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"Das Verfahren ist gescheitert"

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Nachfolge für AKK gesucht - "Das Verfahren ist gescheitert"

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Speed-Dating bei der Parteichefin, aber nur eine offizielle Kandidatur: Die Unruhe in der CDU wächst. Fraktionsvize Wadepuhl fordert die Reißleine: "Das Verfahren ist gescheitert."

Berlin: Medienvertreter warten im Regen vor der CDU-Zentrale, dem Konrad-Adenauer-Haus.
Berlin: CDU Zentrale, Logo.
Quelle: DPA

ZDF: Annegret Kramp-Karrenbauer hat vor über einer Woche angekündigt, vom CDU-Vorsitz zurücktreten zu wollen, es gibt aber immer noch kein Verfahren für die Nachfolge.

Johann Wadepuhl: Ich begleite das mit sehr viel Unverständnis und die Basis auch. Wir haben jeden Tag neue Kandidaten, insbesondere aus Nordrhein-Westfalen, aber kein Verfahren. Und deswegen muss jetzt schnell Klarheit her. Wir müssen wissen, wann wir wählen und in welchem Verfahren sich Kandidaten vorstellen können.

ZDF: Wie beurteilt die Basis das ganze Geschehen in Berlin?

Wadepuhl: Die Basis ist sehr irritiert. Der Versuch, dass zwei Frauen in unterschiedlichen Ämtern die Partei führen, ist fehlgeschlagen. Nun sieht die Basis wie wir alle, dass wir eine Wahl haben werden. Im September nächsten Jahres sind Bundestagswahlen, und bis dahin müssen wir uns wieder aufgestellt haben und den Menschen erklären: Wer tritt an mit welchem Programm.

Es wird Zeit, dass wir uns sortieren.

ZDF: Derzeit gibt es ein Speed-Dating der Kandidaten im Konrad-Adenauer-Haus. Wie beurteilen Sie das?

Wadepuhl: Das Verfahren ist insoweit gescheitert, als dass man eine Einigung hätte herbeiführen können. Wir haben jetzt mehrere Kandidaten, und es ist doch ganz normal, dass man dann abstimmt. Dann wird ein Parteitag veranstaltet - der muss vor der Sommerpause liegen, damit wir schnell Klarheit kriegen – und dann bekommen wir eine Mehrheitsentscheidung. Das ist doch gar kein Problem, das machen wir jeden Tag bei Kreisparteitagen auf Landesebene. Warum nicht auch auf Bundesebene?

Nach dem Chaos um die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen kündigte Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Rücktritt als CDU-Parteivorsitzende an und verzichtet auf eine Kanzlerkandidatur.

Beitragslänge:
19 min
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ZDF: Alle vier möglichen Kandidaten kommen aus Nordrhein-Westfalen. Ist das ein Problem?

Wadepuhl: Ich halte es für zufällig, dass alle aus NRW kommen. Aber es muss klar sein, dass nicht alle aus NRW alle Posten besetzen können. Wir sind eine föderale Partei, die viele Landesverbände hat, und deswegen muss Platz für andere sein. Es darf jetzt nicht so ausgehen, dass diejenigen, die sich gemeldet haben, bedient werden und andere gucken in die Röhre. Wir brauchen jetzt eine zügige Entscheidung.

Diese Zeit der Ratlosigkeit und des Suchens kann nicht immer so weiter gehen.

ZDF: Also doch eher Chaostage als Festspiele in der CDU?

Wadepuhl: Mir fällt da eher ein Begriff aus dem Lateinischen ein: Interregnum. Eine Herrschaft geht zu Ende und die nächste soll beginnen. Wir können uns in dieser Zeit, wo so viel in der Welt und in Deutschland los ist, wo wir Wahlen zu bestreiten haben, keine lange Irritation darüber erlauben, wer die Partei mit welchen Inhalten führen soll.

ZDF: Haben Sie so viel Hilfslosigkeit und Führungslosigkeit in der CDU schon einmal erlebt?

Wadepuhl: Wir sind in einer ähnlich schwierigen Lage wie nach Helmut Kohl. Und das ist immer so: Wenn jemand sehr lange das Land und auch die Partei geführt hat, dann gibt es eine schwierige Übergangsphase. Dass es jetzt so schwierig werden würde, hat niemand geahnt. Aber wir haben eine Menge guter Kandidaten und haben deswegen auch eine Menge Chancen. Das ärgert mich, dass wir die Chancen jetzt nicht nutzen.

ZDF: Was fordern Sie?

Wadepuhl: Wir brauchen ein Datum, bis dahin können sich die Kandidaten melden, dann einen Zeitplan für einen Parteitag vor der Sommerpause und dann eine Abstimmung bis Jahresende mit der CSU, wer Kanzlerkandidat der Union wird. Dann haben wir eine neue Führung. Das ist das, was die Menschen jetzt erwarten.

Das Interview führte Sohad Khaldi aus dem Landesstudio Schleswig-Holstein

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