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USA rüsten die halbe Welt auf

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Waffenexporte - USA rüsten die halbe Welt auf

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Die Welt ist im Waffenkaufrausch. Vor allem die USA profitieren davon. Aber auch Frankreich und Deutschland legen beim Export zu. Ein großer Lieferant schwächelt hingegen.

Ein Lockheed Martin F-35 Tarnkappenjet aus den USA. Archivbild
Ein F-35 Tarnkappenjet von Lockheed Martin aus den USA.
Quelle: Britta Pedersen/zb/dpa

Die USA rüsten inzwischen die halbe Welt auf. In den vergangenen fünf Jahren lieferte der größte Waffenexporteur der Erde Flugzeuge, Panzer, Militärschiffe und andere schwere Rüstungsgüter an insgesamt 96 Länder. Den starken Anstieg des dabei gehandelten Waffenvolumens der USA bezeichnet das Internationales Friedensforschungsinstitut Sipri in seinem aktuellen Bericht als "dramatisch".

Die Waffenexporte sind Teil der Außen- und Sicherheitspolitik der USA, deshalb bewirbt die US-Regierung diese auch aktiv.
Pieter D. Wezeman, Sipri-Forscher

So erklärt Sipri-Forscher Pieter D. Wezeman den US-Zuwachs. In einigen Fällen beinhalteten die Waffendeals auch militärische Hilfe der USA.

Das Brisante: Die Hälfte der gesamten US-Exporte ging in die Konfliktregion des Mittleren Ostens und wiederum die Hälfte dessen allein an Saudi-Arabien, das im Nachbarland Jemen seit Jahren Krieg führt. Aus Sicht vieler Beobachter ist Saudi-Arabien mitverantwortlich für eine humanitäre Katastrophe im Jemen.

US-Waffenexporte gezielt an Partner in Konfliktregionen

Der weltweit größte Waffenimporteur Saudi-Arabien bezog 73 Prozent des Materials von den USA. Die Supermacht sieht ihre Exporte indes im Einklang mit internationalem Recht. Tatsächlich hatte der UN-Sicherheitsrat 2015 ein Waffenembargo gegen die Huthi-Rebellen im Jemen verhängt, nicht aber gegen alle Konfliktparteien, was Saudi-Arabien miteingeschlossen hätte.

Andauernde Konflikte sind oft ein Grund für die USA, ihre darin involvierten Alliierten mit Waffenlieferungen zu unterstützen.
Pieter D. Wezeman, Sipri-Forscher

Der Grund: Aus Sicht der USA dienen ihre Partner US-Sicherheitsinteressen.

Stark gestiegene Waffenexporte in Frankreich

Doch nicht allein die USA sind für einen signifikanten Anstieg der globalen Waffenexporte um 5,5 Prozent zwischen 2014 und 2019 im Vergleich zum vorangegangenen Fünfjahreszeitraum verantwortlich. Vor allem der weltweit drittgrößte Waffenexporteur Frankreich steigerte seine Verkäufe um ganze 72 Prozent.

Die französische Waffenindustrie profitierte dabei von der Nachfrage aus Ägypten, Katar und Indien.
Diego Lopes Da Silva, Sipri-Forscher

Deutschland beliefert Europa mit Waffen

Auch die deutschen Waffenexporte stiegen um 17 Prozent an, ein deutlicher Zuwachs. Wezeman nennt dafür verschiedene Gründe: Einerseits wähnten sich die Europäer inzwischen stärker bedroht - namentlich durch Russland und aufgrund der Instabilität im Mittleren Osten und in Nordafrika - und kauften deshalb auch Rüstungsmaterial in Deutschland.

Im Oktober 2019 hat Deutschland die Waffenexporte an die Türkei eingeschränkt:

Die Offensive der Türkei in Syrien ist Thema bei einem EU-Außenministertreffen in Luxemburg. Außenminister Maas hat bekannt gegeben, dass die Bundesregierung Rüstungsexporte beenden wird und sich weitere Maßnahmen vorbehält.

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Andererseits verbuchten deutsche Waffenschmieden auch außerhalb Europas große Geschäftsabschlüsse - etwa mit Südkorea, Algerien, Ägypten, Indien, Indonesien, Israel, Katar und den USA.

Russland verkauft deutlich weniger Waffen

Entgegen dem Trend stark gestiegener Exporte sind einzig beim weltweit zweitgrößten Waffenproduzenten Russland die Exporte deutlich um 18 Prozent zurückgegangen, vor allem, weil der wichtigste Abnehmer Indien weniger einkaufte.

Geschäfte mit Ägypten und Irak konnten dies nicht kompensieren. Die Regionalmacht Indien, seit vielen Jahren im Konflikt mit dem Nachbarstaat Pakistan, hat sich aber mit Waffenkäufen nicht zurückgehalten - sondern einfach russische Lieferanten gegen französische und US-amerikanische getauscht.

Ende Dezember 2019 verkündete Kanzlerin Merkel: Vorerst keine Waffen für Saudi-Arabien:

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