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Interview

Projektleiterin zum Wahl-O-Mat - "Man kann nicht jeden Wunsch berücksichtigen"

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Zwei Wochen ist der Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl online, fast 15 Millionen Mal wurde er geklickt. Warum in dem Tool auch Themen fehlen, erklärt Projektleiterin Schrenk.

Der Wahl-O-Mat auf eimem Smartphone
Internetportal vom Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2021 auf einem Handy
Quelle: picture alliance / Eibner-Pressefoto

Zu ein paar Thesen schnell auf dem Smartphone Stellung beziehen und zack, wird einem die passende Partei ausgespuckt. Doch zwei Wochen nach dem Start und zwei Wochen vor der Bundestagswahl gibt es auch Kritik am Wahl-O-Mat.

Das Interesse an dem Tool scheint groß zu sein, bisher wurde der Wahl-O-Mat fast 15 Millionen Mal angeklickt. Bei der vergangenen Bundestagswahl 2017 verzeichnete die Bundeszentrale für politische Bildung insgesamt 15,7 Millionen Abrufe.

ZDFheute: Fangen wir von vorne an: Wie kommen eigentlich die Fragen zustande?

Lea Schrenk: Das ist ein redaktioneller Prozess. Vor etwa drei Monaten sind wir mit einer Redaktion gestartet. Die besteht aus jungen Wähler*innen, Expert*innen und Verantwortlichen der Bundeszentrale für politische Bildung. Wir haben uns dann online getroffen und in verschiedenen Themengruppen, auf Basis der Parteiprogramme, überlegt, was die zentralen Themen sind. Daraus haben wir 80 Thesen formuliert und von den Parteien beantworten lassen. Und erst im nächsten Schritt haben wir dann entschieden, welche 38 Thesen es in den Wahl-O-Mat schaffen.

ZDFheute: Nach welchen Kriterien wird entschieden, welche Thesen es dann tatsächlich in den Wahl-O-Mat schaffen?

Schrenk: Da gibt es vor allem zwei Kriterien. Das eine sind statistische Gründe, denn beim Wahl-O-Mat geht es eben auch darum zu zeigen, wo Unterschiede zwischen den Parteien liegen. Das heißt, wir entscheiden danach, welche Thesen die Parteien besonders gut voneinander unterscheiden. Und dann geht es vor allem darum, dass wir das Spektrum an Themen abdecken, also besonders vielfältige Themen aufzeigen.  

Der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung mit neuen Anwendungsmöglichkeiten und in neuem Design: 38 Thesen sollen Unentschiedenen bei der Wahlentscheidung helfen.

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ZDFheute: An der Auswahl der Fragen gab es im Vorfeld einige Kritik. Zu den Corona-Maßnahmen gibt es zum Beispiel keine Frage. Auch der Kulturrat hat sich beschwert, dass die Kultur bei den Fragen außen vor gelassen wurde. Würden Sie im Nachhinein sagen, Sie haben Fragen vergessen?

Schrenk: Nein, das würde ich nicht sagen. Ich finde, wir haben eine Vielfalt von Themen abgedeckt.

Dass da nicht jedes Thema, was uns hier im Land bewegt, dabei sein kann, das ist leider so.
Lea Schrenk, Projektleiterin Wahl-O-Mat

Zu Corona haben wir ja auch eine These, die sich mit den Patenten von Impfstoffen befasst. Es gibt aber auch andere Thesen, die dann indirekten Bezug zu diesen Themen haben und von den Parteien auch so diskutiert werden. Denn der Wahl-O-Mat besteht ja nur zum Teil aus den Thesen. Der andere Teil sind die Begründungen der Parteien. In ganz vielen Punkten wird da dann auch die Corona-Politik behandelt, beispielsweise im Kontext Homeoffice oder Schuldenbremse. Aber klar ist auch: Mit 38 Thesen kann man einfach nicht jeden Wunsch berücksichtigen.

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ZDFheute: Bei so vielen Redaktionsmitgliedern und Beteiligten stellt sich natürlich die Frage: Wer finanziert denn das alles?

Schrenk: Also der Wahl-O-Mat ist von der Bundeszentrale für politische Bildung finanziert und die wiederum ist dem Innenministerium unterstellt.

Das heißt, der Wahl-O-Mat und alles drumherum wird von Steuergeldern finanziert.

ZDFheute: Da könnte man ja jetzt annehmen, wenn der Wahl-O-Mat dem Innenministerium unterstellt ist, dann gibt es dort auch ein Interesse, nicht zu schlecht dabei wegzukommen, oder?

Schrenk: Wir als Redaktion des Wahl-O-Maten arbeiten trotzdem unabhängig. Das Innenministerium hat da keinerlei Einfluss.

Die Parteien haben generell keinen Einfluss in die Erstellung der Thesen oder deren Auswahl.

Natürlich sind sie an bestimmten Punkten eingebunden - sie geben ihre Wahlprogramme rein oder beantworten die Thesen. Aber in die Auswahl der Thesen sind sie an keiner Stelle eingebunden.

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ZDFheute: Das heißt konkret, dass es das auch noch nie gegeben hat, dass sich Parteien bei Ihnen über Thesen beschwert haben?

Schrenk: Natürlich können sich Parteien kritisch äußern, aber das hat keinen Einfluss auf die Auswahl der Thesen.

ZDFheute: Anfang des Monats hat ein Kommentar für Aufruhr gesorgt, in dem sich die Autorin beschwert, dass der Wahl-O-Mat zu schnell Menschen als rechts einstuft - ist das auch Ihr Eindruck?

Schrenk: Ich sehe da keinen Unterschied zu vorherigen Wahl-O-Maten. Im Kern ging es ja darum, dass die Autorin nicht bei der Partei rausgekommen ist, die sie sich vorgestellt hat. Das ist eigentlich etwas, was sehr selten vorkommt.

Denn Studien zeigen, dass der Großteil der Leute bei der Partei rauskommt, an die sie auch gedacht haben.

Dass das hier nicht der Fall ist, kann unterschiedliche Gründe haben. Das kann daran liegen, dass man ein bestimmtes Thema besonders wichtig findet oder man seine Wahl an bestimmte Kandidaten knüpft. Ich würde diesen Überraschungsmoment eher nutzen, mich mit den Parteien noch einmal zu beschäftigen.

Das Interview führte Nils Hagemann.

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von Robert Meyer
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