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AfD drohen Richtungsstreit und Spaltung

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Wahl in Hamburg - AfD drohen Richtungsstreit und Spaltung

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Noch ist nicht klar, ob die AfD in die Bürgerschaft einzieht. Dennoch wird ihr schlechtes Ergebnis zu Richtungsstreit führen. Sogar eine Spaltung ist laut Beobachtern denkbar.

Der Berliner AfD-Landeschef Georg Pazderski spricht zu Journalisten über eine Entscheidung des Landgericht Berlins.
Der Berliner AfD-Landeschef Georg Pazderski spricht zu Journalisten über eine Entscheidung des Landgericht Berlins.
Quelle: DPA

Noch rechnen sie bei der Forschungsgruppe Wahlen. Ein Ergebnis könnte noch Stunden auf sich warten lassen, sagen die Macher der ZDF-Hochrechnungen. Vor allem die Frage, ob die AfD anders als in der ersten Hochrechnung über fünf Prozent erreicht, ließe sich noch nicht abschließend sagen. Im Moment steigen die Zahlen jedenfalls leicht an.

Eines aber lässt sich schon sagen: Hamburg ist ein Dämpfer für die AfD. Verluste und bereits nach der Prognose deutete sich ein Richtungsstreit in der Partei an. "Die AfD muss ihr bürgerlich-konservatives Image schärfen und eine noch klarere Grenze nach Rechtsaußen ziehen", schreibt der Berliner AfD-Mann Georg Pazderski. Besonders der Bundesvorstand, die Landesvorstände, aber auch der Flügel seien jetzt gefordert. Im Klartext: Pazderski kritisiert den Kurs der Partei als zu radikal.

Spaltung der AfD in Ost und West denkbar

Nach dem schlechten Abschneiden in Hamburg stellt sich für die AfD auf Bundesebene die Frage, welchen Kurs sie künftig einschlagen wird. Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte hält es für möglich, dass diejenigen lauter werden, die eine Radikalisierung der Partei ablehnen. Aber auch eine Spaltung der Partei sei denkbar: Es könnte eine Spaltung in West und Ost geben, sagt er.

Denkbar wäre eine Ost-AfD, die sich ideologisch, völkisch und rassistisch zeigt und sich um den Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke sammelt. Daneben könnte eine westliche AfD versuchen, stärker Protest zu artikulieren. "Auf jeden Fall wird das Ergebnis in Hamburg Auswirkungen haben auf die Partei, die sich ja selbst noch weiter häutet, weil sie noch eine junge Partei ist.

Warum Thüringen und Hanau der AfD geschadet haben

Laut Korte haben der AfD in Hamburg zwei Ereignisse von bundespolitischer Relevanz geschadet: Thüringen und die rassistischen Morde von Hanau. In Thüringen habe die AfD einen Ministerpräsidenten-Kandidaten aufgestellt, ihn aber überhaupt nicht gewählt. "Das führt vor, welches institutionelle Vertrauen von so einer Partei ausgehen kann - nämlich keins", sagt er. Und ergänzt: "Wie die AfD mit Vielfalt umgeht - auch nach Hanau - lässt Wähler dazu votieren, die Mitte zu stärken. Wenn die Mitte sich wehrt, selbst laut wird, dann wird der Rand viel kleiner", so Korte.

In der Tat hatten sich etwa in den sozialen Netzwerken den ganzen Tag über Nutzer zur Wahl verabredet. Die Wahlbeteiligung dürfte am Ende höher liegen als vor fünf Jahren. Für Linken-Chef Bernd Riexinger liegt darin die Botschaft der Hamburg-Wahl: "Dass so viele demonstriert haben gegen die Vorgänge in Thüringen. Dass es so viele Gedenkveranstaltungen und Mahnwachen nach Hanau gegeben hat: Das hat die Gesellschaft mobilisiert. Man muss also klare Kante gegen Rechts zeigen", sagt er heute.de.

Warum Hamburg keine "Trendwende" ist

Für AfD-Sprecher Tino Chrupalla sind derartige Analysen verfrüht. Noch sei er zuversichtlich, dass die AfD noch über fünf Prozent kommt, sagt er heute.de. Zwischen den Zeilen wird Kritik an Medien deutlich. Haben sie versucht, der AfD die Schuld für Hanau in die Schuhe zu schieben - als Grund für ein mögliches Scheitern der AfD in Hamburg? "Ob es daran gelegen hat, in welcher Form diese mediale Berichterstattung dazu beigetragen hat, das kann ich noch nicht beantworten", sagt Chrupalla.

Sollte die AfD am Ende aus der Bürgerschaft fliegen, wäre es das erste von sechzehn Landesparlamenten ohne AfD-Vertreter. Bei Twitter feiern Nutzer bereits "den Anfang vom Ende der AfD". Doch diese Interpretation der Hamburger Wahl hält Karl-Rudolf Korte für falsch: "Ich warne vor Serien", sagt er. Eine klare Linie, einen Abwärtstrend - davon könne man auch nicht reden, was auch an "wählerischen Wählern" liegen. Allerdings stimme auch diese Botschaft: "Wenn die Mitte sich wehrt, selbst laut wird, dann wird der Rand kleiner."

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