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Impeachment-Verfahren : Wer sind Trumps Verteidiger?

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Der Auftakt des Amtsenthebungsverfahrens im Senat löste selbst bei Republikanern Kopfschütteln aus. Wer sind die beiden Anwälte, die Ex-Präsident Trump da vertreten?

Der Ex-Präsident soll "fast geschrien" haben, vermeldete CNN unter Verweis auf ungenannte Quellen. Wütend und frustriert habe ihn der erste Tag des Amtsenthebungsverfahrens gegen ihn gemacht. Besonders die Leistung eines seiner beiden Anwälte: Bruce Castor. Er und sein Verteidiger-Kollege David Schoen hatten mit teils aggressiver Rhethorik versucht, das zweite Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump im US-Senat im Ansatz als verfassungswidrig zu stoppen - vergebens.

Mit Schoens Vortrag sei Trump zufrieden gewesen, so die "New York Times". Die 45-minütige Darbietung Castors aber verursachte auch unter Republikanern Kopfschütteln. "Unorganisiert" und "chaotisch" sei der Vortrag gewesen, befand Bill Cassidy auf CNN - und stimmte mit den Demokraten. Seine Parteikollegin Lisa Murkowski sagte US-Medien zufolge, "ich konnte nicht verstehen, was er sagen wollte". Mehrere Demokraten bezeichneten Castors Ausführungen als zusammenhangslos und wirr.

Castor lehnte Cosby-Verfahren ab

Viel Zeit hatten Schoen und Castor nicht, sich vorzubereiten: Ende Januar waren Trumps ursprüngliche Verteidiger wegen Differenzen abgesprungen. Er hätte sich zwei Wochen mehr Vorbereitung gewünscht, sagte Castor der "Washington Post".

Während Schoen Trumps Anwaltsteam bereits angehörte, war Castor einst leitender Bezirksstaatsanwalt im Bundesstaat Pennsylvania. In dieser Rolle wurde er 2005 vor allem dafür bekannt, dass er es ablehnte, ein Strafverfahren gegen die Sitcom-Legende Bill Cosby wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe einzuleiten.

Bruce Castor am 09.02.2021 in Washington (USA)
Bruce Castor
Quelle: AP

Später erhob ein anderer Staatsanwalt Anklage gegen Cosby; schließlich wurde er 2018 zu jahrelanger Haft verurteilt. Er persönlich habe zwar gedacht, dass man Cosby hätte festsetzen sollen, sagte Castor zu dem Fall, doch die Beweislage sei nicht ausreichend gewesen. Vielmehr lieferte er sich juristische Auseinandersetzungen mit dem Cosby-Opfer Andrea Constand.

"Unfähig, keine Nachrichten zu produzieren"

Zuletzt arbeitete der 59-Jährige für ein Anwaltsbüro in Philadelphia, spezialisierte sich auf medizinische Behandlungsfehler, Personenschäden und vertrat Mandanten, die "in #MeToo-Fällen fälschlicherweise beschuldigt wurden und deren Ruf ruiniert wurde", so Castor in der "Washington Post". Das Blatt beschreibt ihn als redselig, polarisierend, charmant und "nahezu unfähig, keine Nachrichten zu produzieren".

Ein Cousin, Anwalt der Republikaner, hatte Castor dem Trump-Team vermittelt. Der Ex-Präsident sei der "sympathischste Typ der Welt", schilderte Castor - selbst Republikaner - der Zeitung ein Telefonat mit Trump. Persönlich getroffen habe er ihn nie.

Schoen glaubt nicht an Selbstmord Epsteins

David Schoen am 09.02.2021 in Washington (USA)
David Schoen in Washington (USA)
Quelle: Reuters

Castors Teamkollege Schoen hatte ebenfalls schon Schlagzeilen gemacht: 2019 sollte der im Südstaat Alabama angesiedelte Strafverteidiger den festgenommenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein vertreten. Als Epstein tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden wurde, sagte Schoen, er glaube nicht an einen Suizid, die offizielle Todesursache. Wenige Tage zuvor hatten beide sich noch getroffen.

Schoen arbeitete in der Vergangenheit auch für den langjährigen Trump-Berater Roger Stone. Dieser war im Zuge der Russland-Affäre zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden, was Schoen als "sehr unfair und politisiert" bezeichnete. Trump begnadigte Stone später.

Auch schon Mafiosi vertreten

Der 62-Jährige ist auch als Kommentator aus dem US-Fernsehen bekannt und hat schon einige Prozesse durchgefochten. Er habe alle möglichen "mutmaßlichen Gangsterfiguren" vertreten, sagte er vergangenen Herbst der "Atlanta Jewish Times". Zu seinen Mandanten zählten Mafiosi, er verklagte palästinensische Terroristen, vertrat auch den Ku Klux Klan, der sich gegen das Verbot wehrte, mit Kapuze zu marschieren. Auch beschäftigte er sich mit Wahlrechtsfragen und Polizeigewalt.

Richard Cohen, Ex-Präsident der Bürgerrechtsorganisation  Southern Poverty Law Center, bezeichnete Schoen in der "New York Times" als "guten Anwalt und Menschen". Er interessiere sich für herausfordernde Fälle und schrecke auch nicht davor zurück, unpopuläre Mandanten zu vertreten.

Zum Auftakt des Trump-Impeachments jedenfalls haben sich beide Verteidiger wohl bessere Schlagzeilen gewünscht: Castor und Schoen seien gewiss die "inkompetentesten Rechtsvertreter eines modernen Präsidenten", ob noch amtierend oder aus dem Amt ausgeschieden, mokierte sich der US-Historiker Michael Beschloss. "Wenn Castor und Schoen fertig sind, wird das Repräsentantenhaus wahrscheinlich ein drittes Impeachment fordern."

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