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Welche Vorteile sehen die Briten im Brexit?

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EU-Austritt Großbritanniens - Welche Vorteile sehen die Briten im Brexit?

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Großbritannien verlässt die Europäische Union. Für Brexit-Befürworter ist das ein großer Erfolg. Wie sich der Brexit positiv auswirken könnte: die Argumente der Brexiteers.

Befürworter des Brexit halten Plakate hoch vor dem britischen Parlament in London (Großbritannien), aufgenommen am 20.12.2019
Brexit-Befürworter sehen einige Vorteile im EU-Austritt Großbritanniens.
Quelle: dpa

Nach langen Debatten auf EU-Ebene und im britischen Unterhaus, einer ganzen Reihe von Abstimmungen und vorgezogenen Neuwahlen steht nun - mit knapp zehn Monaten Verspätung - der Brexit an. In der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar tritt der Vertrag in Kraft und Großbritannien ist kein EU-Mitgliedsstaat mehr. Was sich ändert, was mögliche negative Auswirkungen sind, darüber wird viel diskutiert. Doch welche Vorteile sehen die Brexit-Befürworter unter den Briten im EU-Austritt? Von Finanzen über Sicherheit bis hin zur Wirtschaft: ein Überblick über die Brexit-Vorteile aus Sicht der Leave-Wähler.

Mitgliedsbeitrag

Die Briten zahlen bisher - wie auch alle anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union - in das EU-Budget ein. Aus Papieren der britischen Regierung geht hervor, dass sich die Beiträge Großbritanniens in das EU-Budget, nach Abzug von finanzieller Förderung seitens der EU aus dem selben Budget, von 2014 bis 2018 durchschnittlich auf 7,7 Milliarden Pfund (9,1 Milliarden Euro) belaufen haben.

Bis zum Ende der Übergangsphase am 31. Dezember 2020 muss Großbritannien weiterhin in das EU-Budget einzahlen. Dazu wird es nach dem Brexit noch abschließende Zahlungen - das sogenannte "financial settlement" - geben. Danach fällt diese finanzielle Verpflichtung für Großbritannien weg. Brexit-Befürworter erhoffen sich, dass die Gelder nach dem Brexit anders verteilt werden können, so zum Beispiel in das britische Gesundheitssystem.

Der Euro

Großbritannien hat im Gegensatz zur Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten den Euro nicht als Währung eingeführt. In der gemeinsamen Währung sehen viele Euroskeptiker eine Quelle für finanzielle Probleme innerhalb der EU, die auch Großbritannien als Nicht-Euro-Land Milliarden kosten. Nach der Wirtschaftskrise von 2008 waren auch viele Euro-Länder betroffen. Die EU vereinbarte Rettungsschirme, die zum Teil aus EU-Mitteln finanziert wurden, so dass auch britische Gelder indirekt einflossen. An der Finanzhilfe für Irland beteiligte sich Großbritannien auch direkt. Nach dem Brexit wird Großbritannien nicht mehr an Finanzhilfen für die Euro-Länder beteiligt sein - weder direkt noch indirekt.

Handel

Als EU-Mitglied war Großbritannien bisher an die Handelsabkommen der EU und an die Gesetze des Binnenmarktes gebunden. Nach dem Brexit steht es Großbritannien frei, Handelsabkommen mit anderen Ländern oder Regionen zu schließen und dazu seine eigenen Gesetze und Regeln einzubringen. Brexit-Befürworter erhoffen sich davon einen Aufwärtsschub für die britische Wirtschaft.

Prominente Brexit-Befürworter wie Nigel Farage (Brexit-Partei) und Premierminister Boris Johnson (Konservative) haben bereits im Vorfeld des Brexit von möglichen zukünftigen Handelsbeziehungen mit der EU gesprochen. Demnach könne man einen Vertrag nach dem Vorbild der EU-Handelsbeziehungen mit der Schweiz oder Kanada einführen. Verhandlungen über ein solches Abkommen sollen in der Übergangsphase bis zum 31. Dezember 2020 geführt werden.

Innenpolitik

Ein großes Thema für die Leave-Kampagne war stets die Unabhängigkeit von den Regeln und Pflichten der EU, auch für die Innenpolitik Großbritanniens. Als EU-Mitglied war Großbritannien dazu verpflichtet, Gesetze umzusetzen, die auf EU-Ebene beschlossen wurden. Brexit-Befürworter sahen darin eine Einschränkung der Unabhängigkeit und der Demokratie: Sie plädierten dafür, dass die britische Regierung selbst entscheiden kann, was in Großbritannien zum Gesetz wird. Wenn die britische Bevölkerung damit unzufrieden sei, könne sie das in Wahlen zum Ausdruck bringen. Diese Möglichkeit sahen die Leave-Befürworter als EU-Mitglied nicht.

Migration

Bedingt durch das EU-Recht konnten Bürger aus EU-Mitgliedsstaaten ohne spezielle Aufenthaltsgenehmigung in Großbritannien leben, arbeiten oder auch studieren. Rund sechs Millionen Menschen aus anderen EU-Mitgliedsstaaten lebten Ende 2018 in Großbritannien. Nach Angaben der britischen Regierung ist die Zuwanderung von 1991 bis 2018 um 83 Prozent gestiegen. Die Regierung setzte sich daraufhin das Ziel, die Migrationszahlen auf unter 100.000 Menschen pro Jahr zu reduzieren.

Nach dem Brexit müssen EU-Bürger nun Anträge stellen, um in Großbritannien leben, arbeiten oder studieren zu dürfen. So könnten die Behörden Migration mehr kontrollieren. Hinzu kommt, dass die Zahlen bereits in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind, denn der anstehende Brexit ist für viele EU-Bürger ein Argument, ihren Lebensmittelpunkt nicht nach Großbritannien zu verlegen.

Arbeitsmarkt

Im Referendum 2016 war für viele Leave-Wähler der Arbeitsmarkt ein wichtiges Argument. Sie fürchteten, dass Menschen aus anderen EU-Staaten den britischen Bürgern wichtige Jobs wegnehmen könnten. Wenn der Brexit tatsächlich dazu führen sollte, dass weniger EU-Bürger nach Großbritannien kommen, dann würde es wohl auch weniger Wettbewerb um Jobs im Königreich geben. Auf der anderen Seite könnte es aber auch weniger Jobs geben, falls zum Beispiel europäische Firmen ihre Standorte in Großbritannien nach dem Brexit verkleinern oder sogar schließen.

Sicherheit

Die Briten erhoffen sich vom Brexit, ihre Außengrenzen besser schützen zu können. Durch die Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union sei es unmöglich gewesen, die Menschen an der Grenze zu kontrollieren, so das Argument vieler Leave-Politiker. Großbritannien hatte jedoch nie das Schengen-Abkommen unterschrieben, so dass an den Grenzen auch für EU-Bürger Passkontrollen stattfanden.

Remain-Befürworter hielten dagegen, dass Großbritannien bei Fragen internationaler Sicherheit die EU brauche. Doch auch nach dem Brexit wird Großbritannien weiterhin Mitglied in internationalen Bündnissen bleiben, so zum Beispiel in der Nato und bei den Vereinten Nationen.

Der Autorin auf Twitter folgen: @carolineleicht.

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