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Kapitol-Stürmung vor einem Jahr - Gefahr aus der Mitte der Gesellschaft

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Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios Washington, traf ein Opfer der Kapitol-Attacke vom 6.1.2021. Dem Tag, als Trump-Anhänger das Kapitol stürmten. Und befürchtet weitere Gewalt.

Ein Jahr nach dem Sturm auf das Kapitol haben sich die Gemüter in den USA scheinbar beruhigt. Scheinbar. Noch immer versuchen Trump-Anhänger das Wahl-System und die Demokratie anzugreifen. Und wer glaubt, hier handle ein sozial abgehängter Mob, der irrt.

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Gerade komme ich vom Kapitol zurück und merke, dass sich die Ereignisse vom 6. Januar 2021 doch tiefer eingegraben haben, als ich dachte. Kein Vergleich natürlich zu dem, was Michael Fanone erlebt hat, mit dem ich mich vorhin an der Westseite des Parlaments getroffen hatte.

Er war als Beamter der Washingtoner Polizei von den Aufständischen niedergeprügelt, getreten und mit Elektroschocks traktiert worden. Michael erlitt damals einen Herzinfarkt.

Uneinsichtige Kapitol-Aufständische

Wir reden über Jenna Ryan, eine Immobilienmaklerin und glühende Trump-Anhängerin aus Florida, die nun für 60 Tage ins Gefängnis muss, weil auch sie an jenem Tag ins Kapitol eingedrungen war.

Ryan sieht sich nun als Märtyrerin: "Sie verspotten mich wegen meiner Hautfarbe, nennen mich Aufstands-Barbie."

Man sieht mich nicht als Menschen, sondern als Sündenbock, so wie einst die Juden in Deutschland.
Jenna Ryan, Kapitol-Eindringling

Michael Fanone ist über diese Aussage genauso fassungslos wie ich: "Das Statement ist empörend. Sie ist eine Kriminelle, die sich an einem gewalttätigen Aufstand beteiligt hat. Sie wurde schuldig gesprochen und sollte – statt brandstiftender Äußerungen – mal über ihre Taten nachdenken."

Was friedlich begann, ist vor einem Jahr schnell ausgeartet. Fünf Menschen sind beim Sturm auf Kapitol ums Leben gekommen.

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Fanone sieht Gefahr in Amerika nicht gebannt

Fanone sieht Amerika an einem Wendepunkt. Das Land stecke bis zum Hals in einem Kulturkrieg, das mache ihm Angst. An jenem 6. Januar hätten er und seine Kollegen, amerikanische Polizeibeamte, Extremisten daran gehindert, die Demokratie zu zerstören.

Aber die Gefahr sei nicht gebannt, weil die eigentlichen Drahtzieher – allen voran Donald Trump – weiter Stimmung gegen die Demokratie machten.

Universität Chicago hat untersucht, wer die Aufständischen waren

"Ich erwarte", sagt Michael, "dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden, nicht nur die gewalttätigen Aufständischen, sondern auch die Politiker, die mit ihrer Rhetorik diesen Mob angestiftet haben, und alle die beteiligt waren an den Planungen und der Verschwörung an diesem Tag."

Michael und mit ihm ganz Amerika wurden angegriffen durch die Mitte der Gesellschaft. Die Universität von Chicago hat untersucht, wer die Aufständischen waren, vor allem die mehr als 700, die wegen zahlreicher Straftaten, auch Gewalt angeklagt sind.

Über die Hälfte waren Geschäftsleute, Manager, Büroangestellte, Anwälte, Architekten, Finanzberater.
Robert Pape, Universität von Chicago

... sagt mir der Leiter der Studie, Professor Robert Pape, "nur sieben Prozent waren arbeitslos zum Zeitpunkt des Aufstands, entsprechend etwa dem landesweiten Durchschnitt. Das weicht sehr ab von dem, was wir sonst bei rechten Extremisten sehen, die Gewalt ausüben."

Unter den Kapitol-Stürmern: Viele normale Bürger

Angestiftet von Donald Trump waren es eben nicht nur rechtsextreme Milizen, sondern normale Bürger. So etwas, so Professor Pape, habe es zuletzt in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts gegeben, als der Ku-Klux-Klan in Washington marschierte.

Wie die Rassisten damals wurden die Täter vom 6. Januar getrieben von Angst. Viele Weiße in den USA wollen mit allen Mitteln verhindern, dass sie ihre Vormachtstellung verlieren. Die Universität Chicago hat über das Jahr 2021 hinweg mehrfach in Meinungsumfragen erkundet, wie weit sie dafür gehen würden.

Studie: Rund acht Prozent der Amerikaner gewaltbereit

Rund acht Prozent der Amerikaner, so das Ergebnis, sind gewaltbereit: "Wir fanden heraus, dass 21 Millionen Erwachsene Joe Biden für einen illegitimen Präsidenten halten und dass die Anwendung von Gewalt gerechtfertigt ist, um Trump wieder in sein Präsidentenamt einzusetzen", erklärt Professor Pape, "das ist sehr gefährlich". Es bedeutet, dass unsere Demokratie auf die Probe gestellt wird wie niemals zu unseren Lebzeiten."

Auch Barb Byrum warnt vor einem Umsturz. Die demokratische Landrätin in Michigan erlebt, wie Trump-Anhänger sich für Posten bewerben, in denen sie Ablauf und Ergebnis von Wahlen manipulieren könnten: "Das ist ein Umsturz in Zeitlupe", so Byrum.

Massenbewegung mit faschistischen Zügen

Wir sehen eine Basisbewegung, Verschwörungsgläubige, Anhänger der Wahllüge, die selbst Ämter als Wahlaufseher übernehmen und dann die Regeln ändern wollen, die unser Wahlsystem schützen.
Barb Byrum, demokratische Landrätin in Michigan

Die Kandidatinnen und Kandidaten werden meist von Donald Trump empfohlen. Da ist etwas im Gange in Amerika – eine gewaltbereite, politische Massenbewegung mit faschistischen Zügen wie einst in Italien und Deutschland.

Der schleichende Umsturz in den USA

Heute werde ich am Kapitol genau an der Stelle stehen, wo mein Kamerakollege Ralf Oberti und ich damals vom wütenden Mob attackiert wurden, wo "Bürger" unsere Ausrüstung im Wert von 30.000 Dollar zerschlugen.

Die Situation in den USA sei deutlich gefährlicher als noch im letzten Jahr, sagt Politologin Cathryn Clüver Ashbrook. Grund dafür sei vor allem auch das Mediengeschehen.

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Wie gesagt, alles kein Vergleich zu dem, was Michael Fanone und vielen anderen widerfuhr, die an jenem Tag die Demokratie verteidigten. Aber ich verspüre eine innere Unruhe, dass alles nur ein Probelauf war.

Und wenn der schleichende Umsturz, von dem Barb Byrum erzählt hat, den Extremisten bei künftigen Wahlen nicht zum Sieg verhilft, wird die Gewalt eskalieren.

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