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Migration : Die USA und ihr Lateinamerika-Dilemma

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Erstmals in seiner Amtszeit ist der US-Präsident an die Grenze und nach Mexiko gereist. Joe Biden will der illegalen Einwanderung Herr werden. Seine Kritiker sind skeptisch.

Die Biden Regierung wollte das Problem der vielen Migranten, die aus Mittelamerika in die USA kommen nicht nur an der Grenze, sondern direkt in den Ursprungsländern lösen.

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Bereits vor der Reise hatte das Weiße Haus neue Maßnahmen gegen illegale Einwanderung verkündet. Bis zu 30.000 Migrant*innen sollen monatlich aus Haiti, Kuba, Nicaragua und Venezuela offiziell in die USA einreisen dürfen. Zugleich sollen illegal an der Grenze ankommende Migrant*innen in Absprache mit den mexikanischen Behörden abgewiesen werden. Menschenrechtsgruppen kritisierten diese Pläne.

Auch bei seinem Besuch an der Süd-Grenze sowie in Mexiko schlug dem US-Präsidenten nicht ausschließlich Wohlwollen entgegen. Der texanische Gouverneur überreichte ihm einen Brief, in dem er der Regierung schwere Versäumnisse hinsichtlich der Einwanderungspolitik vorwirft. Und auch der mexikanische Präsident forderte Joe Biden auf, "das Vergessen, die Vernachlässigung und die Überheblichkeit gegenüber Lateinamerika und der Karibik zu beenden".

Die Pressekonferenz im Anschluss an den "Nordamerikagipfel" klang dann aber doch etwas einvernehmlicher. Unter anderem unterstrichen die USA, Kanada und Mexiko, das wirtschaftliche und politische Gewicht Nordamerikas gemeinsam weiter stärken zu wollen.

Der mexikanische Staatschef López Obrador hat US-Präsident Joe Biden für dessen Migrationspolitik gedankt. Zusagen zu Bidens Plänen gegen illegale Migration machte er aber nicht.

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Wertvolle Eigeninitiativen

In vielen Ländern Lateinamerikas und der Karibik sehen Millionen Menschen keine Perspektive mehr. Klimawandel, Korruption, Gewalt - allein aus Guatemala wandert einer Studie zufolge jeder sechste Bürger in die USA aus. Und so gibt es auch innerhalb der gebeutelten Länder Initiativen, um das Leben für die Menschen zu verbessern. In dem kleinen Ort Santa María Visitación besuchen wir Sozialarbeiter Marcos Ixtamer. Für ihn liegt der Schlüssel bei den Jugendlichen. Sein Herzens-Projekt: Jungen Menschen Möglichkeiten aufzeigen, wie sie im eigenen Land erfolgreich sein können.

Der 42-Jährige leitet das "Centro Quédate", übersetzt: Das "Bleib Hier-Zentrum". In verschiedenen Klassen lernen Jugendliche Fähigkeiten, die ihnen dabei helfen sollen, einen Job hier in ihrer Heimat zu finden. Marcos ist überzeugt:

Wenn der Nachwuchs besser ausgebildet wird, werden die Jugendlichen auch einen Job in ihrer Gemeinschaft finden oder ein eigenes Unternehmen aufbauen können. Und dadurch können sie all ihr Talent, ihr Potential, ihre Fähigkeiten nutzen, um ihre Gemeinde – ja – unser Land zu stärken.
Marcos Ixtamer, Sozialarbeiter

Erpressung, Entführung, Mord: im Karibikstaat Haiti terrorisieren 70 Banden die Bevölkerung und stürzen das von Armut geplagte Land ins Chaos. Die Polizei ist machtlos.

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Unterstützung aus den USA

Für viele Jugendliche ist es unmöglich, regelmäßig zu einer Ausbildungsstätte zu kommen. Schlechte Infrastruktur, lange Wege. Also hat Marcos dafür gesorgt, dass die Lehrer auch selbst in die Gemeinden gehen, um auszubilden - wie in diesem Handwerks-Betrieb. Immanuel hat hier seine Ausbildung zum Schweißer gemacht und wurde am Ende sogar übernommen.

Es mag ja sein, dass man in den USA ein besseres Leben führen kann, aber was bringt Dir das, wenn Deine Familie, Deine Freunde, Deine Heimat hier sind?
Marcos Ixtamer, Sozialarbeiter

Das Centro Quédate läuft so gut, dass die Idee nun auch in andere Gemeinden getragen wird. Unterstützung kommt von den Regierungen Guatemalas und der USA. Es ist eines von zahlreichen Projekten, die Guatemalteken stärker an ihre Heimat binden sollen. Und es funktioniert.

Korruption und Kriminalität

Trotz solcher Initiativen suchen vielerorts in Lateinamerika oder der Karibik immer mehr Menschen einen Ausweg, oder versinken in der Kriminalität. In zahlreichen Städten regieren die Gangs. Wer stört, stirbt. Und wer sich dagegen wehren will, muss um sein Leben fürchten, wie Juan Sandoval.

Der 40-Jährige war bis Juli 2021 Guatemalas Anti-Korruptions-Beauftragter. Er kam krummen Geschäften des Präsidenten auf die Schliche, wurde gefeuert. Wir treffen ihn in Washington, D.C., wo er im Exil lebt. Bei unserem Gespräch erklärt er uns seinen Blick auf die großen Probleme in seinem Heimatland:

Die Mächtigen ziehen ihren Nutzen aus einer unterernährten Bevölkerung, einer Bevölkerung, die kaum überleben kann – das ist eine Quelle billiger Arbeitskräfte.
Juan Sandoval, ehemals Guatemalas Anti-Korruptions-Beauftragter

"Die Leute verstehen, dass korruptes Handeln die Umstände dafür schafft, dass es ihnen unmöglich ist, ihren eigenen Lebensbedarf zu decken," so Sandoval weiter.

Die Zustände, die Juan Sandoval beschreibt, betreffen zahlreiche Länder in Lateinamerika und der Karibik. Und solange diese Probleme nicht bei ihrer Wurzel angepackt werden, können wohl auch die besten Maßnahmen und viel Geld aus den USA nur bedingt dabei helfen, die schlimme Situation von Millionen Verzweifelten zu verbessern.

Mit Material von dpa, ap, AFP, Reuters

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