Staaten ein und schicken ihre Wahlkampfhelfer von Tür zu Tür. Das alles kostet natürlich Geld und je mehr die Kandidaten ausgeben können, desto besser stehen ihre Chancen für die Wahlen. Daher gilt in den USA meist, wer den finanziellen Wahlkampf anführt, führt auch in den Umfragen und schließlich an den Wahltagen.

Seit 2000 hatte stets der Kandidat mit den meisten Spendeneinnahmen auch die Präsidentschaftswahl gewonnen. Das änderte sich 2016. Während Hillary Clinton zwar knapp 235 Millionen Dollar mehr einnahm als Donald Trump und somit mehr ausgeben konnte, setzte sich am Wahltag Trump durch. Geht der Trend also dahin, dass Wahlkampf-Finanzen weniger wichtig werden?

Neue Möglichkeiten dank Social Media

Nicht unbedingt, denn die Plattformen und Strategien des Wahlkampfs haben sich verändert. Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Instagram stellen eine vergleichsweise kostengünstige Alternative zu traditionellen Wahlkampfmethoden dar. Besonders Trump hat sich diese Strategie angeeignet: Er kommunizierte schon im Wahlkampf viel über Social Media, besonders Twitter. Damit konnte er Millionen Wähler kostengünstig erreichen.

Als amtierender Präsident ist Trump nun in die Vorwahlen der Republikaner gestartet. Er führt deutlich gegen seinen Herausforderer William Weld, sowohl im Kampf um die Finanzen als auch im Kampf um die Wählerstimmen. Bisher hat Trump rund 217,7 Millionen Dollar eingenommen, bei Weld sind es bisher 1,8 Millionen Dollar. Eine große Überraschung dürfte das nicht sein, denn Weld befand sich von Anfang an in der Außenseiterrolle.

Sanders auch finanziell vor Biden

Bei den Demokraten führt nach den ersten vier Vorwahlterminen Bernie Sanders vor Joe Biden. Sanders liegt auch im Kampf um die Finanzen vor Biden: Bis Ende Januar hat Sanders rund 134,3 Millionen Dollar eingenommen. Bei Biden waren es bis Ende Januar erst rund 69,9 Millionen Dollar. Damit liegt der ehemalige Vizepräsident finanziell hinter Elizabeth Warren (rund 93 Millionen Dollar), die allerdings an den bisherigen Vorwahlterminen weniger Delegiertenstimmen erreichen konnte als Biden und Sanders.

Neben den Reisen und Wahlkampf von Tür zu Tür, ist auch Werbung im Fernsehen nach wie vor enorm wichtig für den amerikanischen Wahlkampf, auch in Zeiten von Social Media. Die Kandidaten haben bisher eine geschätzte Summe von 658 Millionen Dollar in die Verbreitung von TV-Werbung investiert. Ganz vorne mit dabei sind auch hier Sanders, Warren und Biden. Sanders gab bisher rund 20,3 Millionen Dollar für 40 TV-Spots aus, Warren investierte 7,01 Millionen Dollar in die Ausstrahlung von 22 TV-Spots, und Biden zahlte rund 4,74 Millionen Dollar, um 26 TV-Spots zu verbreiten.

Bloomberg ist Spitzenreiter im Kampf um die Finanzen

Der Spitzenreiter bei den Finanzen und auch bei den TV-Spots ist aber bisher ein anderer: Michael Bloomberg, der ehemalige Bürgermeister von New York City hat bisher 54 Werbespots im Fernsehen geschaltet und dafür rund 377 Millionen Dollar ausgegeben. Insgesamt stehen Bloomberg 464,1 Millionen Dollar zur Verfügung. Dabei handelt es sich aber nicht nur um Spendeneinnahmen. Der Milliardär hat bisher rund 463,8 Millionen aus seiner eigenen Tasche in seinen Wahlkampf investiert.

Bloombergs Mitstreiter haben sich immer wieder kritisch über seinen Wahlkampf geäußert. Man könne sich Wählerstimmen nicht erkaufen, lautet oft die Kritik. Ob Bloomberg seine Spitzenposition im finanziellen Bereich auch auf die Wahlergebnisse übertragen kann, bleibt abzuwarten. Am Dienstag steht Bloomberg zum ersten Mal auf den Wahlzetteln. Die ersten vier Vorwahlen hatte er ausgelassen, um sich auf den Wahlkampf in den wichtigen "Super Tuesday" Staaten zu konzentrieren.

Kreative Spendenaufrufe auf Social Media

Die Wähler jedenfalls sind sich der großen Bedeutung der Finanzen im Wahlkampf bewusst. Um ihre Favoriten zu unterstützen, werden sie zum Teil sehr kreativ. Zuletzt wurde in den sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #SpillTheTea zu Spenden für die Senatorin aus Massachusetts aufgerufen. Gestartet wurde der Trend von Charlotte Clymer. In einem Tweet an ihre über 270.000 Follower rief sie zu Spenden für Warrens Wahlkampf auf. Wenn eine bestimmte Summe erreicht sei, werde sie erzählen, welches Ende einer TV-Sendung sie enttäuscht habe.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Das Aktion breitete sich schnell aus. Immer mehr Menschen kündigten an, ein Geheimnis zu lüften oder zum Beispiel bekannte Filmszenen nachzustellen, sobald eine bestimmte Summe in Spenden für Warren zusammen gekommen sei. Clymer selbst hat mit ihrer Aktion mittlerweile 195.000 Dollar für Warren gesammelt. Für Warren sind das gute Nachrichten. Ihr stehen damit mehr Möglichkeiten im Wahlkampf offen. Gleichzeitig wurde durch die Aktion auf Social Media Werbung für Warren gemacht, und das völlig kostenfrei.

Der Autorin auf Twitter folgen: @carolineleicht.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.