Sie sind hier:

Regierung zu Melnyk-Kritik : Warum Deutschland keine Panzer liefert

Datum:

Der ukrainische Botschafter Melnyk fordert Waffenlieferungen aus Beständen der Bundeswehr - insbesondere von Marder-Panzern. Jetzt reagiert die Bundesregierung auf die Kritik.

Archiv: Schützenpanzer des Typs Marder werden auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr (Bayern) auf einen Zug verladen.
Schützenpanzer des Typs Marder werden auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr (Bayern) auf einen Zug verladen, Archiv
Quelle: dpa
Die Bundeswehr hat alles geliefert, was sie entbehren kann.
Steffen Hebestreit, Regierungssprecher

So lauteten die klaren Worte von Regierungssprecher Steffen Hebestreit bei der Pressekonferenz am Mittwoch in Berlin über weitere Waffenlieferungen an die Ukraine. "Eine Lieferung aus den Beständen der Bundeswehr von schwerem Gerät" sei nicht vorgesehen, betont auch Arne Collatz seitens des Verteidigungsministeriums. Damit reagiert die Bundesregierung auf die Kritik des ukrainischen Botschafters Andrij Melnyk.

Botschafter Melnyk fordert Schützenpanzer Marder

"Wir glauben, dass die Bundeswehr nach wie vor fähig wäre, uns die Waffen zu liefern, die wir gerade benötigen", hatte Melnyk im heute journal am Dienstagabend gesagt.

Das Interview mit dem ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk startet bei Minute 03:21.

Beitragslänge:
8 min
Datum:

Dabei bemängelte er, dass auf der Waffenliste Deutschlands keine schweren Waffen - darunter sogenannte Marder, also Schützenpanzer, stehen. Die Bundeswehr hätte nach Angaben der Ukraine über 400 an der Zahl. Und nur ein geringer Teil davon wäre eingebunden in Missionen.

Marder würden für Landes- und Bündnisverteidigung gebraucht

Konfrontiert mit der Kritik Melnyks, beruft sich das Verteidigungsministerium heute auf die parlamentarischen Aufträge und Verpflichtungen. Arne Collatz dazu vom Verteidigungsministerium:

Wir brauchen auch die Marder, als Hauptwaffensysteme der Bundeswehr, um unsere Landes- und Bündnisverteidigung und unsere Bündnisverpflichtungen - sowohl in den Einsätzen vor Ort an der Ostflanke der Nato, als auch in der dahinterstehenden Ausbildung, Ausrüstung und Logistik - wahrzunehmen.
Arne Collatz

Zuvor hatte bereits der stellvertretende Generalinspekteur der Bundeswehr, Markus Laubenthal, einer Lieferung von schweren Waffen vonseiten der Bundeswehr eine Absage erteilt.

Schützenpanzer etwa für Ausbildungszwecke ließen sich nicht einfach liefern, das würde "die [deutsche] Verteidigungsfähigkeit erheblich schwächen", so Generalleutnant Markus Laubenthal, stellv. Generalinspekteur der Bundeswehr.

Beitragslänge:
6 min
Datum:

Die von der Ukraine geforderten Marder-Panzer, die von der Bundeswehr zur Ausbildung genutzt werden, könnten nicht einfach übergeben werden, sagte Laubenthal im ZDF-Morgenmagazin. Dann hätte die Bundeswehr nichts mehr, um Kräfte für die schnelle Eingreiftruppe der Nato nachzuschicken, falls diese Unterstützung brauche.

Masala: Argument der Bündnisverteidigung "vorgeschoben"

Dagegen findet der Sicherheitsexperte Carlo Masala die Darstellung, dass die Bundeswehr überhaupt keine Marder entbehren könne, um sie an die Ukraine zu liefern, als "nicht glaubwürdig".

"Wenn die Verteidigung des Bündnisses an 15 Mardern hängt, dann ist es um die Verteidigung des Bündnisses nicht besonders gut bestellt. Also von daher ist dieses Argument ein bisschen, ich sage mal: vorgeschoben", sagte der Professor von der Universität der Bundeswehr in München im ZDF-Morgenmagazin.

Die einen sagen, wir können den Marder erst liefern, wenn die gesamte Logistikkette steht, die anderen sagen, wir können ihn sofort liefern und um die Logistikkette kümmern wir uns später“, so der Verteidigungsexperte Prof. Carlo Masala.

Beitragslänge:
6 min
Datum:

Regierung unterstützt Käufe der Ukraine und Ringtausch

Da die Bundesregierung keine Möglichkeiten mehr sieht, aus den Beständen der Bundeswehr Waffen an die Ukraine zu liefern, müsse man andere Wege etwa über die Finanzierung von Käufen bei der Rüstungsindustrie gehen, sagte Regierungssprecher Hebestreit.

Er verwies auf Gespräche mit der Ukraine und der Industrie, was geliefert werden soll und kann. Es gebe keine Verzögerung von Waffenlieferungen von deutscher Seite, betonte er. Die Gespräche mit dem ukrainischen Verteidigungsministerium würden gut laufen, so Hebestreit.

Vorgesehen sei auch ein sogenannter Ringtausch. Länder, die schwere Waffen sowjetischer Bauart an die Ukraine liefern wollten, werden von Deutschland unterstützt, so dass deren Depots wieder aufgefüllt werden.

Liefert Deutschland bereits heimlich?

Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass Deutschland bereits liefert, öffentlich aber einfach nicht darüber spricht: Nach Recherchen von Bloomberg wird Deutschland der Ukraine Munition für das Artilleriesystem "Panzerhaubitze 2000" zur Verfügung stellen und Ukrainer an den Waffen ausbilden.

Polnischen Medienberichten zufolge könnten auch die Kampfflugzeuge des Typs MiG-29 an die Ukraine geliefert worden sein. Die Lieferung war bereits vor Wochen beabsichtigt worden, doch der Plan, die Flugzeuge über einen US-Stützpunkt in Deutschland zu liefern, ist damals von den USA abgeschmettert worden. "Dinge dieser Art müssen still ablaufen", antwortete der polnische Regierungssprecher auf die Frage nach entsprechenden Berichten aus den USA.

Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog:

Zerstörtes Gebäude und Wrack eines Kozak-Panzerwagens in Donbass

Russland greift die Ukraine an - Aktuelles zum Krieg in der Ukraine 

Russlands Angriff auf die Ukraine dauert an. Es gibt Sanktionen gegen Moskau, Waffen für Kiew. Aktuelle News und Hintergründe zum Krieg im Blog.

Aktuelle Nachrichten zur Ukraine

Putin auf Landkarte mit Russland, Ukraine, Georgien und Syrien
Story

Nachrichten | Politik - Putins Kriege, Putins Ziele 

Tschetschenien, Georgien, Syrien, Ukraine: Russland hat unter Putin schon in mehreren Ländern gekämpft. Zwischen den Kriegen gibt es Parallelen – hier die Hintergründe verstehen.

Marschierende Soldatinnen und Soldaten des Feldjägerregiment 2 der Bundeswehr mit geschultertem Gewehr

Sondervermögen Bundeswehr - Ampel lässt Mützenich abblitzen 

Im Zweifel ohne Union? Aus der SPD kam der Vorschlag, das Sondervermögen für die Bundeswehr über das Aussetzen der Schuldenbremse zu finanzieren. FDP, Grüne und Kanzler winken ab.

von Kristina Hofmann
Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.