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Studie des VdK : Pflegende Angehörige extrem belastet

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Mehr als ein Drittel der Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen, fühlen sich extrem belastet. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom VdK durchgeführte Studie unter 56.000 Pflegenden.

Eine Pflegekraft hät einer älteren Dame die Hand
Die meisten Pflegebedürftigen werden durch Angehörige zu Hause gepflegt. Symbolbild.
Quelle: dpa

Mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Über 80 Prozent von ihnen werden zu Hause von Angehörigen versorgt. Laut einer Studie des Sozialverbandes VdK sind mehr als ein Drittel der pflegenden Angehörigen mit ihrer Situation überlastet. Das ergab eine Online-Befragung unter 56.000 Menschen.

Pflege von Angehörigen ein "Full-time-Job"

Wie anstrengend die häusliche Pflege von Angehörigen ist, weiß Celina Reznak. Sie ist 24 Jahre alt, Mutter von zwei kleinen Kindern und kümmert sich seit 2018 um ihre pflegebedürftigen Großeltern. "Ein Full-time-Job", sagt die junge Mutter:

Ich bin jeden Tag bei meinen Großeltern, manchmal auch vier- bis fünfmal, je nachdem.
Celina Reznak, pflegende Angehörige

Celina fährt morgens als erstes zu ihren Großeltern, hilft beim Umziehen, Toilettengang und Frühstück zubereiten. Dazwischen muss sie noch ihre Kinder versorgen und in die Kita bringen.

Nur wenige Angehörige nutzen ambulante Pflegedienste

Ihre Großeltern sitzen beide im Rollstuhl und haben Pflegestufen fünf und drei. Sie geben Celina ihr komplettes Pflegegeld von insgesamt 1.446 Euro.

Wer sich zuhause um pflegebedürftige Angehörige kümmert, durfte in der Pandemie kaum auf finanzielle Hilfen hoffen. Jetzt fordert ein Verband Unterstützung für die häusliche Pflege.

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Davon gehen aber zukünftig rund 400 Euro an einen ambulanten Pflegedienst. Denn seit kurzem kommen zwei professionelle Pflegekräfte, um Celinas Opa einmal pro Woche zu baden.

Nur rund 38 Prozent aller Angehörigen nehmen einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch, so ein Ergebnis der Studie. Der Wunsch nach mehr Entlastung durch externe Dienstleister ist aber bei über 70 Prozent vorhanden.

Zusätzliche Pflegeleistungen schwer zu finanzieren

Aber warum nehmen dann so wenige Unterstützung in Anspruch? Der Hauptgrund sei die hohe private Zuzahlung, so die VdK-Studie. Die hohen Kosten haben bislang auch Celinas Oma Kerstin Müller abgehalten, Hilfe von außen zu beziehen:

Die Leistung [ambulanter Pflegedienste] steht in keinem Verhältnis zu den Kosten.
Kerstin Müller, Pflegebedürftige

"Da kommt dann einer morgens für eine halbe Stunde und dann ist so viel Geld weg. Da gebe ich das lieber den Angehörigen," so Kerstin Müller weiter.

Die fünfjährige Milla ist schwerstbehindert und muss ständig betreut werden. Ihre Familie benötigt ganz spezielle Unterstützung in der Pflege.

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Pflegende Angehörige oft selbst nicht mehr fit

Doch ihren über 90 Kilo schweren Opa alleine zu heben und zu baden, das "habe ich einfach körperlich nicht mehr geschafft", sagt die 24-Jährige.

Laut VdK seien viele pflegende Angehörige körperlich selbst nicht mehr fit: 63 Prozent haben täglich körperliche Beschwerden und 59 Prozent geben an, wegen der Pflege die eigene Gesundheit zu vernachlässigen. Auch Celina räumt ein, sie gehe "auch erkältet mit Fieber und Schmerzen zu den Großeltern, denn ich kann sie ja nicht alleine lassen".

Komplizierte Antragsverfahren, fehlende Kurzzeitplätze

Weitere Gründe, warum die professionellen Pflegeleistungen nicht genutzt werden, seien fehlende Angebote sowie ein zu kompliziertes Antragsverfahren, so die Studie. Beides kann Oma Müller bestätigen, denn sie kümmert sich um die Organisation der Pflege.

Alleingelassen und überfordert: Knapp eine halbe Million Kinder und Jugendliche in Deutschland pflegen ihre nächsten Angehörigen zu Hause.

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Letztes Jahr musste Müller für eine Woche ins Krankenhaus und konnte ihren Mann nicht alleine lassen. Sie habe verzweifelt versucht, einen Kurzzeitpflegeplatz zu finden, sagt Müller: "Ich habe tagelang rumtelefoniert und in einem immer größeren Umkreis gesucht, aber es war nichts frei."

Letzendlich musste sich ihre Tochter eine Woche Urlaub nehmen, um die Pflege und Betreuung zu übernehmen.

Bentele: "Gehen einer düsteren Pflegezukunft entgegen"

VdK-Präsidentin Verena Bentele sieht die Studienergebnisse kritisch:

Wird dieser Kurs fortgesetzt, gehen wir einer düsteren Pflegezukunft entgegen! Es rächt sich, dass sie jahrelang ein Stiefkind der Politik war und sträflich missachtet wurde.
Verena Bentele, Präsidentin Sozialverband VdK

Trotz aller Schwierigkeiten, die eine Pflegesituation mit sich bringt, ist es für 79 Prozent der Pflegenden "selbstverständlich" ihre Nächsten zu pflegen. Jeder Zweite gab an, dass die Beziehung von großer Nähe und Liebe geprägt sei. So empfindet es auch Celina:

Meine Großeltern waren immer für mich da, als ich klein war, haben mich überall hingefahren und sich gekümmert. Sie haben mir die Unterstützung gegeben, die ich gebraucht habe und jetzt bekommen sie die Unterstützung von mir, die sie brauchen.
Celina Reznak, pflegende Angehörige
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