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Was, wenn die US-Truppen weg sind?

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Spangdahlem in der Eifel - Was, wenn die US-Truppen weg sind?

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Unverständnis in der Eifel: Den Truppenabzug aus Spangdahlem versteht hier kaum einer. In der strukturschwachen Gegend hängen viele Jobs an der Airbase - direkt und indirekt.

Die US-Regierung will rund 12.000 Soldaten aus Deutschland abziehen. Besonders betroffen: strukturschwache Regionen wie die Eifel oder die Oberpfalz. Sie fürchten jetzt einen Kahlschlag – in vielerlei Hinsicht.

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Michaela Berrens ist seit frühester Kindheit eigentlich immer von Amerikanern umgeben. Für die in der Eifel aufgewachsene Geschäftsfrau keine Bürde, sondern vielmehr ein Geschenk, wie sie betont. "Als ich als Kind groß geworden bin, habe ich auf der Straße Englisch gelernt von den Nachbarskindern", sagt sie, "und meine Eltern haben Freundschaften gepflegt. Sie sind in die USA gereist und haben sich gegenseitig besucht."

Wir waren finanziell immer abgesichert durch die Amerikaner.
Michaela Berrens

Mit ihrem Mann betreibt Michaela Berrens eine Bäckerei und ein kleines Hotel im Ort Speicher. So heißt auch die Verbandsgemeinde, zu der der Ort Spangdahlem gehört. Ihr Schwiegervater gründete den Betrieb, 60 Jahre ist das jetzt her. Fast vom ersten Tag an konnten sich die Berrens auf Aufträge der Airbase verlassen - große Aufträge. Brot, Unmengen an Hamburger-Brötchen, Kuchen. Verlässlicher Umsatz, der auch zukünftig eingeplant war. Bis jetzt.

Die Pläne der US-Regierung, Truppen abzuziehen, sind ein Schock für die betroffenen Orte. In der Oberpfalz beispielsweise hängen viele Jobs an den dort stationierten Soldaten.

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Bürgerinitiative gegen Lärm ist hin- und hergerissen

Günther Schneiders Blick geht zum Himmel. Der Rentner steht in seinem Garten, beinahe sein ganzes Leben lang hat der gelernte Schlosser in unmittelbarer Nähe zur Start- und Landebahn gewohnt. Wie vor ihm sein Vater und sein Großvater und sein Urgroßvater.

Fast täglich knallen bei Familie Schneider die Jets über das Grundstück, der Lärm ist kaum beschreibbar, infernalisch kommt dem noch am nächsten. Für Günther Schneider, der lange in der Bürgerinitiative aktiv war, die sich kritisch mit dem Stützpunkt auseinandergesetzt hat, würde der Abzug vor allem eines bedeuten: mehr Ruhe. Dennoch verspürt er nicht nur Genugtuung: "Ich bin eigentlich hin- und hergerissen", sagt er.

Ich muss einerseits an die Leute denken, die unter Umständen ihre Arbeit verlieren. Andererseits bin ich eigentlich froh darüber, dass uns nicht ständig die Tassen vom Tisch runtergerüttelt werden durch den extremen Lärm.
Günther Schneider

Bürgermeister ratlos: USA investierten Milliarden in Airbase

Für Verbandsbürgermeister Manfred Rodens ist der angekündigte Truppenabzug rein faktisch betrachtet unverständlich. Der CDU-Mann listet die Investitionen auf, die in jüngster Zeit hier vom US-Militär getätigt wurden - etwa eine Milliarde Euro in den letzten zehn Jahren.

"Das sind enorme Investitionen und die Airbase Spangdahlem ist damit die bestausgerüstete Airbase der Welt. Das darf man einfach so sagen, das ist auch in den USA bekannt", sagt Rodens.

Schulen, Sportplätze, eine riesige Sporthalle, Ausbau der Start- und Landebahn, sogar Investitionen in den Umweltschutz habe es gegeben, betont Rodens. Das alles aufgeben? Daran will der Kommunalpolitiker einfach nicht glauben.

Die SPD ist verärgert über den geplanten US-Truppenabzug. Fraktionschef Mützenich fordert, die Rüstungskooperation auf den Prüfstand zu stellen. Aus der Union kommt Kritik.

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Unverständnis seitens der Politik

Auch die Landespolitik ist brüskiert. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) hält den Truppenabzug aus Deutschland grundsätzlich für falsch. "Deutschland und insbesondere Rheinland-Pfalz haben sich mit ihren Stationierungssstandorten stets als verlässliche Partner erwiesen", sagt Lewentz.

"An allen rheinland-pfälzischen Standorten der US-Streitkräfte und mit allen Beteiligten von Army und Air Force galt jeher das Prinzip der guten Nachbarschaft und des Miteinanders auf Augenhöhe mit einer Vielzahl gewachsener persönlicher Freundschaften", so der rheinland-pfälzische Minister.

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Zeitplan steht noch nicht fest

Trotzdem: Zumindest die Verlegung des 52. Jagdgeschwaders von Spangdahlem ins italienische Aviano - gut 20 F-16-Kampfflugzeuge samt Besatzungen, Mechanikern und allem weiteren Personal - scheint beschlossene Sache zu sein. Lediglich der Zeitpunkt müsse noch festgelegt werden, sagt Vier-Sterne-General Tod Walters, Kommandeur der US-Streitkräfte in Europa.

Bäckerei- und Hotelinhaberin Michaela Berrens bleibt dennoch optimistisch: "Ich hoffe, dass es nicht zu einem großen Abzug kommt, vielleicht nur zu einem Teilabzug und dass sich dann vielleicht andere Türen auftun." So denken viele in Spangdahlem und Umgebung. Und hoffen gleichzeitig, dass der amerikanische Kongress Trumps umstrittene Truppenabzugspläne doch noch in letzter Sekunde stoppt.

In der Nacht zu Samstag gab die Airforce bekannt, dass der US-Luftwaffenstützpunkt erhalten bleiben soll. "Derzeit gibt es keine Pläne, Spangdahlem zu schließen", teilte der Oberst der US-Luftwaffe und Kommodore des 52. Jagdgeschwaders, David Epperson, in Spangdahlem mit. Zahlen, wie viele Soldaten bleiben, nannte er keine.

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