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Guaidós Lebenszeichen

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Aufruf zu Protesten in Venezuala - Guaidós Lebenszeichen

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Im krisengeschüttelten Venezuela will Oppositionschef Guaidó noch einmal die Massen mobilisieren. Dabei haben viele das Land bereits verlassen. Für ihn steht viel auf dem Spiel.

Der venezuelanische Oppositionsführer Juan Guaido spircht am 09.03.2020 in Caracas (Venezuela)
Juan Guaido in Caracas (Venezuela)
Quelle: Reuters

Wie immer, wenn Venezuelas bürgerlich-konservative Opposition zu Protestmärschen aufruft, werden Route und Zeitpunkt erst spät bekanntgegeben. "Wir wissen, was passieren kann. Sie können die Strecke blockieren, besonders in der Avenida Libertador auf Höhe von Cantv", ließ Parlamentspräsident Juan Guaidó (36) wissen.

Es wäre nicht das erste Mal, dass plötzlich die U-Bahn nicht mehr dort hält, wo sich die Opposition versammeln will oder die Zugangswege versperrt sind.

Opposition und Regierungslager rufen zu Protesten auf

Auch das Regierungslager bündelt seine Kräfte. Diosdado Cabello, sozialistischer Präsident der verfassungsgebenden Versammlung, rief zur "Mutter aller Märsche" auf.

Am Dienstagmorgen (Ortszeit) will die Opposition einen neuen Anlauf unternehmen. In der Hauptstadt Caracas und in vielen anderen Städten sollen die Menschen auf die Straßen strömen und der ins Stocken geratenden Bewegung neuen Schwung verleihen.

Nach einem Jahr hat Guaidó nicht viel verändert

Vor über einem Jahr schaute die Welt noch nach Venezuela, als sich Guaidó zum Interimspräsidenten ausrufen ließ. Grund war die höchst umstrittene Wiederwahl des sozialistischen Machthabers Nicolas Maduro, der zuvor dafür gesorgt hatte, dass beim Urnengang 2018 alle aussichtsreichen Rivalen erst gar nicht antreten durften, weil im Exil, unter Hausarrest oder mit einem Berufsverbot ausgestattet. 

In den ersten Monaten setzte Guaidó das Maduro-Lager enorm unter Druck und brachte Hunderttausende auf die Straße. Guaidós erklärtes Ziel war es Neuwahlen unter unabhängiger internationaler Beobachtung auszurufen. Doch gut 14 Monate später hat sich an der Ausgangslage nicht viel geändert.

Guaidó ist im eigenen Land praktisch machtlos, während China und Russland die sozialistische Regierung des ölreichsten Landes der Welt weiter stützen.

Maduro rüstet auf - trotz wirtschaftlicher Not

Für Guaidó steht deshalb viel auf dem Spiel. Der heutige Dienstag wird die Frage beantworten, ob sich die von einer schweren Wirtschaftskrise und staatlicher Gewalt gebeutelten Venezolaner überhaupt noch motivieren lassen, auf die Straße zu gehen.

Seit sechs Jahren gibt es Massendemonstrationen, doch die Lage für die Opposition hat sich stets verschlimmert. Nach einem klaren Wahlsieg der Opposition bei den Parlamentswahlen 2015 entmachtete Maduro auch noch die Nationalversammlung.

Und während das Regime die internationalen Sanktionen für das wirtschaftliche Leid der Venezolaner verantwortlichen macht, ist offenbar genug Geld da um die Aufrüstung der regierungsnahen Milizen und des Militärs zu finanzieren. Das selbst erklärte Ziel Maduros ist der Aufbau einer vier Millionen starken, bewaffneten Miliz zur Verteidigung der Revolution.

Die Venezolaner ergreifen die Flucht

Die UN und Menschenrechtsorganisationen veröffentlichten in den letzten Jahren erschütternde Berichte über Folter und außergerichtliche Hinrichtungen durch das Maduro-Regime, trotzdem blieb der Präsident im Amt.

Inzwischen haben sich die Venezolaner ohnehin für einen anderen Weg entschieden, gegen die Maduro-Regierung zu demonstrieren. Mehr als fünf Millionen Venezolaner haben ihre Heimat bereits verlassen.

Bis zum Jahresende könnten es bis zu sechs Millionen Menschen werden. Der im Land verbliebene Rest ist bei einem Monatslohn von umgerechnet vier Dollar damit vollauf beschäftigt, das eigene Überleben zu sichern. Für zeitraubende und anstrengende Demonstrationen bleibt da kaum noch Zeit und Kraft.

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