ZDFheute

"Rassismus tief verankert in Gesellschaft"

Sie sind hier:

Amerikanist zu US-Protesten - "Rassismus tief verankert in Gesellschaft"

Datum:

Polizeigewalt und Rassismus wohnen dem US-amerikanischen System inne. Es muss sich was "Grundsätzliches" ändern, sagt der Amerika-Experte Simon Wendt.

In vielen Städten der USA wird weiter protestiert. Doch während die vergangenen Nächte geprägt waren von Gewalt, scheinen sich nun die Friedlichen auf der Straße durchzusetzen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

ZDFheute: Der Tod von George Floyd sorgt für extreme Unruhen. Droht in den USA ein Bürgerkrieg?

Simon Wendt: Im Augenblick sieht man schon eine neue Qualität. Das sind ja jetzt schon über sechs Tage Unruhen mit Gewalt und da muss man lange zurück schauen bis man ähnliche Gewalt findet. Tatsächlich würde ich es mit Unruhen vergleichen, die in den 1960er Jahren stattgefunden haben. Also hier sieht man wirklich ähnliche Muster und es bleibt abzuwarten, wie jetzt die Politik reagiert.

ZDFheute: Der US-Präsident reagiert bislang mit Aussagen und Tweets, die noch Öl ins Feuer gießen. Inwiefern steht er auch für die sogenannte "White Supremacy"?

Wendt: Trump hat tatsächlich immer wieder angedeutet, dass er diese Idee der "Weißen Vorherrschaft" gutheißt. Jetzt nicht unbedingt aktiv unterstützt, aber gutheißt. Viele dieser rassistischen Gruppen glauben, dass Trump sie populär genug findet, um sie zu unterstützen.

Und insofern hat Trump schon eine große Rolle darin gespielt, dass die Proteste so ausgeartet sind. Denn hier geht es um mehr als den Tod eines Afroamerikaners. Hier geht es um einen Rassismus, der im Alltag ständig passiert und Trump in einer gewissen Weise als Helfer gesehen wird, der diesen Rassismus befeuert.

ZDFheute: Auch unter einem schwarzen Präsidenten gab es Rassismus und Polizeigewalt. Warum ändert sich nichts?

Wendt: Grundsätzlich muss man sich immer vor Augen führen, dass wir immer noch mit dem Erbe der Sklaverei kämpfen. Der Rassismus ist letztendlich immer noch nicht verschwunden. Er sitzt überall und in allen Institutionen - nicht nur in der Polizei und das ist sicherlich das größte Problem.

Die Tatsache, dass ganz gewöhnliche Bürgerinnen und Bürger Rassisten sind und dadurch auch die Institutionen rassistisch agieren, das, denke ich, ist eines der größten Probleme und das erklärt, dass wir immer wieder diese Proteste haben, weil die rassistische Gewalt beziehungsweise Polizeigewalt, die mit Rassismus zusammenhängt, nicht enden werden - es sei denn, etwas Grundsätzliches passiert.

Der Tod von George Floyd hat alte Wunden wieder aufgerissen: Rassismus ist alltäglich. Aber warum ist er gerade innerhalb der Polizei so verankert?

Beitragslänge:
3 min
Datum:

ZDFheute: Rassismus und Polizeigewalt gibt es nicht nur in den USA – aber woran liegt es, dass sie gerade dort so extrem scheint?

Wendt: Es gibt durchaus Strafen, die man verhängen kann, wenn Polizisten sich nicht an die Regeln halten, aber in sehr vielen Polizeistationen wird das leider nicht getan. Das heißt: Diese Polizisten, inklusive der Polizisten, die in Minneapolis schuld an dem Tod dieses Mannes waren, wurden meist nicht für ihre Regelverletzungen angezeigt beziehungsweise haben keine Nachteile davon gehabt.

Es geht darum, dass in vielen Bezirken in den USA, der Rassismus zum Alltag der Polizeiarbeit gehört. Dass Afroamerikaner in der Regel öfter angehalten oder verhaftet werden als Weiße, dass sie härter behandelt werden als Weiße für ähnliche Vergehen und, dass das meistens eine Art von Kultur ist, eine Art von rassistischer Kultur.

Mark Zuckerberg

Umstrittener Post zu Plünderern -
Facebook-Protest gegen Zuckerberg und Trump
 

Protest bei Facebook: Mitarbeiter fordern ihren Chef Mark Zuckerberg auf, gegen Trump-Aussagen vorzugehen, besonders im Fall George Floyd.

von Jenifer Girke
Grafik: Todesopfer durch Polizeigewalt in den USA
Quelle: ZDF

ZDFheute: Liegt es auch an der Justiz, die Polizeigewalt nicht angemessen ahndet?

Wendt: Ein großer Punkt ist die Frage: Ab wann darf man schießen, ab wann darf man tatsächlich einen Verdächtigen oder Gefangenen verletzen oder gar töten? Hier gibt es eine Auslegung in den USA, die den Polizisten sehr viel Freiraum gibt und wenn die Polizisten glaubwürdig oder teilweise auch nicht glaubwürdig versichern, dass sie sich bedroht gefühlt haben, dann dürfen sie fast alles. Das heißt inklusive Leute erschießen oder so misshandeln, dass sie dann später sterben wie das eben in Minneapolis passiert ist.

Und tatsächlich werden die meisten Polizisten freigesprochen, weil viele Jurys nicht unbedingt überzeugt sind, dass die Verdächtigen sich nicht vielleicht doch gewehrt haben.

Das Interview führte Alexandra Hawlin

Social Media habe "Menschen, die bis jetzt keine Rechte hatten", die Möglichkeit geboten, ihre Stimme zu erheben, so US-Medienexperte Jeff Jarvis über die Proteste in den USA.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.