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Venezuelas blutiges Gold

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Illegale Minen - Venezuelas blutiges Gold

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Viele arme Venezolaner schürfen Gold in illegalen Minen, weil sie keine Wahl haben. Und sind dort der Gewalt und Willkür von Banden ausgesetzt. Menschenrechtler schlagen Alarm.

Goldsucher in Las Cristinas, Venezuela
Goldsucher in Las Cristinas, Venezuela
Quelle: reuters

In der Corona-Krise schießt der Goldpreis auf Rekordhöhen. Ein Teil des derzeit auf den Märkten gehandelten Edelmetalls stammt offenbar aus den illegalen Minen in Venezuela. "Für Goldkäufer und Verarbeiter ist es wichtig sicherzustellen, dass venezolanisches Gold in ihren Lieferketten nicht mit dem Blut venezolanischer Opfer befleckt wird", fordert Jose Miguel Vivanco, Amerika-Direktor von Human Rights Watch.

Bewaffnete Banden kontrollieren Goldminen

Denn nach Erkenntnissen der Menschenrechtsorganisation sind es vor allem arme Venezolaner, die während der Wirtschaftskrise in den illegalen Goldminen, die von bewaffneten Gruppen kontrolliert werden, zu Opfern makaberer Verbrechen werden.

"Der venezolanische Mindestlohn reicht für überhaupt nichts. Deswegen arbeiten die Leute in der Mine, trotz aller Risiken, die das mit sich bringt", sagt der Indigene Jesús Márquez. "Das Gold verkaufen sie dann in Santa Elena und kaufen sich davon Lebensmittel", berichtet der 28-Jährige über den illegalen Goldhandel an der venezolanisch-brasilianischen Grenze.

Und vorher halten viele die Hände auf: Militärs der venezolanischen Armee, die Guerillakommandanten, sie alle fordern von den bettelarmen Arbeitern eine Art Schutzgeld ein, damit diese in den illegalen Minen arbeiten dürfen. Offenbar mit Duldung der Regierung in Caracas, der sie ideologisch nahestehen.

Venezuela setzt auf Gold und Diamanten

Das südamerikanische Land wird seit Jahren von einer Versorgungskrise und innenpolitischen Konflikten heimgesucht, die zur größten Flüchtlingsbewegung in Lateinamerika im laufenden Jahrhundert führte.

Venezuela, das ölreichste Land der Welt, versäumte es in den Zeiten hoher Ölpreise und Milliardeneinnahmen, in alternative Branchen zu investieren und seine Wirtschaft breiter aufzustellen. Mit dem Fall des Ölpreises ist auch das Wirtschaftsmodell, das nahezu ganz auf die Förderung fossiler Brennstoffe setzt, nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes eigentlich nicht mehr haltbar.

Vor vier Jahren gab die Regierung des sozialistischen Präsidenten Nicolas Maduro den Startschuss für die erweiterte Ausbeutung Bergbau-Region Orinoco "AMO“. Die an Gold, Diamanten und anderen Rohstoffen reiche Region ist wegen ihrer vielen Flüsse ökologisch wertvoll, doch nun ist sie durch den Quecksilbereinsatz in den illegalen Minen verseucht. Vor allem die indigene Bevölkerung leidet unter der Vergiftung. Die Jagd auf die dort vermuteten Reserven von 7.000 Tonnen Gold ist nicht aufzuhalten.

Berichte über Folter von Minenarbeitern

Jüngst berichten die Vereinten Nationen und Nicht-Regierungsorganisationen über Folter und Mord, verübt von einer Allianz ins Land eingewanderter kolumbianischer Guerillagruppen und den offiziellen Sicherheitskräften. Zeugen, die darüber berichten, seien in Lebensgefahr.

UN-Menschenrechtskommissarin Michele Bachelet forderte die Regierung auf, "ihrer Verpflichtung nachzukommen, etwaige Foltervorwürfe zu untersuchen“. Es gibt Berichte über Dutzende tote Bergarbeiter und Verstümmelungen von Menschen, die sich den lokalen Banden in den Weg stellten. Angesichts der Prognosen anhaltend hoher Goldpreise ist nicht zu erwarten, dass dem blutigen Geschäft mit Gold in Venezuela in absehbarer Zeit Einhalt geboten wird.

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