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Trump und Biden - USA werden "sehr hässlichen Wahlkampf sehen"

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Nach den Parteitagen beginnt der direkte Wahlkampf in den USA. Im Interview spricht USA-Experte Christian Lammert über Trumps Strategie - und ein mögliches Problem der Demokraten.

Archiv, USA, Wilmington: Vizekandidatin Kamala Harris an der Seite Joe Bidens.
Vizekandidatin Kamala Harris an der Seite Joe Bidens in Wilmington, USA. (Archiv)
Quelle: dpa

ZDFheute: Als Kamala Harris letztes Jahr mit ihrer eigenen Präsidentschaftsbewerbung kurz vor dem Aus stand, sagten Sie, die leeren Wahlkampfkassen sagten auch etwas über ihre Popularität aus. Nun hat Joe Biden sie als Vizepräsidentin nominiert. Sehen Sie da ein Problem mit der Popularität?

Christian Lammert: Das Anforderungsprofil für eine Vizepräsidentschaftskandidatin ist ein anderes. Sie muss hier in erster Linie ergänzen. Ich glaube, sie hat schon gezeigt, dass sie auch eine ganz gute Ergänzung ist zu Joe Biden, der ja ein bisschen defensiv, empathisch momentan auftritt. Und da kann Kamala Harris ein bisschen aggressiver mal in den Vordergrund rücken.

Davor haben allerdings auch viele Demokraten ein bisschen Angst, dass sie Joe Biden vielleicht die Show stehlen kann, weil sie öffentlich sehr gut auftritt und auch eine gute Rhetorik hat.

ZDFheute: Auf dem Parteitag der Demokraten kamen auch ehemalige Konkurrenten von Biden zu Wort, so zum Beispiel Bernie Sanders. Was ist das Ziel dieses Parteitages gewesen?

Lammert: Es wird versucht, das Signal auszusenden, dass die Partei geeint ist nach dem Vorwahlkampf, wo die Spaltungen der Partei auch sichtbar geworden sind. Aber es geht eben auch nicht nur darum, einen Präsidenten zu wählen.

ZDFheute: Um was geht es noch?

Lammert: Es geht auch ein bisschen darum, ein paar Nachwuchsleute zu positionieren.

Es geht ja nicht nur um die nächsten vier Jahre im Weißen Haus, sondern es muss auch signalisiert werden, dass da eine langfristigere Perspektive ist.

Ich glaube, wir haben auf dem Parteitag auch einige Leute gesehen, wie Elizabeth Warren, die wahrscheinlich später in einer möglichen Biden-Regierung eine Rolle spielen werden.

Weniger als drei Monate vor der US-Wahl beginnt heute der virtuelle Parteitag der Demokraten, bei dem Joe Biden offiziell zum Präsidentschaftskandidaten gekürt werden soll. "Ein historischer Parteitag", so ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen.

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ZDFheute: Die Republikaner halten nächste Woche ihren Parteitag ab. Was ist davon zu erwarten?

Lammert: Es deutet sich an, dass es viel stärker als bei den Demokraten wirklich auf den Spitzenkandidaten zugeschnitten sein wird. Es wird wahrscheinlich inszeniert wie ein richtiger Krönungsparteitag.

ZDFheute: Und Donald Trumps Rede?

Lammert: Wir werden einen spaltenden Trump sehen, der auf den politischen Gegner einschlägt. Also das, was er die ganze Zeit schon gemacht hat, werden wir auch nächste Woche beim Parteitag der Republikaner sehen.

Er kann gar nicht anders, als zu polarisieren.

ZDFheute: Nach den Parteitagen geht ja der direkte Wahlkampf zwischen Biden und seinem erwartbaren Gegenkandidaten Trump erst richtig los. Was erwartet uns in den Wochen bis zur Wahl?

Lammert: Ich glaube, wir werden einen sehr hässlichen Wahlkampf sehen, der das Land auch noch weiter spalten wird, als es momentan der Fall ist.

Das Ausmaß der Polarisierung und der Spaltung der US-Gesellschaft ist schon wirklich gefährlich.

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ZDFheute: Zum Schluss noch der Blick über den Atlantik. Was wird das Wahlergebnis für Deutschland bedeuten?

Lammert: Ich glaube, vier weitere Jahre mit Trump werden dem internationalen System und der Kooperation der Länder massiv schaden, weil dieser Neonationalismus, den Trump hier präsentiert, ist nicht nur inhaltlich ein Problem.

Sondern auch eben in der Art und Weise, wie Länder miteinander umgehen, wie Regierungen miteinander sprechen.

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ZDFheute: Und was wäre, wenn Biden gewinnt?

Lammert: Diese Wählergruppen, die Trump gewählt haben, müssen auch in Zukunft angesprochen werden. Und das wird Joe Biden auch machen. Deswegen glaube ich auch nicht, dass es einen radikalen Wandel der amerikanischen Handelspolitik geben wird.

Das Interview führte Caroline Leicht. Hier können Sie ihr auf Twitter folgen: @carolineleicht.

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