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"Dem Treiben der Stasi ein Ende gesetzt"

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Stasi-Zentrale 1990 erstürmt - "Dem Treiben der Stasi ein Ende gesetzt"

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Vor 30 Jahren besetzten Bürger die Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg und verhinderten, dass weitere Akten vernichtet wurden. Die Erstürmung setzte weltweit Zeichen.

Vor genau 30 Jahren, am 15. Januar 1990, drangen tausende Bürger in die Berliner Stasi-Zentrale ein, in der Hoffnung, ihre Akten sichten zu können. Die Stasi-Aufarbeitung ist auch heute noch lange nicht beendet.

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Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, bewertet die Erstürmung der Stasi-Zentrale vor 30 Jahren als wichtigen geschichtlichen Wendepunkt und Ereignis von Weltrang. "Erstmalig in der Welt wurden die Dienststellen einer Geheimpolizei von den Bürgerinnen und Bürgern besetzt, die Akten gesichert und der Gesellschaft später zugänglich gemacht. Das ist zum Vorbild geworden. Wir haben hier weltweit ein Zeichen gesetzt", sagte der 66-Jährige der Oldenburger "Nordwest-Zeitung".

"Das war ein wichtiges Signal"

Der frühere DDR-Bürgerrechtler war damals, am 15. Januar 1990, als Journalist dabei. "Es war eine ganz besondere Stimmung", schilderte er seine Erinnerungen. "Es herrschte eine große Euphorie, aber auch eine gewisse Beklemmung, ein mulmiges Gefühl, auf dieses Gelände vorzudringen."

Dem Treiben der Stasi wurde ein Ende gesetzt.
Roland Jahn, Bundesbeauftragter für Stasi-Unterlagen

Es sei ein historisches Ereignis, dass sich Bürger die Freiheit nahmen, sich auf das Gelände zu wagen, von wo aus die Unterdrückung der Bevölkerung und der Opposition in der DDR organisiert wurde. "Das war ein wichtiges Signal, dass sich die Zeiten endgültig verändert hatten. Dem Treiben der Stasi wurde ein Ende gesetzt. Schild und Schwert der Partei wurden zerbrochen."

520 von 16.000 Säcken zerrissener Papiere erschlossen

DDR-Bürger verhinderten damals, dass die Stasi weitere Akten vernichtet. "Es sind insgesamt 111 Kilometer Akten aufgefunden worden", sagte Jahn. "Die sind alle nun im Archiv." Zudem sei man weiter dabei, etwa 16.000 Säcke mit zerrissenen Stasi-Papieren zu rekonstruieren, hatte Jahn schon Anfang Januar gesagt. Von denen seien aber bislang lediglich 520 erschlossen.

Archiv: Das Foto zeigt das verwüstete ehemalige Amt für nationale Sicherheit der DDR im Stadtteil Lichtenberg im Osten von Berlin, aufgenommen am 15.01.1990
Das verwüstete ehemalige Amt für nationale Sicherheit der DDR in Berlin-Lichtenberg.
Quelle: dpa

Am 30. Jahrestag des Ereignisses an diesen Mittwoch trifft Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Vormittag in der einstigen Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg frühere DDR-Bürgerrechtler. Mit dem Besuch soll an den historischen Tag erinnert und der Wert der Akten heute beleuchtet werden. Auf dem Programm steht auch eine Diskussion über Anpassung und Widerstand in einer Diktatur.

Mit Steinmeier werden unter anderen der Schauspieler Andreas Schmidt-Schaller, die Autorin Angela Marquardt sowie ein Zeitzeuge diskutieren. Auch Schüler werden zu der Veranstaltung erwartet.

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