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Russische und ukrainische Zahlen : Welche Verlust-Meldungen sind glaubwürdig?

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Wie viele Soldaten Russlands und der Ukraine sind bislang gestorben? Wie viel Militärgerät wurde zerstört? Welche Quellen es dafür gibt und wie sie auf ihre Zahlen kommen.

Ukraine, Brovary: Ein zerstörter russischer Panzer
Brovary, Ukraine: Ein zerstörter russischer Radpanzer (Archivbild)
Quelle: ap

Tausende Menschen sind in den ersten drei Wochen des Ukraine-Kriegs bereits gestorben, Soldaten beider Seiten und Zivilisten. Zahlen über die Verluste an Mensch und Militärgerät werden von verschiedenen Stellen herausgeben. Mit teils erheblichen Differenzen. Welchen davon kann man trauen?

Die offiziellen Zahlen des ukrainischen Militärs

Jeden Tag veröffentlichen die ukrainischen Streitkräfte in den sozialen Medien ihre Zählung der bisherigen russischen Verluste. Bisher verlor Russland geschätzt 14.400 Soldaten, 466 Panzer, 95 Flugzeuge und andere Ausrüstung.

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Die jeweils neuen Zahlen entsprechen nicht zwingend dem echten Kriegsgeschehen der letzten 24 Stunden. Zwischen 10. und 16. März etwa blieb die Zahl der mutmaßlich getöteten Soldaten konstant bei 12.000. Das Sammeln exakter Zahlen sei schwierig und "nicht von erster Priorität", so die stellvertretende ukrainische Verteidigungsministerin Hanna Malyar. Die gesamten russischen Invasionskräfte werden auf etwa 180.000 Soldaten geschätzt.

Mehr als 200 belarussiche Oppositionelle haben sich auf ukrainischer Seite der ukrainischen Armee angeschlossen. Denn es geht ihnen bei dem Krieg in der Ukraine auch um ihre eigene Freiheit – und um die ihres Heimatlandes.

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Vorsicht bei spektakulären Erfolgsmeldungen aus der Ukraine

Teils stellten sich auch von ukrainischer Seite verbreitete militärische Erfolge nachträglich als zweifelhaft heraus. Für zwei IL-76-Transportflugzeuge, die während des ersten russischen Vorstoßes auf Kiew abgeschossen worden sein sollen, fehlt bis heute ein Beweis. Das am 7. März vor Odessa angeblich beschädigte russische Patrouillenboot "Vasily Bykov" lief Tage später unbeschadet im Hafen von Sewastopol ein.

In beiden Fällen hatten die ursprünglichen Erfolgsmeldungen über die sozialen Medien große Verbreitung gefunden und Euphorie ausgelöst. Die Ukraine ist auf solche Nachrichten angewiesen, um die Moral hoch zu halten und internationale Aufmerksamkeit zu generieren. Mögliche Erklärungen gibt es viele: Dass vereinzelt gezielt erfundene Informationen in Umlauf gebracht werden, oder dass etwa Stellen in Kiew im Chaos des Krieges unverifizierte und lückenhafte Meldungen aus anderen Landesteilen falsch interpretieren.

Die offiziellen Zahlen der russischen Regierung

Auf russischer Seite ist General Igor Konaschenkow eines der Gesichter des Krieges. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums steht mehrfach täglich vor einer riesigen Ukraine-Karte und verkündet neue Erfolge. Über Facebook stellt das Ministerium englische Zusammenfassungen bereit.

Am Samstag wurde dort etwa die Zerstörung von 1.438 ukrainischen Panzern und gepanzerten Fahrzeugen und 196 Drohnen seit Kriegsbeginn vermeldet. Beobachter sehen diese Zahlen kritisch:

Ich vertraue keinen Zahlen des russischen Verteidigungsministeriums, außer wenn ich sie selbst verifizieren kann - und das ist nicht immer möglich.
Rob Lee, Militärexperte am King's College London zu ZDFheute

Nur ein einziges Mal hat die russische Regierung eine Zahl zu eigenen Verlusten in der Ukraine genannt: Am 2. März sprach das Verteidigungsministerium von 498 getöteten und 1.597 verwundeten russischen Soldaten. Seitdem schweigt Moskau zu den eigenen Verlusten - auch das ein Hinweis auf einen desaströsen Verlauf des Krieges.

Die russische Regierung verbreitet nachweislich Unwahrheiten über Kriegsgründe, das eigene militärische Vorgehen und die massiven zivilen Opfer. Jede Angabe des Kremls zu gegnerischen und eigenen Verlusten wie zu anderen Aspekten des Krieges sollte kritisch hinterfragt werden.

Diese Beweise für russische Kriegsverbrechen gegen Zivilisten in der Ukraine gibt es bislang.

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Die Zahlen der Vereinigten Staaten

Auch das US-Verteidigungsministerium veröffentlicht an jedem Wochentag seine Einschätzung der militärischen Verluste, mal beider Seiten, mal nur der russischen. Zudem wechselt das Pentagon zwischen dem Nennen absoluter Zahlen - am Donnerstag ging man von 7.000 getöteten und 14.000 bis 21.000 verwundeten russischen Soldaten aus - und einer abstrakteren Größe: der verbliebenen Kampfstärke beider Seiten. Darin können ganz verschiedene Faktoren einfließen. Seit mehreren Tagen heißt es konstant, beiden Seiten verblieben rund 90 Prozent ihrer Kampfstärke.

Woher die Zahlen stammen? Keine Angabe. Vermutlich ist es eine Mischung aus verschiedenen Quellen, etwa den Nato-Überwachungsflügen über Osteuropa, in Russland gewonnenen Geheimdienst-Informationen und dem stetigen Informationsaustausch mit ukrainischen Stellen. Dabei gehören die US-Angaben zu den eher konservativen Einschätzungen.

"US-Beamte sagen, dass sie niedriges Vertrauen in die von ihnen freigegebenen Schätzungen haben. Damit müssen wir einfach leben", schreibt Dan Lamothe, Pentagon-Korrespondent der "Washington Post", der bei den Hintergrund-Briefings dabei ist.

Die Zahlen des Freiwilligenprojekts Oryx

Die Verlustmeldungen mit der größten Transparenz erscheinen auf dem Militär-Blog Oryx, der von Freiwilligen betrieben wird. Die teils anonymen Rechercheure kommen aus mehreren Ländern und sammeln seit Jahren Verlustmeldungen aus unterschiedlichsten bewaffneten Konflikten. Ihr Fokus liegt dabei ausschließlich auf Fahrzeugen und schwerem Gerät.

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Die Besonderheit: Zu jedem einzelnen Verlust muss ein Bild- oder Videobeweis vorliegen. Der wird zusammen mit einer Datumsangabe und einer Einstufung, ob das Gerät zerstört, beschädigt oder von der Gegenseite erbeutet wurde, online zur Verfügung gestellt.

Inzwischen umfasst die Liste mehr als 1.553 Einträge für die russische und 388 für die ukrainische Seite. Täglich kommen Dutzende Meldungen hinzu. Je länger der Krieg andauert, desto aufwändiger wird das. Es gebe einen großen Rückstau an Meldungen.

Neue Verluste müssen mit denen abgeglichen werden, die bereits in der Liste sind. Das kostet viel Zeit.
Die Oryx-Autoren auf Twitter

Ihre Sympathien für die ukrainische Seite verbergen die Autoren nicht und räumen ein, dass die von ihnen erfassten ukrainischen Verluste sicherlich zu niedrig sind. Das hängt auch damit zusammen, dass die ukrainische Bevölkerung weitgehend die Anweisung ihrer Regierung befolgt, keine eigenen militärischen Stellungen zu filmen.

Ein weiterer Vorteil des Oryx-Teams: Über Twitter diskutieren sie mit anderen Interessierten über Funde, Methoden und mögliche Fehler.

Fazit

Exakte und absolut zuverlässige Daten kann aktuell keine Quelle liefern. Alle Seiten arbeiten mit Schätzungen oder vorläufigen Zahlen, von denen einige jedoch glaubwürdiger sind als andere. Eine Tendenz für den Kriegsverlauf lässt sich durchaus ableiten. Aber: Die Verluste allein sind auch nur ein Teil des Puzzles, wer diesen Krieg für sich entscheiden wird.

Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog:

zerstörte Häuser in Folge des Krieges in der Ukraine.

Russland greift die Ukraine an - Aktuelles zum Krieg in der Ukraine 

Russlands Angriff auf die Ukraine dauert an. Es gibt Sanktionen gegen Moskau, Waffen für Kiew. Aktuelle News und Hintergründe zum Krieg im Blog.

Aktuelle Nachrichten zur Ukraine

Verletzte schwangere Frau in Mariupol, Ukraine

Kriegsverbrechen in der Ukraine - Putins Krieg gegen die Zivilbevölkerung  

Zerstörte Krankenhäuser, bombardierte Wohngebiete, der Einsatz von geächteten Waffen. Es gibt deutliche Belege für Kriegsverbrechen der russischen Streitkräfte in der Ukraine.

von Joachim Bartz, Nathan Niedermeier, Ulrich Stoll
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